Lufttemperatur

Es wird weiter wärmer

Um das zukünftige Klima im Alpenraum abschätzen zu können ist man auf die Simulationsergebnisse globaler und regionaler Klimamodelle angewiesen. Die Modellergebnisse zeigen dabei eine Fortsetzung des gegenwärtigen Trends zu höheren Temperaturen. Im Alpenraum ist der Anstieg bis jetzt stärker ausgefallen als im globalen Mittel – diese Entkoppelung wird aber nicht ewig Bestand haben sondern sich angleichen.

Im Alpenraum hat der globale Klimawandel in den letzten 50 Jahren zu einem etwas stärkeren Temperaturanstieg geführt als in vielen anderen Gebieten der Erde (vgl. Artikel „Lufttemperatur“). Für eine grobe Abschätzung über die Klimazukunft im Alpenraum können Simulationsergebnisse aus globalen Klimamodellen verwendet werden. In Abbildung 1 ist nun die weitere Temperaturentwicklung in der GAR für das Szenario A1B dargestellt. Basis für diese Abbildung bilden Daten aus über 15 globalen gekoppelten Ozean-Atmosphären Modellen (sog. Multi-Model Ensemble), mit denen Klimaszenarien für den 4. Sachstandbericht des IPCC aus dem Jahr 2007 berechnet wurden. Aus diesen großräumigen Datenfeldern wurde die Temperaturänderung in der GAR relativ zum Referenzzeitraum 1961-1990 extrahiert. In der Abbildung sind die Zeitreihen gefiltert (geglättet) dargestellt um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Die Schwankungsbreite des Modell-Ensembles ist in Graustufen dargestellt und der Median als rote Linie. Die Messdaten aus der HISTALP-Datenbank entsprechen der grünen Linie.

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Abb. 1: Änderung des Jahresmittels der Lufttemperatur (30-jährig gefiltert) in der GAR bezogen auf das Mittel von 1961-1990 aus Klimamodellierungsdaten (IPCC 2007) und Messdaten. Rot: Median aus 15 globalen Klimamodellen, grün: HISTALP-Messdaten, grau: Streuung der Modelle (aus einer laufenden Untersuchung an der Abteilung für Klimaforschung, HISTALP; IPCC Data ).

Temperaturszenarien globaler Modelle im Alpenraum bis 2100

Die globalen Zirkulationsmodelle zeigen für die Region eine Fortsetzung des beobachteten Trends hin zu höheren Temperaturen. Bis zum Ende des Jahrhunderts steigt die Jahresmitteltemperatur in den Simulationen um ca. +3,5° C verglichen mit der von der WMO festgelegten (Klimanormalperiode 1961-1990), mit einer Schwankungsbreite innerhalb der Modelle von +2 bis +5,5° C. Gegenwärtig liegen die gemessenen HISTALP-Temperaturen über den Modellergebnissen, jedoch sind die AOGCMs in diesem relativ kleinen räumlichen Ausschnitt nicht in der Lage die dekadische Variabilität des Klimas gut wiederzugeben. Das „kalte Ende“ des 19. Jahrhunderts und die warmen 1940er Jahre werden nicht aufgelöst.

Globale Zirkulationsmodelle können aufgrund ihrer sehr groben räumlichen Auflösung nur eine erste Abschätzung über die Klimaentwicklung im Alpenraum liefern. Für umfangreichere Untersuchungen nützt man Modellergebnisse aus regionalen Klimamodellen.  Im Folgenden werden Modellierungsergebnisse aus der aktuellen EURO-Cordex Initiative vorgestellt (Jacob et al., 2014).

Regionale Klimamodellsimulationen bis 2100 im Alpenraum

Bis etwa zur Mitte des 21. Jahrhunderts ist mit einem Temperaturanstieg im österreichischen Alpenraum von knapp 2°C zu rechnen, bezogen auf die WMO-Normalperiode 1971-2000 (Chimani et al., 2015). Je nach Emissions-Szenario liegt der Anstieg bis Ende 2100 zwischen +2,3° (RCP4.5) und +4.0° (RCP8.5). Die Modellprojektionen zeigen im Jahresmittel eine stärkere Erwärmung in Gebieten wie Südtirol, oder in den südlichen Ausläufern des Alpenbogens, ansonsten ist die Temperaturerhöhung relativ homogen über die gesamte Region verteilt. Gegenüber älteren SRES-ENSEMBLES Projektionen ist die Erwärmung der neuen Modellgeneration in hohen Lagen stärker ausgeprägt als in niedrigen.

Betrachtet man die Änderungen saisonal (Abbildung 2), treten deutliche Unterschiede zu Tage. Eine geringfügig stärkere Erwärmung als im Jahresmittel wird für die Herbst- und Wintermonate (September-Februar) simuliert. Im Gegensatz dazu ist eine etwas niedrigere Erwärmung im Frühling (März-Mai) für den Alpenraum zu erwarten. Der Sommer weist vor allem südwestlich der Alpen eine überdurchschnittliche Erwärmung auf.

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Abb. 2: Projektionen für die Änderung der Lufttemperatur auf saisonaler Basis als Mittelwert aller Modelle aus EURO-CORDEX für das Szenario RCP8.5. Vergleich 2071-2100 gegenüber 1971-2000 in °C (Jacob et al., 2014; modifiziert).

 

Literatur:

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Chimani B., Heinrich G., Hofstätter M., Kerschbaumer M., Kienberger S., Leuprecht A., Lexer A., Peßenteiner S., Poetsch M.S., Salzmann M., Spiekermann R., Switanek M. und H.Truhetz, 2016. ÖKS15 – Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden und Klimaanalyse. Projektendbericht, Wien.

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