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Das Conrad Observatorium in
Österreich
 Frontansicht des
Observatoriums
Das Conrad Observatorium ist
nach dem berühmten Seismologen und Klimatologen Prof.Dr.
Victor Conrad (1876 - 1962) benannt, der an der k.k.
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) viele
Jahre beschäftigt war. Das Observatorium befindet sich ca. 50
km südwestlich von Wien in einem Naturschutzgebiet der
Bundesforste auf dem "Trafelberg" in Niederösterreich auf
einer Seehöhe von ca. 1000 m. Die Abgeschiedenheit des
Standortes eignet sich für spezielle Untersuchungen und
Langzeitbeobachtungen der Umwelt - Forschungsvorhaben, die in
Zukunft im zunehmenden Maße an Bedeutung gewinnen
werden. Es handelt sich bei dieser Forschungseinrichtung um
das einzige Observatorium dieser Art in der Alpenregion. Der
Standort zeichnet sich durch extrem niedrige Bodenunruhe, die
industriell oder natürlichen Ursprungs sein kann, aus. Dazu
trägt auch der Umstand bei, dass sich das Observatorium
gänzlich unter Tage befindet, wo Störungen dieser Art nochmals
reduziert werden. Die über das Jahr fast konstante Temperatur
im Messstollen und den Bohrlöchern des Observatoriums trägt
ihrerseits zur hohen Qualität der Messungen bei. Da die
Forschungsanlage ohne Ventilation auskommt, gibt es auch keine
damit verbundenen lokalen Erschütterungen, die die Messungen
nachteilig beeinflussen würden. Das Observatorium ist mit
einer eigenen Stromversorgung ausgerüstet und mit
Datenleitungen mit der Hauptabteilung Geophysik an der ZAMG in
Wien verbunden. Mit einem Fernüberwachungssystem können alle
Instrumente, Stromversorgung, Temperatur etc. kontrolliert und
geregelt werden.
Zu den verschiedenenen
geophysikalischen Disziplinen, die am Observatorium realisiert
werden können, zählt unter anderem die Seismologie.
Seismologische Beobachtungen geringer Bodenbewegungen hängen
sehr stark von der Qualität der Messgeräte ab, und deshalb
kommt dem Vergleich verschiedener Messanlagen heute eine große
Bedeutung zu. Das Observatorium dient daher derzeit zur
- Beobachtung der weltweiten Seismizität
- Erfassung von Atomtests
- Kalibrierung von Seismometern
- Entwicklung und Test neuer Messsysteme, und
- zum Vergleich verschiedener Messinstrumente
unter kontrollierten Bedingungen. Insbesondere der
letzte Punkt ist für Langzeitbeobachtungen der Erdkruste
äußerst wichtig, da solche Messreihen extrem zuverlässige
Messerfassungssysteme während der gesamten Beobachtungszeit
erfordern. Zusätzlich können die Bodenbewegungen in
Bohrlöchern und auf verschiedenen Messsockeln registriert und
verglichen werden, womit Systeme verbessert werden können.
Durch die on-line Anbindung mit anderen Institutionen können
international Entwicklungsarbeiten durchgeführt werden. Die
CTBTO - Comprehensive Test Ban Treaty Organization in Wien -
verwendet bereits das Observatorium für Tests und Experimente
als auch für die Ausbildung der Stationsbetreuer des
"International Monitoring System" (IMS) in Verbindung mit der
"Global Communication Infrastructure" (GCI System). Eine
weitere geophysikalische Disziplin stellt die Gravimetrie dar.
Veränderungen des Schwerefeldes der Erde durch Gezeitenkräfte
und geodynamische Prozesse können mit hochgenauen Messgeräten
erfasst werden. Eines dieser Geräte - ein supraleitendes
Gravimeter GWR C025, von dem weltweit nur 20 existieren - wird
von der Hauptabteilung Geophysik gemeinsam mit dem Institut
für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien für diese
Zwecke genutzt. Für das Jahr 2006 ist vorgesehen, diese
hochempfindliche Anlage von Wien zum Conrad-Observatorium zu
verlegen. Die derzeitigen Messergebnisse werden bereits im
"Global Geodynamical Project" (GGP) genutzt. Zusätzlich werden
auch meteorologische Einflüsse, wie Regenwolken,
Bodenfeuchtigkeit und Höhenänderungen erfasst.
 Messstollen
Das
derzeitige Observatorium umfasst einen 150 m langen
Messstollen, der mit mehreren Sockeln ausgerüstet ist, vier
Bohrlöcher, von denen drei 100 m tief sind und ein 50 m-tiefes
Bohrloch, sowie Laborräume, ein Büro, Küche, WC und einen
Waschraum. Ein VSAT- System dient zur Datenübermittlung via
Satellit zum International Data Centre (IDC) der CTBTO, und
ein GPS-System sorgt für eine genaue Zeiterfassung. Der dritte Teil des Conrad Observatoriums - eine
Einrichtung, die der Erfassung des erdmagnetischen Feldes
sowie dessen Erforschung und der Messgerätentwicklung dient -
befindet sich derzeit im Endstadium der Planung. Auch können
damit in Zukunft Änderungen des Erdmagnetfelds vor und nach
einem Erdbeben geprüft werden. Seit das Studium der Biosphäre
immer mehr an Interesse gewinnt, sind auch statische und
zeitlich variable Änderungen des Magnetfeldes von großer
Bedeutung, die Aufschluss über die physikalischen Vorgänge in
der hohen Atmosphäre geben. Die Erfassung des Sonnenwinds und
von Sonneneruptionen (Protuberanzen) ist ebenfalls von größtem
Interesse, da diese Ereignisse die Telekommunikation,
Navigationssysteme, Stromversorgungseinrichtungen und
Sicherheitssysteme beeinflussen. Durch die Kombination
seismischer, gravimetrischer und geomagnetischer Beobachtungen
stellt das Conrad Observatorium bei Wien ein einzigartiges
Laboratorium für nationale und internationale
Forschungsvorhaben in Österreich dar. Um die Erfassung der
Messreihen nicht zu stören, ist das Observatorium nicht
öffentlich zugänglich.
Für mehr Information
kontaktieren Sie uns bitte unter mailto:conrad.observatory@zamg.ac.at
Presseaussendung
anlässlich der Eröffnung am 23.Mai 2002
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Network of Research Infrastructures for European Seismology
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Das Conrad Observatorium ist eine der Europäischen Forschungseinrichtungen.
Im 6. EU-Rahmenprogramm wird das Observatorium für Aktivitäten im
Network of Research Infrastructures for European Seismology (NERIES) project - EC Contract Number 026130 -
genutzt.
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