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07.09.2012

Zwei Erdbeben im Südwesten Chinas am 7. September 2012

Zahlreiche Todesopfer im Epizentrum

 Am Freitag, den 7. September 2012 wurde der Südwesten Chinas innerhalb einer Stunde (03:19 Uhr und 04:16 Uhr UTC) von zwei Erdbeben erschüttert, die beide jeweils eine Magnitude von 5,6 aufwiesen. Das Epizentrum lag im grenznahen Bereich der Provinzen Yunnan, Guizhou und Sichuan (27,51°N, 103,93°E). Die Herdtiefe wird entsprechend den Angaben des US- Erdbebendienstes (USGS) mit 10 Kilometern angegeben.

Obwohl die beiden Erdbeben von der Magnitude her wesentlich schwächer waren als jene in der Woche davor (vor den Philippinen am 31. August und in Costa Rica am 5. September; jeweils Magnitude 7,6), sind in China bisher über 50 Todesopfer und mindestens 150 Verletzte zu beklagen, es entstanden beträchtliche Gebäudeschäden. Der Grund dafür liegt in der geringeren Herdtiefe und in der Nähe zu dicht besiedelten Gebieten mit vergleichsweise unsicherer Bauweise. Die Region wird von zahlreichen Nachbeben erschüttert.

Tektonik und bedeutende Beben

Die Erdbebenaktivität im Südwesten Chinas ist bedingt durch die ostwärts gerichtete Bewegung der Erdkruste, die durch die Kollision der Indischen und der Eurasischen Kontinentalplatte vorangetrieben wird. Die Region ist von zahlreichen, seismisch aktiven Störungszonen durchzogen, die hauptsächlich mit Seitenverschiebungen einhergehen. Das Epizentralgebiet befindet sich direkt an der Eurasischen Platte, die im Osten an die nahegelegene Yangtze Platte grenzt. Übergeordnet finden sich in dieser Region die Longmenshan Störung im Norden (Sichuan) - eine Aufschiebung, sowie die Xiaojiang Störung im Westen (Yunnan) - eine Seitenverschiebung. In der Region Zhaotong befinden sich die lokalen Störungen Kunshanchang und Zhaotong Qjing. Als Ursache der beiden Erdbeben sind Seitenverschiebungen anzunehmen, wie Momententensor-Lösungen (USGS, GFZ) zeigen.

Die betroffene Region wurde in der Vergangenheit immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert:

Am 10. Mai 1974 verursachte ein oberflächennahes Erdbeben (10 km Tiefe) der Magnitude 6,8 in der Region nördlich von Zhaotong mehr als 1500 Todesopfer und mehrere Hangrutschungen. Ereignisse mit ähnlichen Magnituden und Lage des aktuellen Bebens ereigneten sich am 14.11.2003 und am 10.8.2004 und hatten insgesamt nur 8 Todesopfer zur Folge. Dies ist mit der größeren Herdtiefe von 35 km zu erklären. Ein sehr seichtes Erdbeben (4 km Tiefe) mit einer Magnitude von 5,7 verursachte am 18.4.1985 bei Tonggongde mehr als 22 Tote. 400 Kilometer entfernt lag das Epizentrum des Sichuan-Bebens am 12. Mai 2008, das eine Magnitude von 7,9 aufwies und dem fast 70 000 Personen zum Opfer fielen.

 

Verfasser: Mag. Christiane Freudenthaler, Dipl.-Ing. Helmut Hausmann

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