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30.12.2011

Jahresrückblick - Erdbeben in Österreich 2011

Im Jahr 2011 wurden mit dem seismischen Stationsnetz des Österreichischen Erdbebendienstes der ZAMG weltweit über 6800 seismische Ereignisse registriert.

Bei 600 Erschütterungen handelte es sich um Erdbeben, die sich in Österreich ereigneten. Insgesamt konnten 51 Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen werden (siehe Karte).

 Jahresrückblick - Erdbeben in Österreich 2011

Verspürte Erdbeben in Österreich 2011 mit Intensitäten in Grad (EMS-98). © ZAMG Geophysik

Vierzehn verspürte Erdbeben gab es in Tirol, jeweils elf in Niederösterreich und in der Steiermark, sechs in Salzburg, drei in Kärnten, zwei in Oberösterreich und eines in Vorarlberg (siehe Diagramm). Weiters konnte jeweils ein Erdbeben aus Ungarn, Slowenien und Italien auch in Österreich wahrgenommen werden. Es gab im Jahr 2011 in Österreich keine nennenswerten Gebäudeschäden durch Erdbeben.

 

Die stärksten Erdbeben in Österreich 2011

 

Das stärkste österreichische Erdbeben des Jahres 2011 ereignete sich am 14. Dezember um 13:37 MEZ bei Radstadt in Salzburg mit einer Magnitude von 3,8 nach Richter. 19 Sekunden früher ereignete sich ein kräftiges Vorbeben der Magnitude 3,6. Zahlreiche Menschen konnten die starken Erschütterungen verspüren, Gegenstände fielen um, und einzelne Verputzrisse wurden gemeldet. Durch die Auswertung der etwa 270 eingelangten Meldungen wurde die Intensität mit 5 Grad auf der zwölfstufigen EMS-98 (Europäische Makroseismische Skala, siehe Anhang) bestimmt. Das Erdbeben in Axams bei Innsbruck am 22. Juni um 00:14 MESZ erreichte ebenfalls eine Intensität vom Grad 5 auf der EMS-98, die Magnitude nach Richter betrug 2,9. Mehr als 600 Meldungen sind via Internet-Wahrnehmungsformular beim Österreichischen Erdbebendienst eingelangt.

Jahresrückblick - Erdbeben in Österreich 2011

Registrierung beider Erdbeben nördlich von Radstadt am 14. Dezember 2012 © ZAMG Geophysik

Sehr stark wurde das Erdbeben bei Molln in Oberösterreich am 16. Dezember um 07:55 MEZ verspürt, das sich in geringer Tiefe ereignet hat. Die Magnitude betrug 2,9, die Intensität wies ebenfalls 5 Grad auf der EMS-98 auf.

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Seismogramme des Erdbebens in Molln am 16. Dezember 2011 © ZAMG Geophysik

Das Erdbeben im nördlichen Bregenzerwald am 27. Jänner um 02:24 MEZ wurde trotz der relativ hohen Magnitude von 3,5 nach Richter nur mäßig stark verspürt. Der Grund dafür liegt in der großen Herdtiefe, die im Bereich von 20 km ermittelt wurde. Es sind 22 Meldungen aus Vorarlberg, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz eingelangt; die Intensität betrug 4 Grad auf der EMS-98.

Ebenfalls eine Magnitude von 3,5 nach Richter hatte das Erdbeben bei Jochberg in Tirol am 12. März um 09:01 MEZ. Hier betrug die Epizentralintensität 4 – 5 Grad (EMS-98). Über das Internet-Wahrnehmungsformular langten im Jahr 2011 über 1100 Berichte der betroffenen Bevölkerung über die Auswirkungen von Erdbeben in der Zentrale auf der Hohen Warte in Wien ein. Auch aus dem angrenzenden Ausland (vor allem aus Südtirol) wurde von 425 Personen über die Erschütterungswirkungen via Internet-Wahrnehmungsformular berichtet. Die Daten ermöglichen dem Österreichischen Erdbebendienst die genaue Ermittlung des Intensitätsgrades auf der EMS-98.

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Anzahl der gefühlten Erdbeben 2011 auf die Bundesländer in Österreich verteilt © ZAMG Geophysik

 

Erdbebenserien in Österreich 2011

 

In manchen Orten machten sich im Jahr 2011 gleich mehrere Erdbeben bemerkbar. Im Gebiet von Murau in der Steiermark wurde am 5. Februar um 02:06 MEZ ein deutlich fühlbares Erdbeben der Magnitude 2,5 nach Richter registriert, es folgten dann vier weitere Beben zwischen dem 23. Oktober und dem 3. November mit einer maximalen Magnitude von 2,0. Im Zeitraum von 4. Juni bis 2. Juli bebte am Semmering in Niederösterreich die Erde drei Mal mit Magnitudenwerten von bis zu 2,7.

In Saalfelden, Salzburg, ereigneten sich am 20. November innerhalb von 7 Minuten drei fühlbare Erdbeben mit Magnituden von 2,9, 2,7 und 2,5. Im Zeitraum vom 30. November bis 3. Dezember wurde bei Hall in Tirol ein Bebenschwarm registriert, der insgesamt 152 schwache Erdbeben umfasste. Sie blieben unter der Wahrnehmungsgrenze und konnten nur instrumentell erfasst werden. Das stärkste Ereignis hatte eine Magnitude von 1,6 nach Richter, die kleinsten Magnituden lagen bei -1,5. Da der Österreichische Erdbebendienst im Raum Innsbruck ein Nahbebenstationsnetz mit hochempfindlichen Messgeräten betreibt, ist es möglich, auch diese energieschwachen Ereignisse aufzuzeichnen und zu lokalisieren. Einige Tage später, am 11. Dezember, folgte ein deutlich fühlbares Erdbeben östlich von Innsbruck mit einer Magnitude von 2,4, das von 135 Personen gemeldet wurde.

Jahresrückblick - Erdbeben in Österreich 2011

Drei verspürte Erdbeben innerhalb von 7 Minuten in Saalfelden am 20. November 2011 © ZAMG Geophysik

Verfasserinnen:
Mag. Christiane Freudenthaler, Mag. Rita Meurers
Abteilung Geophysik
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
HoheWarte 38, 1190 Wien
seismo@zamg.ac.at

 

                                             INTENSITÄTSSKALA  EMS-98  (Kurzfassung)
GradErdbebenwirkung an der Oberfläche
1
Nicht fühlbar: Wird nur von Erdbebeninstrumenten registriert.
2
Kaum bemerkbar: Wird nur vereinzelt von ruhenden Personen wahrgenommen.
3
Schwach fühlbar: Wird von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen. Ruhende Personen empfinden ein leichtes Schaukeln oder Rütteln.
4
Deutlich fühlbar: Wird in Gebäuden von vielen Personen und im Freien vereinzelt wahrgenommen. Einige Schlafende erwachen. Fenster, Türen und Geschirr klirren.
5
Stark fühlbar: Wird in Gebäuden von allen Personen, im Freien von einigen wahrgenommen. Viele Schlafende erwachen. Einige Personen erschrecken. Das gesamte Gebäude schwankt. Hängende Gegenstände pendeln stark. Kleine Objekte werden verschoben. Türen und Fensterläden schlagen auf und zu.
6
Leichte Gebäudeschäden: Viele Menschen erschrecken und flüchten ins Freie. Einige Gegenstände fallen um. An vielen Häusern entstehen geringe Schäden, wie Haarrisse oder kleine Verputzteile fallen herab.
7
Gebäudeschäden: Die meisten Personen erschrecken und flüchten ins Freie. Möbelstücke verrücken und viele Gegenstände fallen aus den Regalen. An vielen Häusern solider Bauart treten mäßige Schäden auf: kleine Mauerrisse, Verputzteile fallen ab, Schornsteine fallen herab. An älteren Gebäuden treten häufig große Mauerrisse auf oder Zwischenwände stürzen ein.
8
Schwere Gebäudeschäden: Viele Personen verlieren das Gleichgewicht. An vielen Gebäuden treten große Mauerrisse auf. Einige gut gebaute Häuser weisen schwere Mauerschäden au, während alte Gebäude sehr einfacher Bauart auch einstürzen.
9
Zerstörend: Allgemeine Panik. Viele schlecht gebaute oder alte Häuser stürzen ein. Andere - auch gut gebaute Häuser - werden stark beschädigt bzw. stürzen teilweise ein.
10
Umfangreiche Zerstörungen: Viele gut gebaute Häuser stürzen ein.
11
Verwüstend: Die meisten Bauwerke - auch solche, die besonders gut konstruiert sind - werden zerstört.
12 Vollkommene Verwüstung: Fast alle Bauten werden vernichtet.

EMS-98: Europäische Makroseismische Skala 1998 (12- stufige Fühlbarkeits- und Schadensskala basierend auf Mercalli-Sieberg)

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Umfeld eines Stollens © ZAMG
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Live-Seismogramm
Historische Erdbeben
Holzschnitt aus der 'Weltchronik' von Hartmann Schedel, 1493. 'Und der Engel nahm das Rauchfaß und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde, und Donner folgten, Getöse, Blitze und Beben.' Offenbarung 8,5 © ZAMG Geophysik Hammerl
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