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28.12.2017

2017 überdurchschnittlich viele Erdbeben in Österreich

2017 überdurchschnittlich viele Erdbeben in Österreich

©ZAMG

Im Jahr 2017 wurden mit dem Stationsnetz des Erdbebendienstes der ZAMG weltweit rund 9.500 seismische Ereignisse registriert. 1.320 Erdbeben wurden in Österreich lokalisiert, davon wurden 63 von der Bevölkerung verspürt. Außerdem waren in Österreich sieben Erdbeben aus den Nachbarländern spürbar.

Die Zahl der spürbaren Erdbeben war in Österreich 2017 gleich hoch wie im Vorjahr. „Wir haben heuer zu 70 Erdbeben Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen", sagt Seismologin Rita Meurers von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), „63 davon hatten das Epizentrum in Österreich, sieben Erdbeben waren aus den Nachbarländern Italien, Schweiz und Slowenien spürbar."

Deutlich über dem Durchschnitt, aber wenige starke Beben

Die Zahl der spürbaren Beben in Österreich lag 2017 deutlich über dem vieljährigen Durchschnitt von etwa 48 verspürten Beben pro Jahr. Ein Trend zu mehr Erdbeben sei aber in den letzten Jahren nicht zu beobachten, sagt Seismologin Meurers: „Die Zahl der Beben in Österreich schwankt über die Jahre stark. Außerdem sagt die Gesamtzahl wenig über die Stärke aus. Heuer wurden zum Beispiel sehr viele schwache Beben verspürt und gemeldet, aber es gab vergleichsweise nur wenige starke Erdbeben."

Nur vereinzelt Schäden

Die Erdbeben im Jahr 2017 verursachten in Österreich nur vereinzelt Schäden an Gebäuden. So wurden bei den Beben in Fulpmes (3. November) und Neunkirchen (10. November) Risse an Innen- und Außenwänden und das Abfallen von Verputzstücken gemeldet.

Bei den meisten spürbaren Erdbeben im vergangenen Jahr berichtete die Bevölkerung von einem leichten Zittern oder Rütteln und einem grollenden Geräusch. Bei stärkeren Beben wurden auch ein Schwanken des Gebäudes und umgefallene Gegenstände gemeldet.

Die meisten Erdbeben waren in Tirol spürbar

Wie auch in den vergangenen Jahren ereigneten sich die mit Abstand meisten Erdbeben, nämlich 25, in Tirol. An zweiter Stelle liegt heuer Oberösterreich mit 15 spürbaren Ereignissen. Dicht gefolgt von Niederösterreich, hier wurden 14 Erdbeben wahrgenommen. In der Steiermark gab es heuer vier gefühlte Beben, drei ereigneten sich in Vorarlberg und jeweils eines in Kärnten und im Burgenland. Sowohl Kärnten als auch die Steiermark blieben heuer unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Die überdurchschnittlich große Zahl gefühlter Erdbeben in Oberösterreich ist auf eine Serie überwiegend schwacher Ereignisse im Raum Windischgarsten zurückzuführen", erklärt ZAMG-Expertin Rita Meurers.

Auch Beben aus den Nachbarländern spürbar

2017 wurden außerdem von der Bevölkerung in Österreich drei Erdbeben aus Südtirol wahrgenommen (vor allem in Tirol), zwei starke Ereignisse aus der Region Mittelitalien (vereinzelt in Kärnten und der Steiermark) und ein Beben aus Slowenien (in Kärnten). Außerdem wurde ein kräftiges Erdbeben aus der Schweiz (Kanton Schwyz) in Vorarlberg und Tirol deutlich verspürt.

Knapp 10.000 Wahrnehmungsberichte aus der Bevölkerung

Etwa 9.800 Wahrnehmungsberichte sind 2017 über das Online-Wahrnehmungsformular der ZAMG (www.zamg.at/bebenmeldung) eingelangt. Mehr als die Hälfte (5.400) davon sind dem kräftigen Erdbeben bei Fulpmes in Tirol am 3. November zuzuordnen.

Die Daten geben Auskunft über die Stärke der Fühlbarkeit von Erdbeben. Seit Mai 2017 gibt es ein neues, verbessertes Wahrnehmungsformular, mit dessen Hilfe die Ermittlung des Intensitätsgrades auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98 - siehe Anhang) mit höherer Genauigkeit erfolgen kann. Der Erdbebendienst der ZAMG bedankt sich bei der Bevölkerung für die zahlreichen Meldungen.

Neue App „QuakeWatch Austria"

Zahlreiche Erdbebenmeldungen meldete die Bevölkerung 2017 auch über die neue App „QuakeWatch Austria". Sie wurde von der ZAMG und der TU Wien im Rahmen der Sparkling Science und Citizen Science Projekte „Schools & Quakes" und „QuakeWatch Austria" gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des TGM Wien, der HTL Mödling und der HTL Wr. Neustadt entwickelt.

Die App dient nicht nur der Übermittlung von Bebenmeldungen. Sie zeigt auch alle Erdbeben der letzten Stunden, Tage und Wochen in Österreich und weltweit, inklusive Distanz zum aktuellen Standort, sowie Tipps zum Verhalten bei Erdbeben und statistische Informationen.

2017 erneut ein Nukleartest registriert

Unter den weltweit von der ZAMG gemessenen seismischen Ereignissen war 2017 wie auch schon im Vorjahr ein Nukleartest. Am 3. September wurde um 05:41 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit eine Explosion aus Nordkorea registriert. Dabei handelte es sich nach Angaben der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) um einen Nukleartest. Die seismischen Wellen erreichten Österreich nach einer Laufzeit von etwa 11 Minuten und wurden an allen Stationen deutlich aufgezeichnet.

Die ZAMG ist Teil des weltweiten Kontrollnetzes zur Überwachung des Verbots von Kernwaffentests, das von der CTBTO organisiert wird. Die CTBTO ist die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization) und hat ihren Sitz im Vienna International Centre in Wien.

Die stärksten Erdbeben in Österreich im Jahr 2017

Völs, 12. Mai 2017

Das Erdbeben mit Epizentrum in Völs bei Innsbruck, Tirol, das am 12. Mai um 09:44 Uhr MESZ von zahlreichen Personen verspürt wurde, war mit einer Magnitude von 3,5 eines der stärksten des Jahres. Doch aufgrund der relativ großen Herdtiefe von etwa 15 km waren die Erschütterungen nur mäßig stark. Die meisten der etwa 600 Wahrnehmungsberichte stammten aus Innsbruck. Die Intensität erreichte maximal 4 Grad auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98).

Bad Fischau, 30. Juli 2017

Viele Bewohner von Wiener Neustadt und Umgebung erschraken, als am 30. Juli morgens um 01:22 Uhr MESZ die Erde kräftig bebte. Das Epizentrum des Erdbebens der Magnitude 2,4 wurde in Bad Fischau (Niederösterreich) lokalisiert. Die Herdtiefe war mit 5 km relativ gering, daher wurden die Erschütterungen zum Teil stark verspürt. In einigen Fällen sind Gegenstände umgefallen, doch von Gebäudeschäden wurde nichts berichtet. Die Intensität wurde mit 4-5 Grad auf der EMS-98 bestimmt.

Erdbebenserie Schottwien, 17. Oktober 2017

Im niederösterreichischen Semmeringgebiet wurden im Jahr 2017 zwei markante Erdbebenserien beobachtet. Bereits im Jänner konnten innerhalb von 10 Tagen 52 schwächere Ereignisse lokalisiert werden, doch keines wurde von der Bevölkerung wahrgenommen.

Am 16. Oktober wurde um 00:20 Uhr MESZ zunächst ein leichtes Erdbeben der Magnitude 2,1 von einigen Personen schwach verspürt. Wesentlich stärker war das Hauptbeben am 17. Oktober um 12:11 Uhr mit einer Magnitude von 3,0, das von vielen Personen deutlich und teilweise als erschreckend wahrgenommen wurde. Die Intensität betrug 4 Grad auf der EMS-98. Etwa 20 Minuten später folgte ein fühlbares Nachbeben der Magnitude 2,2.

Bis zum 29. Oktober wurden insgesamt 141 Erdbeben in Schottwien lokalisiert - es handelt sich um eine der längsten Serien, die in diesem Gebiet jemals instrumentell registriert wurde.

Fulpmes, 3. November 2017

Das stärkste Erdbeben des Jahres ereignete sich bei Fulpmes im Tiroler Stubaital am Abend des 3. November um 19:15 Uhr MEZ. Bei einer Magnitude von 3,9 wurde es von vielen Personen sehr stark verspürt. Zahlreiche Bewohner erschraken und flüchteten ins Freie. Zahlreiche Gegenstände fielen um oder stürzten aus Regalen. Aus vielen Orten im Stubaital, Wipptal und im Großraum Innsbruck wurden leichte Schäden, wie Risse an Innen- und Außenwänden und das Abfallen von Verputzstücken gemeldet. Die Epizentralintensität wurde mit 5-6 Grad auf der EMS-98 bestimmt. Das Erdbeben konnte auch im gesamten Zillertal und Ötztal, sowie bis in den Raum Landeck, Reutte und Achenkirch verspürt werden.

Dem Hauptbeben folgte um 19:47 Uhr MEZ ein Nachbeben der Magnitude 2,9, das abermals von vielen Personen verspürt wurde - die Intensität betrug 4 Grad auf der EMS-98. In den nächsten Stunden und Tagen folgten noch weitere fühlbare Nachbeben, das stärkste wurde am 21. November nachts um 00:04 Uhr MEZ mit einer Magnitude von 2,9 und einer Intensität von 4 Grad registriert.

Insgesamt wurden bei Fulpmes seit dem Hauptbeben 189 zum Großteil sehr schwache Nachbeben lokalisiert.

Neunkirchen, 10. November 2017

Das südliche Niederösterreich wurde am 10. November um 17:40 Uhr MEZ von einem kräftigen Erdbeben der Magnitude 3,7 erschüttert, dessen Epizentrum knapp südlich von Neunkirchen lag. Viele Menschen erschraken und berichteten von starkem Rütteln und umgefallenen Gegenständen. Aus einigen Orten rund um das Epizentrum sind Berichte über leichte Schäden, wie etwa Verputzrisse, eingegangen. Die Epizentralintensität betrug 5 Grad auf der EMS-98. Die Erschütterungen wurden vereinzelt bis Graz und Gänserndorf wahrgenommen.

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Informationen zur EMS-98 ( Europäische Makroseismische Skala): www.zamg.at/cms/de/geophysik/erdbeben/lehrmaterialien/faqs-zu-erdbeben/intensitat

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Erdbeben 2017: Epizentralintensität (Intensität an der Erdoberfläche über dem Bebenherd) aller von der Bevölkerung verspürten Beben. Bei Erdbeben mit Epizentrum im Ausland wird die in Österreich maximal erreichte Intensität angegeben. Zusätzlich markieren die grauen Punkte die instrumentell registrierten Beben. Quelle ZAMG (Stand 28.12.2017, 11 Uhr). –>Link zum Bild in Originalgröße

Erdbeben 2017 im Bundeslandvergleich: Die Graphik zeigt, wie viele verspürte Erdbeben sich in den einzelnen Bundesländern bzw. im angrenzenden Ausland im Jahr 2017 ereignet haben. Quelle ZAMG (Stand 28.12.2017, 11 Uhr). –>Link zum Bild in Originalgröße

Gefühlte Beben in Österreich seit 2000: Anzahl der in Österreich gefühlten Erdbeben seit dem Jahr 2000. Im Zeitraum 2000 bis 2017 wurden durchschnittlich 48 Beben pro Jahr verspürt. (Quelle ZAMG; Stand 28.12.2017, 11 Uhr) –>Link zum Bild in Originalgröße

Web-Links

Aktuelle Erdbeben: www.zamg.at/cms/de/geophysik/erdbeben/aktuelle-erdbeben

Die EMS-98 (Europäische Makroseismische Skala): www.zamg.at/cms/de/geophysik/erdbeben/lehrmaterialien/faqs-zu-erdbeben/intensitat

Erdbeben-Wahrnehmungsbericht: www.zamg.at/bebenmeldung

ZAMG allgemein: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at

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