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05.10.2018

Weltweit größte Tagung zum Thema Schnee und Lawinen

Weltweit größte Tagung zum Thema Schnee und Lawinen

©ZAMG

In Innsbruck findet von 7. bis 12. Oktober 2018 die ISSW statt, die weltweit größte Fachtagung zum Thema Schnee und Lawinen. Die ZAMG beteiligt sich mit Beiträgen rund um die Frage „Welche Auswirkungen hat die Klimaänderung auf die Winter in Österreich?" und präsentiert Forschungs- und Praxisbeispiele aus den Bereichen Lawinenwarnung und Lawinenprognose. Außerdem ist die ZAMG im Ausbildungsteam der Praxiskurse „Alpinwetter", „Entscheidungsfindung im (Lawinen-)Gelände" sowie „Wetter und Auswirkungen auf die Schneedeckenstabilität" vertreten.

Am Mittwoch (10.10.) findet erstmals im Rahmen der ISSW ein öffentlich zugänglicher „Tag der offenen Türe" statt, in dessen Rahmen der interessierten Öffentlichkeit die Highlights der Konferenz präsentiert werden, unter anderem mit einem Vortrag von ZAMG-Direktor Michael Staudinger zu „Klimawandel und Gesellschaftswandel".

Fragen rund um das zukünftige Klima im Winter gehören zu einem der Schwerpunkte der ISSW (International Snow Science Workshop), der weltweit größten Fachtagung zu den Themen Schnee und Lawinen, die von 7. bis 12. Oktober 2018 in Innsbruck stattfindet.

Andreas Gobiet, Klima- und Lawinenexperte der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) präsentiert auf der ISSW einen Überblick zum Thema ´Der Klimawandel in den Alpen und die Auswirkungen auf die Schneelage´: „Das ist sicher einer der komplexesten Bereiche der Klimaforschung. Denn die Schneelage im Alpenraum ist von Region zu Region sehr unterschiedlich und die Schneemengen schwanken selbst über mehrere Jahre extrem. Unsere Untersuchungen zeigen aber, dass die Dauer der Schneebedeckung langfristig gesehen in fast allen Regionen Österreichs deutlich abgenommen hat, insbesondere in Höhenlagen unter etwa 1500m."

In tiefen Lagen immer weniger Schnee

Dieser langfristige Trend ist aber von starken Schwankungen und kurzen Trends überlagert. „Allgemeine Vorhersagen für den Wintersport der nächsten zehn Jahre sind daher kaum machbar", erklärt Gobiet. „Langfristig ist allerdings zu erwarten, dass in einem immer wärmeren Klima die Zahl der Tage mit natürlicher Schneedecke und die Schneehöhen weiter abnehmen. Das gilt besonders für tiefe und mittlere Höhenlagen, da es hier durch die Klimaerwärmung immer öfter regnen statt schneien wird und gefallener Schnee schneller wieder schmelzen wird." Um Aussagen für konkrete Skigebiete machen zu können, seien aber Detailstudien angebracht, die nicht nur die Höhenlagen der Pisten und regionalen klimatischen Besonderheiten, sondern auch die Möglichkeiten der technischen Beschneiung berücksichtigen.

Erstmals flächendeckende Schneedaten für die letzten Jahrzehnte

Eine der Schwierigkeiten bei Untersuchungen zur Entwicklung der Schneelage sind die im Vergleich zur Temperaturmessung relativ kurzen und wenigen Schneemessreihen. An der ZAMG wurde in den letzten Jahren mit SNOWGRID eine Methode entwickelt, um aus den Messwerten einzelner Wetterstationen und weiterer meteorologischer Daten (z.B. Radar) flächendeckende Schneeinformationen für 28 Millionen Datenpunkte in ganz Österreich zu berechnen. Die Anwendungen reichen mittlerweile von flächendeckenden Neuschneeprognosen für die nächsten Tage bis zu Klimaanalysen für die letzten Jahrzehnte. Ab dem Winter 2018/19 stehen Anwendern erstmals tägliche, flächendeckende Schneedaten bis in Jahr 1961 zurück zur Verfügung. In Planung ist, diese Daten in Zukunft in geeigneter Form auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (z.B. tägliche oder monatliche Abweichungskarten). SNOWGRID wird ständig erweitert, so werden derzeit etwa Studien über die zukünftigen Schneebedingen in Österreich durchgeführt und die Möglichkeiten der technischen Beschneiung im Modell berücksichtigt.

Lawinenwarnungen

SNOWGRID liefert auch wichtige Informationen für die tägliche Arbeit der Lawinenwarndienste, wie etwa österreichweite Analysen und Prognosen der Schneehöhe und Schneetemperatur für die nächsten Stunden und Tage.

Die ZAMG betreibt im Auftrag der jeweiligen Länder die Lawinenwarndienste für die Steiermark, für Niederösterreich und für die Niederösterreichischen Landesbahnen (NÖVOG). Mit den anderen Lawinenwarndiensten Österreichs besteht eine enge Zusammenarbeit bezüglich Wetterdaten, Vorhersagen und Warnungen.

Neben der täglichen Lawinenwarnung und der Ausbildung von Lawinenkommissionen sind innovative Forschungsprojekte (z. B. die Projekte Alarm und Naturgefahren ohne Grenzen) ein wichtige Aufgabenbereich des ZAMG-Lawinenteams. „Ein wichtiger Ansatz ist dabei die Übertragung der Projektergebnisse in die operationelle Lawinenwarnung. Die ZAMG ist der einzige Lawinenwarndienst in Österreich, der auch Forschung betreibt", erklärt ZAMG-Experte Arnold Studeregger. „Dabei geht es um die Frage, ob und wie man mit Schnee-, Wetter- und Geländedaten vorhersagen kann, wann sich Lawinen lösen und wie weit sie bis ins Tal vordringen können. Diese Vorhersagemodelle ersetzen sicher nicht die Arbeit der Lawinenkommissionen und ihre Entwicklung befindet sich erst im Anfangsstadium. Aber sie könnten in Zukunft eine wichtige zusätzliche Informationsquelle für die Einschätzung der aktuellen Lawinengefahr sein. Denn derartige Lawinenmodelle analysieren innerhalb von wenigen Sekunden die Schneesituation für eine Vielzahl von Geländepunkten einer Region. Das ist mit Einzelmessungen oder dem Graben von Schneeprofilen nie möglich."

Naturgefahren in der Grenzregion Österreich-Slowenien

Zu einem Schwerpunkt des ZAMG Schnee- und Lawinenteams gehören auch internationale Kooperationen. So soll zum Beispiel das im Vorjahr gestartete Projekt CROSSRISK die Risiken in Zusammenhang mit Regen und Schnee in der Grenzregion von Österreich und Slowenien vermindern. Dabei werden unter anderem einheitliche, mehrsprachige Warnsysteme entwickelt, die künftig den Behörden und der Bevölkerung frei zur Verfügung stehen. Das Projekt läuft bis 2021 und wird von der ZAMG geleitet. Partner sind die Länder Steiermark und Kärnten, die FH Joanneum sowie die Slowenische Akademie der Wissenschaften (ZRC-SAZU), die Universität Maribor und Sloweniens Ministerium für Umwelt und Raumplanung (ARSO).

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Die ZAMG organisiert auch Fortbildungen für Verantwortliche von Lawinenwarndiensten und regionalen Lawinenkommissionen. Quelle: ZAMG –>Link zum Bild in Originalgröße

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Web-Links

ISSW Innsbruck: www.issw2018.com/de

Portal der Lawinenwarndienste: www.lawinen.at

Projekt CROSSRISK: www.si-at.eu/de2/crossrisk

Aktuelle Schneehöhen SNOWGRID: www.zamg.ac.at/incaanalyse

ZAMG allgemein: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at

Die ZAMG ist eine
Forschungseinrichtung des
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
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