Aktuell / News / Die Eisheiligen: Oft kalt, selten frostig

10.05.2012

Die Eisheiligen: Oft kalt, selten frostig

„Mamertus, Pankrazi, Servazi , Bonifazi sind frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie,
die kalte Sophie“ - die Eisheiligen, von 11. bis 15. Mai, kann man fast schon als High
Society der Bauernregeln bezeichnen. Sie sind sehr bekannt, es gibt zahlreiche
Sprüche und Meinungen über sie, und viele Menschen richten sich danach. Zum
Beispiel wenn es darum geht, frostempfindliche Pflanzen zu setzen.
Was sagt die moderne Wissenschaft zu den alten Bauernregeln? Alexander Orlik,
Klimatologe an der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik): „Der
Hintergrund der Eisheiligen ist, dass es fast jedes Jahr im Mai kräftige
Kaltlufteinbrüche gibt. Der Mai ist zwar schon ein recht warmer Monat, mit
Höchstwerten im Mittel um 20 Grad, gelegentlich sogar bei 30 Grad. Aber nur knapp
nördlich von Österreich liegen im Mai meist noch kalte Luftmassen, die mit Nordwind
schnell bei uns sind. Dabei kommt es dann oft innerhalb weniger Stunden zu einem
Temperatursturz von 10 bis 20 Grad.“
Die Eisheiligen haben also einen durchaus realen meteorologischen Hintergrund.
Nicht so eindeutig ist die Sache allerdings, wenn man die „frostigen Bazi“ ganz
wörtlich nimmt. Alexander Orlik von der ZAMG: „Frost, also Temperaturen unter Null
Grad, bringen die Eisheiligen im Großteil Österreichs nur sehr selten. In den
Landeshauptstädten zum Beispiel gab es in den letzten 20 Jahren zu den Eisheiligen
keinen einzigen Frosttag. Selbst wenn man den gesamten Mai betrachtet, ist Frost
eine Ausnahme. In den meisten Landeshauptstädten gibt es im Schnitt im Mai nur
alle zehn Jahre einen Frosttag, in Graz alle fünf Jahre, in Klagenfurt jedes zweite
Jahr. Nur in höher gelegenen Regionen ist Frost im Mai noch häufig, wie etwa in
Tamsweg und Seefeld mit im Schnitt drei Tagen pro Jahr.“

Frost im Mai (Quelle ZAMG)

Frosttage in den letzten 20 Jahren zu den Eisheiligen

(Gesamt-Zahl der Frosttage von 11.-15.5. Im Zeitraum 1990-2011)

Mittlere Zahl der Frosttage im Mai

(Durchschnittliche Zahl der
Frosttage im Mai pro Jahr, Klimaperiode 1971-2000)

Wien / Hohe Warte

0

0

Eisenstadt

0

0

St. Pölten

0

0,1

Linz

0

0,1

Salzburg

0

0,1

Innsbruck / Universität

0

0,1

Bregenz

0

0,1

Graz / Universität

0

0,2

Klagenfurt

0

0,4

Seefeld (T)

13

2,9

Tamsweg (Sbg)

5

3,1

Stift Zwettl (Nö)

4

1,9

Auch für die Eisheiligen 2012 sieht es so aus: Kaltlufteinbruch ja, Frost nur ganz
vereinzelt. Die ZAMG prognostiziert für den Freitag sommerliches Badewetter, für
den Samstag dann Temperatursturz mit Regenschauern und teils heftigen Gewittern.
Am Sonntag und Montag erwarten uns dann nur Höchstwerte zwischen 10 und 18
Grad. Unter Null Grad geht es in den Nächten zu Wochenbeginn aber nur in wenigen
Regionen, am ehesten stellenweise im Waldviertel und Mühlviertel sowie vereinzelt
in den Alpentälern.

Die ZAMG ist eine
Forschungseinrichtung des
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
© Zentralanstalt für
Meteorologie und Geodynamik
1190 Wien, Hohe Warte 38
Telefon: +43 1 36 0 26
E-Mail •••