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Potenzielle Schäden

Aktuelle und potenzielle zukünftige Schäden

Im Rahmen von Zuordnungsstudien wird in der Klimaforschung untersucht, welchen relativen Anteil die globale Erwärmung beispielsweise an der Veränderung von Auftrittswahrscheinlichkeit und Größenordnung von Extremereignissen wie Hitzeperioden, Dürre oder Hochwasserereignissen hat, und die statistische Zuverlässigkeit dieser Ergebnisse bestimmt. Erst auf dieser Grundlage kann man derart verursachte Schäden überhaupt dem menschengemachten Klimawandel zuordnen. Das ist auch die Voraussetzung, um das finanzielle Ausmaß dieser Schäden den Kosten von Klimawandel-Minderungs- und -Anpassungsmaßnahmen gegenüberstellen zu können.

Bereits im Vorfeld der 21. UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 wurden im Rahmen des interdisziplinären Projekts COIN die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels in Österreich für zwölf Schlüsselsektoren untersucht. Der Zeithorizont der Untersuchung war bis 2050 ausgelegt, wobei von einer Erwärmung  bis dahin um nicht mehr als 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau ausgegangen wurde. Damit konnten die Kosten von Schäden aufgrund des Klimawandels besser abgeschätzt werden, aber es wurden auch jene des Nicht-Handelns (cost of inaction) in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Die jährlichen wetter- und klimabedingten Schäden werden mit durchschnittlich etwa einer Milliarde Euro beziffert (Stand 2015). Bis zur Jahrhundertmitte werden die jährlichen gesellschaftlichen Schäden auf 4,2 bis 5,2 Milliarden Euro (Preisniveau 2015) steigen, wenn ein mittleres Klimawandelszenario zugrunde gelegt wird. Zur Abschätzung einer möglichen Bandbreite wurden alternative Klimaszenarien und sozioökonomische Szenarien untersucht. Auf dieser Basis ist zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit einem Schadensbereich von jährlich durchschnittlich 3,8 bis 8,8 Milliarden Euro zu rechnen. Dabei sind lediglich bereits heute (2015) belastbar finanziell abschätzbare Wirkungsketten berücksichtigt, die in Österreich ihren Ursprung haben, außerdem sind keinerlei Rückwirkungen globaler Auswirkungen auf Österreich miteinbezogen.

Klimawandel beeinflusst Extremereignisse

Fachleute aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben im Projekt ExtremA den aktuellen Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich zusammengefasst. Dabei wurde das Fachwissen über Extreme zu einer Vielzahl von Naturprozessen und auch betreffend die Kaskadeneffekte dieser Prozesse zusammen getragen und in Bezug zum Klimawandel gesetzt. Expertinnen und Experten der ZAMG waren maßgeblich beteiligt, der Projektbericht ist 2019 erschienen. Aus der Synthese des Berichtes geht hervor, dass der gegenwärtige und zukünftige Klimawandel als maßgebliche Einflussgröße auf eine Vielzahl von Prozessen, die für Extremereignisse relevant sind, identifiziert wurde.

Ob im Zuge des Klimawandels das Klima selbst immer extremer wird, ist eine immer öfter wiederkehrende Frage, die im Artikel Extremwerte des Informationsportals beantwortet wird.

Nicht zuletzt sind potenzielle Schäden aufgrund des Klimawandels für die Versicherungen relevant. Nicht nur hinsichtlich der finanziellen Folgen von Klimaschäden sondern auch im Hinblick auf die Anpassung bestehender und die Schaffung neuer Versicherungsprodukte. Allerdings sind die verfügbaren Zeitreihen hier oftmals recht kurz. Daher ist die tatsächliche klimatologische Belastbarkeit dabei genau zu betrachten.

In einigen Jahren bereits mehr Tote durch Hitze als im Straßenverkehr

In den letzten Jahren wurden laut Statistik Austria jährlich zwischen 400 und 500 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen getötet. Die Zahl der Toten durch Hitze lag in vier der letzten sieben Jahre zwischen 586 (2017) und 1122 (2015), was somit die Anzahl der Verkehrstoten pro Jahr deutlich übertrifft (AGES; Daten seit 2013).

Zum Thema Gesundheitsrisiken und Klimawandel wurde 2018 für Österreich vom Austrian Panel on Climate Change (APCC) unter Mitarbeit der ZAMG ein eigener Special Report unter dem Titel „Österreichischer Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel“ (ASR18) veröffentlicht.

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Abb. 1: Ein Beispiel für potenzielle Klimawandelschäden in der Transport-Infrastruktur: Veränderungen im Auftreten von Rutting Days (Tage mit Spurrillen, also Fahrbahnvertiefungen, die durch höhere Temperaturen begünstigt werden) 2071–2100 im Vergleich zu den gegenwärtig Bedingungen, dargestellt auf einem 5-km-Gitter. Für alle Gitterpunkte wurden Verteilungen berechnet, wobei im linken Feld das erste, im mittleren Feld das zweite und im rechten Feld das dritte Quartil dieser an jedem Gitterpunkt dargestellt ist (Matulla u.a. 2017).

Potenzielle Klimaschäden sind Gegenstand der ZAMG-Forschung

Nicht nur Transport und Verkehr, Wald und Ökosysteme sind Gegenstand der Untersuchungen. Die ZAMG trägt auf einer Vielzahl von Forschungsgebieten für die Einschätzung potenzieller Schäden durch den Klimawandel bei. Die folgenden Beispiele sollen einen kurzen, jedoch konkreten Einblick geben.

Steinschlag und Permafrost: Steinschlag aufgrund des Einsickerns von Wasser in Felsspalten aber auch wegen des Auftauens von Permafrosts gefährdet beispielsweise die alpine Infrastruktur und die Sicherheit von Wanderwegen. Die ZAMG beobachtet diese Prozesse mittels terrestrischem Laserscanning und Drohnen-basierten Aufnahmen in mehreren Untersuchungsgebieten in den Hohen Tauern. Der Einsatz von Drohnen bei der Überwachung von Felswänden erhöht dabei wesentlich die Qualität der gesammelten Daten. Eine Zunahme der Steinschlagaktivität im Hochgebirge aufgrund der mit der Klimaerwärmung einhergehenden Permafrostdegradation und Gletscherschmelze ist sehr wahrscheinlich, aber noch nicht eindeutig verstanden. Eine belastbare Zeitreihe mittels kontinuierlicher Erfassung der Einzelereignisse ist hier noch zu schaffen. Lokales seismisches Monitoring sichert eine kontinuierliche Beobachtung und somit die Erfassung aller Einzelereignisse mit ausreichender Amplitude. Im Rahmen des Projekts SeisRockHT ist ein lokales seismisches Netzwerk aufgebaut worden, um die Steinschlagaktivität der Sonnblick Nordwand langfristig zu beobachten. Diese Initiative liefert die Datengrundlage um den Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Steinschlagaktivität in Permafrostgebieten zu untersuchen.

Hochwasserereignisse: Großflächige Hochwasserereignisse gehören zu den Naturgefahren mit dem höchsten Schadpotential insbesondere in einem extrem dicht besiedelten Land wie Österreich. Zu Hochwasser und Überflutungen wurde kürzlich eine Studie mit Beteiligung der ZAMG in Nature veröffentlicht, welche die Außergewöhnlichkeit der aktuellen Hochwasserperiode und den Konnex zum Klimawandel im Vergleich zu den vergangenen 500 Jahren in Europa herausstreicht.

Trockenheit/Dürre: Trockenheit und Dürre haben in den letzten Jahren erhebliche Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verursacht aber auch zu erheblichen Problemen in anderen Sektoren geführt (z.B. Trinkwasserversorgung, Binnenschifffahrt). Aktuell arbeitet die ZAMG an einer Studie für das Land Salzburg, worin erhoben werden soll, wie sich mit Voranschreiten des Klimawandels die Wasserverfügbarkeit in unterschiedlichen Sektoren in Zukunft ändern wird.

Schaffung einer nationalen Ereignis- und Schadensdatenbank

Grundlage für eine robuste Gefahrenabschätzung sind immer Beobachtungen und Daten zu Ereignissen und deren Auswirkungen. Trotz zahlreicher bestehender Datenarchive sind in Österreich ganzheitliche Auswertungen nur beschränkt durchführbar. Unterschiedliche Erhebungsstandards sowie Erhebungsziele verhindern oftmals eine einfache Vergleichbarkeit und deren Zusammenführung. Mit dem Projekt CESARE (CollEction, Standardization and Attribution of Robust disaster Event information) wird ein wesentlicher Schritt in Richtung einer Verbesserung der Datenbasis für Schadereignisse geleistet. Ziel dieses Projektvorhabens im Rahmen des österreichischen Förderprogramms für Sicherheitsforschung (KIRAS) ist es, unter der Leitung der ZAMG einen Demonstrator für eine nationale Ereignis- und Schadensdatenbank zu entwickeln, der auf vorhandenen, vor allem hoheitlichen Datenarchiven zur Erfassung von Schadendaten aufbaut und diese mit weiteren Ereignisbeschreibungen verknüpft. Langfristig soll CESARE damit die Arbeiten im Rahmen der nationalen Risikoanalyse des Bundesministeriums für Inneres, die Validierung der Katastrophen(fonds)meldungen für Länder und das Bundesministerium für Finanzen sowie das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und die Berichterstattung in Richtung Sendai Rahmenprogramm der Vereinten Nationen (Aufgabe der ASDR Plattform (Austrian Strategy for Disaster Risk Reduction)) unterstützen.

 

Literatur:

AGES Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (2020): Hitze-Mortalitätsmonitoring. https://www.ages.at/themen/umwelt/informationen-zu-hitze/hitze-mortalitaetsmonitoring/, abgerufen am 15.10.2020

APCC (2018): Österreichischer Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel (ASR18). Austrian Panel on Climate Change (APCC), Verlag der ÖAW, Wien, Österreich, 978-3-7001-8427-0 (PDF-Datei; 27 MB)

Bindoff N.L., P.A. Stott, K.M. AchutaRao, M.R. Allen, N. Gillett, D. Gutzler, K. Hansingo, G. Hegerl, Y. Hu, S. Jain, I.I. Mokhov, J. Overland, J. Perlwitz, R. Sebbari and X. Zhang (2013): Detection and Attribution of Climate Change: from Global to Regional. In: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Stocker, T.F., D. Qin, G.-K. Plattner, M. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex and P.M. Midgley (Hg.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA

Blöschl, G., Kiss, A., Viglione, A. et al. Current European flood-rich period exceptional compared with past 500 years. Nature 583, 560–566 (2020). https://doi.org/10.1038/s41586-020-2478-3

Glade T., Mergili M., Sattler K. (Hg. 2019): ExtremA 2019. Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich. Vienna University Press, 776 Seiten (https://www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.14220/9783737010924, abgerufen am 15.10.2020)

Kellerer-Pirklbauer A., Bartsch A., Gitschthaler C., Reisenhofer S., Weyss G., Riedl C., Avian M. (2015): permAT - Langzeitmonitoring von Permafrost und periglazialen Prozessen und ihre Bedeutung für die Prävention von Naturgefahren: Mögliche Strategien für Österreich. Endbericht von StartClim2014.F in StartClim2014: Beiträge zur Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie, Auftraggeber: BML-FUW, BMWFW, ÖBF, Land Oberösterreich

Matulla C., Hollósi B., Andre K., Gringinger J., Chimani B., Namyslo J., Fuchs T., Auerbach M., Herrmann C., Sladek B., Berghold H., Gschier R., Eichinger-Vill E. (2017): Climate Change driven evolution of hazards to Europe’s transport infrastructure throughout the twenty-first century. Theoretical and Applied Climatology 2017 1-16. https://doi.org/10.1007/s00704-017-2127-4

Statistik Austria (2020): Entwicklung des Unfallgeschehens 1961 bis 2019 Getötete. https://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/verkehr/strasse/unfaelle_mit_personenschaden/index.html, abgerufen am 14.10.2020

Steininger K., König M., Bednar-Friedl B., Kranzl L., Loibl W., Prettenthaler F. (Hg., 2015): Economic Evaluation of Climate Change Impacts: Development of a Cross-Sectoral Framework and Results for Austria, Springer

Wiener Städtische Versicherung AG Vienna Insurance Group (2020): Risiko Radar. http://risikoradar.at/#natkat/2008-2017/7/47.713/13.346, abgerufen am 15.10.2020

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