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01.10.2018

Schweres Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Schweres Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Am Freitag, den 28. September 2018 ereignete sich um 10:02 Uhr Weltzeit (18:02 Uhr Ortszeit) ein starkes Erdbeben der Magnitude 7,5 (USGS) in Indonesien. Das Epizentrum lag etwa 90 km nördlich der Stadt Palu (0,178°S, 119,840°E) unweit der Nordostküste der Insel Sulawesi. Aufgrund der geringen Herdtiefe von nur 10 km gab es große Schäden, zahlreiche Gebäude sind eingestürzt und wichtige Infrastruktur wurde zerstört. Zudem machten Erdrutsche Straßen unpassierbar, wodurch es für Helfer schwierig ist, ins Katastrophengebiet zu gelangen.

Etwa 20 Minuten nach dem Erdbeben traf ein Tsunami von mehreren Metern Höhe in Palu ein, der weite Teile des Stadtgebietes überschwemmte und weitere schwere Schäden verursachte. Die Menschen vor Ort wurden nicht vor einem möglichen Tsunami gewarnt, es waren keine Sirenen zu hören. Laut Auskunft des Geoforschungszentrums Potsdam funktionierte das Tsunami-Warnsystem vor Ort. Warum letztlich die Bevölkerung nicht informiert wurde, ist Gegenstand von laufenden Untersuchungen.

Nach Medienberichten gibt es mindestens 1700 Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte. Es wird befürchtet, dass die Opferzahl noch steigen wird. Aus einigen Gebieten nördlich von Palu gab es in den ersten Tagen keine Information über das Ausmaß der Zerstörungen. Zehn Tage nach dem Beben spricht man von etwa 5000 Vermissten.

Schweres Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Registrierung des Erdbebens vom 28.9.2018 um 10:02 UTC an der Station CONA (Conrad Observatorium) der ZAMG. Dargestellt ist ein Zeitraum von 75 Minuten. Wegen der geringen Herdtiefe von 10 km sind die Oberflächenwellen bei diesem Beben sehr ausgeprägt. Die erste Welle erreichte die Station um 10:15 UTC (Pdiff), weiters erkennbar sind die Einsätze PP (10:20 UTC), ein S-Einsatz um etwa 10:35 UTC sowie das Eintreffen der Oberflächenwelle (Typ Love) um etwa 10:45 UTC. 

Etwa drei Stunden vor dem Hauptbeben gab es ein Vorbeben der Magnitdue 6,1 (USGS), das bereits einige Schäden an Gebäuden verursachte. In den kommenden Wochen und Monaten sind starke Nachbeben möglich, wodurch es zu weiteren Zerstörungen kommen kann. Das bisher stärkste Nachbeben ereignete sich etwa 12 Minuten nach dem Hauptbeben und hatte eine Magnitude von 5,8. Wie die Abbildung zeigt, reicht die momentane Aktivität vom Epizentrum des stärksten Bebens bis in ein Gebiet etwa 100 km südlich von Palu.

Schweres Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Die Karte zeigt die Erdbebenaktivität der letzten Tage im Raum Palu, Sulawesi (Angaben von USGS). Die Lage der Herdfläche des Hauptbebens vom 28.9.2018 um 10:02 UTC ist als grauer Balken dargestellt.

Tektonischer Überblick

Indonesien liegt in einem Gebiet mit sehr hoher seismischer Gefährdung. Das Erdbeben ereignete sich entlang einer tektonischen Störungslinie innerhalb der Molukkenplatte, die ein Teil der größeren Sundaplatte ist. Im Gebiet von Sulawesi kann eine Südwärtsbewegung der Sundaplatte mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 mm pro Jahr relativ zur Molukkenplatte beobachtet werden. Ursache für das Beben ist eine Seitenverschiebung (strike-slip faulting), die durch eine Verwerfung mit horizontalem Versatz entsteht. Die Länge des Bruches wird von USGS mit 120 km angegeben, die Breite der Herdfläche betrug etwa 20 km.

Bereits in der Vergangenheit gab es zahlreiche Erdbeben ähnlicher Stärke, zuletzt etwa Magnitude 7,9 im Jahr 1996 nur 60 km weiter nördlich. Damals waren aufgrund der Lage und größeren Herdtiefe die Folgen nicht so verheerend.

Tsunami von mehreren Metern

Ein Tsunami entsteht durch eine große Massenbewegung am Ozeanboden. Dadurch wird die darüber liegende Wassersäule in eine vertikale Bewegung versetzt, die sich als Welle im Meer fortpflanzt. Während auf dem offenen Ozean ein Tsunami relativ kleine Amplituden aufweist, kann er aufgrund seiner vertikal bewegten Wassersäule in Küstennähe, wenn die Wassertiefe geringer wird, zu großen Höhen anwachsen und weit ins flache Land vordringen. Dem Eintreffen der Welle geht oft ein rasches Absinken oder Ansteigen des Meeresspiegels voraus.

In Modellrechnungen war man von Tsunamihöhen von bis zu 1,6 m für dieses Beben ausgegangen, diese wurden jedoch deutlich überschritten. Da sich ein Tsunami mit maximal 800 km/h auf dem offenen Ozean ausbreitet und damit viel langsamer ist als seismische Wellen, die eine Geschwindigkeit von etwa 6 km pro Sekunde (mehr als 20 000 km/h) aufweisen, trifft ein Tsunami immer viel später als die Erdbebenwellen ein. Zu diesem Zeitpunkt sind die Erschütterungen des Bebens nicht mehr zu spüren.

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Holzschnitt aus der 'Weltchronik' von Hartmann Schedel, 1493. 'Und der Engel nahm das Rauchfaß und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde, und Donner folgten, Getöse, Blitze und Beben.' Offenbarung 8,5 © ZAMG Geophysik Hammerl
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