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23.09.2014

Hohe SO2-Werte in Teilen Österreichs durch isländischen Vulkan

Hohe SO2-Werte in Teilen Österreichs durch isländischen Vulkan

©ZAMG

Am Montag, 22.9.2014, wurden in einigen Regionen Österreichs ungewöhnlich hohe Schwefeldioxid-Werte (SO2) gemessen. Nach Berechnungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurde das SO2 mit kräftigem Nordwestwind vom isländischen Vulkan Bardarbunga nach Mitteleuropa transportiert. Diese SO2-Konzentrationen stellen keine Gefährdung der Gesundheit dar.

Zahlreiche Luftgüte-Messstellen in Österreich registrierten am Montag stark erhöhte Schwefeldioxid-Werte (SO2). Besonders hohe Konzentrationen wurden am Alpenostrand gemessen, wo zwei Messstellen in der nordöstlichen Steiermark (Masenberg mit maximal 247 µg/m³ und Hartberg mit maximal 229 µg/m³) den Grenzwert des Immissionsschutzgesetzes-Luft (mehr als drei Halbstundenmittelwerte pro Tag über 200 µg/m³) überschritten. Konzentrationen über 200 µg/m³ wurden auch im südöstlichen Niederösterreich (Messstellen Payerbach und Wiener Neustadt) und im Südburgenland (Oberschützen) gemessen, Konzentrationen über 100 µg/m³ wurden in der Steiermark sowie vereinzelt in Tirol (Brixlegg), Salzburg (Hallein) und Oberösterreich (Zöbelboden im Reichraminger Hintergebirge) gemessen. Die SO2-Daten vom 22.9. sind auf http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/luft/luftguete_aktuell/tgl_bericht/ zusammen gestellt.

Stellenweise höchster Wert seit Beginn der Luftgütemessungen

"Von diesen kurzfristig erhöhten Konzentrationen sind kaum Gesundheitseffekte zu erwarten, da es sich um ein einmaliges Ereignis handelt," erklärt Jürgen Schneider, Luftexperte im Umweltbundesamt, "in den letzten Jahren sind vergleichbare Konzentrationen in Österreich lokal in der Nähe einzelner Industriebetriebe sowie infolge von grenzüberschreitendem Schadstofftransport aufgetreten. An zahlreichen betroffenen Stationen in der Steiermark sind das die höchsten SO2-Werte seit Beginn der Luftgütemessungen."

SO2 stammt vom isländischen Vulkan Bardarbunga

Analysen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie Satellitenmessungen von SO2, die im Rahmen der ESA Projekte VAST und SACS in Echtzeit an die ZAMG gelangen, belegen, dass für diese hohen SO2-Werte der derzeit tätige Vulkan Bardarbunga auf Island verantwortlich ist.

Gerhard Wotawa, Leiter des ZAMG-Bereiches für Daten, Methoden und Modelle : „Unsere Ausbreitungsberechnungen, mit denen wir den Weg von Luftschadstoffen analysieren und vorhersagen, zeigen, dass das SO2 durch die kräftige Nordwestströmung von Island nach Mitteleuropa transportiert wurde. Der Bardarbunga stößt bereits seit einigen Wochen SO2 aus. Jetzt ist erstmals die Wetterlage so, dass die SO 2-Wolke bis nach Österreich kommt. Auch in den nächsten Tagen sind aufgrund der Wetterlage erhöhte SO2 Werte in Österreich noch möglich."

Auswertungen vom Sonnblick: viel SO2 aber keine Asche in der Atmosphäre

Auch die Schadstoffmessungen am Sonnblick-Observatorium der ZAMG haben den markanten Anstieg der SO2-Konzentration am Montag (maximaler Halbstundenmittelwert 54 µg/m³) deutlich gezeigt. Vulkanasche, die im Flugverkehr für Probleme sorgen kann, ist aber weiterhin nicht zu beobachten..

Gerhard Wotawa von der ZAMG: „Die Messungen am Sonnblick zeigen nicht den für Vulkanasche typischen Anstieg von Partikeln, die größer als fünf Mikrometer sind. Sehr markant war aber die hohe Konzentration der für SO2 typischen sehr kleinen Partikeln, also kleiner als 0,3 Mikrometer."

Die aktuellen Messdaten vom Sonnblick finden Sie auf www.sonnblick.net/portal/content/view/189/317/lang,de/

ZAMG Partner bei weltweitem ESA-Projekt zur Vorhersage von Vulkanasche

Nach den massiven Problemen durch Vulkanasche im Luftverkehr im Frühling 2010 wurde das Projekt VAST gestartet. VAST steht für „Volcanic Ash Strategic Initiative Team" und wird von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA im Rahmen ihrer „Strategischen Initiative" finanziert und von Institutionen in Norwegen, Irland, Finnland und Österreich umgesetzt. Ein zentraler Projektpartner ist die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die alle operationellen Vorhersageberechnungen durchführt. Geleitet wird das Projekt vom norwegischen Institut für Atmosphärenforschung (NILU).

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Grafiken

Ausbreitungsberechnung der ZAMG: Die Simulation zeigt, wie die aktuelle Wetterlage die aus dem Vulkan freigesetzten Partikel verlagert. Quelle ZAMG.
Anmerkung: Die Darstellung ist keine Aussage zur Konzentration von Vulkanasche in der Luft sondern zeigt nur die den Weg von Partikeln bzw. Gasen jeglicher Art, die aus der Region des Vulkans stammen.
Link zum Bild in Originalgröße

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Satellitenmessung des Schwefeldioxids: Die Darstellung zeigt die Konzentration von SO2 in einer vertikalen Luftsäule über Grund. Über Österreich sind deutlich die erhöhten Werte erkennbar. Quelle ZAMG.

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Web-Links

ZAMG: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at

Projekt VAST: http://vast.nilu.no

Umweltbundesamt: www.umweltbundesamt.at

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