<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> Werden Dürre-Perioden im Alpenraum häufiger? — ZAMG
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21.09.2015

Werden Dürre-Perioden im Alpenraum häufiger?

Werden Dürre-Perioden im Alpenraum häufiger?

©ZAMG

Die ZAMG Abteilung für Klimaforschung veröffentlichte eine Studie über die mögliche Entwicklung von extremer Trockenheit in den nächsten Jahrzehnten im Alpenraum. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Sommermonate im gesamten Alpenraum deutlich mehr Dürre-Perioden bringen könnten.

Der Sommer 2015 brachte in Österreich und in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas ungewöhnlich heißes und trockenes Wetter. In Österreich war es im Gebiet von Oberösterreich über Niederösterreich und Wien bis zum Nordburgenland sogar der trockenste Sommer seit dem Jahr 1911. Es regnete hier bis zu 43 Prozent weniger als in einem durchschnittlichen Sommer. Die Pflanzen reagierten stark auf die Trockenheit, mit Verfärbung der Blätter, vorzeitigem Blattverlust und zum Teil auch mit Absterben. Auswertungen von Satellitendaten zeigten, dass in diesem Sommer die Vegetation in einem Trockenstress stand, wie er sonst nur im südlichen Mittelmeerraum zu beobachten ist.

Erstmals detaillierte Untersuchung von Trockenheit im Alpenraum

Der Sommer 2015 entspricht den Szenarien globaler Klimamodelle, die für die nächsten Jahrzehnte einen trockeneren Süden Europas und einen feuchteren Norden Europas erwarten lassen. Über dem Alpenraum, der in der Übergangszone dieser zwei gegensätzlichen Entwicklungen liegt, gab es bisher nur wenige Untersuchungen, sagt Klimaforscher Klaus Haslinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien: „Unser Ziel war, mit den Rahmenbedingungen der globalen Klimamodelle erstmals zu untersuchen, wie sich die Trockenheit im Alpenraum in den unterschiedlichen Regionen und in den unterschiedlichen Jahreszeiten entwickelt."

Sommer in Österreich werden trockener

Das untersuchte Gebiet umfasst den sogenannten erweiterten Alpenraum und erstreckt sich von Süd-Deutschland bis Nord-Italien sowie von Ost-Frankreich bis West-Ungarn. „Ein Ergebnis zeigt sich in allen Regionen ziemlich ähnlich", sagt Klimaforscher Haslinger, „in den Sommermonaten Juni, Juli, August zeigen die Klimamodelle, dass extrem trockene Phasen deutlich zunehmen. Der Grund dafür ist in den Alpen und nördlich davon vor allem, dass es im Sommer immer weniger regnet. Südlich der Alpen bis zum Mittelmeer, spielt dagegen die steigende Temperatur die wichtigste Rolle. Hier regnet es im Sommer ohnehin wenig, aber in einem wärmeren Klima verdunstet das im Boden gespeicherte Wasser deutlich stärker."

Winter teils feucht, teils trocken

Für den Winter zeigt die Studie regional sehr unterschiedliche Ergebnisse. Direkt im Bereich der Alpen sind unter den verwendeten Klimaszenarien wärmere jedoch feuchtere Winter zu erwarten. Überall sonst, ganz besonders südlich der Alpen, könnte die Trockenheit im Winter ebenfalls zunehmen, wenn auch nicht so stark wie im Sommer. Die Ergebnisse lassen sich grob auf einzelne Regionen Österreichs umlegen, sagt ZAMG-Experte Haslinger: „Im Großteil des Berglands dürfte sich in Österreich in Bezug auf die Trocken-Perioden in den nächsten Jahrzehnten nicht viel ändern. Hingegen können die sehr trockenen Phasen im Gebiet vom Flachland Niederösterreichs über Wien, das Burgenland und die südliche Steiermark bis Unterkärnten zunehmen."

Bis 2100: jedes vierte Monat ungewöhnlich trocken

Fasst man alle Ergebnisse zusammen, bedeutet das in konkreten Zahlen: In den Alpen und ihren umliegenden Regionen steigt die Wahrscheinlichkeit für Dürre-Perioden an, je nachdem welches Emissions-Szenario an Treibhausgasen man annimmt. „Vereinfacht heißt das, bis zum Ende des Jahrhunderts könnte jedes vierte Monat im Vergleich zu heute ungewöhnlich trocken ausfallen", sagt Klimaforscher Klaus Haslinger.

Sommer 2015: ein Blick in die Zukunft?

Die Studie behandelte zum Einen erstmals die regionale und jahreszeitliche Entwicklung von Trockenheit im erweiterten Alpenraum. Zum Anderen wurde in diesem Zusammenhang ein Dürre-Index verwendet, der die wichtigsten relevanten Parameter (Niederschlag und Verdunstung) kombiniert und in allen Zeitskalen gut anwendbar ist. Der Standardized Precipitation Evapotranspiration Index (SPEI) berücksichtigt den Niederschlag und die, über die Lufttemperatur abschätzbare potentiell mögliche Verdunstung (Evapotranspiration) und wird über die regionalen Klimawerte normiert. So sind die Werte über Jahreszeiten und Regionen hinweg vergleichbar. Ein SPEI unter minus 2 bedeutet sehr trocken, über plus 2 sehr nass. Zum Vergleich: Im Sommer 2015 lag der SPEI im extrem trockenen Norden und Osten Österreichs zwischen minus 2 und minus 3. Diese Werte könnten laut der Studie bis zum Jahr 2100 der Normalfall werden.

Forschungsfeld Wetterlagen

Bei Analysen von Klimaszenarien müssen auch die Unsicherheiten, die in den Modelldaten für die Zukunft stecken, im Auge behalten werden. Die Verlässlichkeit der Ergebnisse aus den Szenarien muss weiter überprüft werden. Der nächste logische Schritt ist für ZAMG-Klimaforscher Haslinger daher, die Mechanismen dieser Entwicklung zu erforschen: „Sehr spannend und immer noch nicht ausreichend untersucht, ist die Frage, wie sich die Wetterlagen in einem geänderten Klima entwickeln. Viel deutet darauf hin, dass sich der subtropische Hochdruckgürtel im Sommer weiter in den Norden ausbreitet. Damit erreichen Wetterlagen, die für den Mittelmeerraum typisch sind auch Mitteleuropa, mit zumeist sehr heißem und trockenem Wetter. Allerdings hängt von der genauen Lage der Hochdruckgebiete ab, wie sich das Wetter im Detail in Österreich entwickeln wird. Ob es zum Beispiel ein heißer und trockener Sommer wird, wie 2015. Oder ob sich durch eine warme und feuchte Südströmung heftige Gewitter bilden, wie im Sommer 2012, der in Österreich zahlreiche Unwetter brachte."

Studie online frei zugänglich

Die Studie „Future drought probabilities in the Greater Alpine Region based on COSMO-CLM experiments - spatial patterns and driving forces" von Klaus Haslinger, Wolfgang Schöner und Ivonne Anders wurde im Sommer in „Meteorologische Zeitschrift" publiziert und wird im Rahmen einer „Special Issue" demnächst auch gedruckt veröffentlicht. Die Online-Version ist frei zugänglich auf dem Portal der ->Meteorologischen Zeitschrift .

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Dürre in Vergangenheit und Zukunft: Je nach Emissions-Szenario fällt der Dürre-Index unterschiedlich stark in Richtung extremer Trockenheitswerte. Die Emissions-Szenarien sind A1B (mäßiges bis starkes Wachstum), A2 (sehr starkes Wachstum) und B1 (Rückgang). Quelle ZAMG.
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Dürre-Wahrscheinlichkeit in den einzelnen Monaten in verschiedenen Emissions-Szenarien: Besonders markant ist die gesteigerte Wahrscheinlichkeit für häufigere Dürre-Perioden in den Sommermonaten (Abweichung nach links in den Grafiken). Die Emissions-Szenarien sind A1B (mäßiges bis starkes Wachstum), A2 (sehr starkes Wachstum) und B1 (Rückgang). Quelle ZAMG.
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Dürre nach Regionen und Jahreszeiten: Im Winter (oberste Reihe) sind die Auswirkungen in den Alpen und nördlich davon am geringsten. Im Sommer (dritte Reihe) werden Dürre-Perioden in allen Regionen und Emissions-Szenarien deutlich häufiger. Die Emissions-Szenarien sind A1B (mäßiges bis starkes Wachstum), A2 (sehr starkes Wachstum) und B1 (Rückgang). Quelle ZAMG.
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Hitzbelastung der Vegetation 2015 und 2014: Satellitenauswertungen des Zustandes der Vegetation („Normalised Difference Vegetation Index"-NDVI) zeigen das Ausmaß der Hitze-Belastung. Ende August 2015 (linkes Bild) war die Vegetation insbesondere in Regionen an der Alpennordseite in einem Zustand, der sonst nur in Spanien, Süditalien und Griechenland zu sehen ist. Das wird im Vergleich zum relativ nassen Sommer 2014 deutlich (rechtes Bild). Die Karten wurden mit Daten aus dem Sentinel-Satellitenprogramm der europäischen Weltraumbehörde ESA erstellt. Quelle ZAMG.
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Web-Links

Link zur beschriebenen Studie: ->hier Download

Informationsportal Klimawandel: www.zamg.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel

ZAMG Klimaforschung: www.zamg.at/cms/de/klima/klimaforschung

ZAMG allgemein: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at

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