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25.01.2013

Kräftiges Erdbeben am 25. Jänner 2013 bei Seebenstein (NÖ)

Am 25. Jänner 2013 wurde um 8:14 Uhr MEZ das südliche Wiener Becken von einem Erbeben der Magnitude 3,6 erschüttert. Das Epizentrum lag südöstlich von Seebenstein (47,68°N, 16,18°O), etwa 8 km von Neunkirchen entfernt. Der Bebenherd befand sich in einer Tiefe von etwa 10 km.

SeebensteinKarte-2013-01-2013
Lage des Epizentrums

 

Meldungen aus der Bevölkerung

Beim Österreichischen Erdbebendienst der ZAMG langten hunderte Meldungen über das Online-Wahrnehmungsformular (http://www.zamg.ac.at/cms/de/aktuell/erdbeben) und per Telefon ein. Die Erschütterungen wurden im Bereich des Epizentrums heftig verspürt, die teils verängstigte Bevölkerung berichtete auch von vereinzelten leichten Gebäudeschäden. Vom Pfarramt wurden einige Verputzrisse an der Kirche in Seebenstein gemeldet. In den Gebäuden wurde ein starkes Rütteln von Fenstern, Türen und Möbeln beobachtet, auch einzelne Gegenstände fielen um. Die Erschütterungen wurden in einem Umkreis von etwa 25 km deutlich wahrgenommen. Vereinzelt konnte auch in Wien in den oberen Stockwerken von Hochhäusern ein leichtes Schwanken bemerkt werden. Die Epizentralintensität erreichte nach vorläufigen Auswertungen 5-6 Grad auf der zwölfteiligen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98).

 

Registrierungen an den seismischen Stationen des Österreichischen Erdbebendienstes

Das Erdbeben wurde an 17 seismischen Stationen des Österreichischen Erdbebendienstes aufgezeichnet.  Die Abbildung zeigt ein Seismogramm des Bebens, das in einer Epizentralentfernung von etwa 35 Kilometern am Conrad Observatorium der ZAMG bei Pernitz in Niederösterreich registriert wurde.

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Registrierung des Erdbebens von Seebenstein am 25. Jänner 2013 um 8:14 Uhr MEZ an der Station CONA (NÖ) des Österreichischen Erdbebendienstes. Im Seismogramm sind deutlich der Ersteinsatz der Kompressionswelle, und nach knapp 5 Sekunden der Phaseneinsatz der langsameren Scherwelle zu erkennen. © ZAMG Geophysik

 

Historische Erdbeben im Wiener Becken

Bei dem Erdbeben wurden Erinnerungen an das Starkbeben des 16. April 1972 wach, das eine Magnitude von 5,3 auswies.  Sein Epizentrum lag etwa 3 km nördlicher als jenes vom 25. Jänner 2013. Bei einer damaligen Epizentralintensität von 7-8 Grad (EMS-98) kam es zu teils schweren Gebäudeschäden. In Guntrams und in Schwarzau stürzten zwei ältere Gebäude ein. Zwei Eisenkreuze fielen von den Türmen der Kirche in Schwarzau. In Katzelsdorf brach eine Statue vom Kirchturm ab, und die Kirche in Seebenstein selbst erlitt beträchtlichen Sachschaden. In Wiener Neustadt konnte die Bundesstraße stundenlang nicht befahren werden, da erst die heruntergestürzten Gesimse und Kamine beseitigt werden mussten. Im Dom in Wiener Neustadt fielen während des Gottesdienstes Mauerteile herab.

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Schwere Gebäudeschäden in Pitten nach dem Erdbeben am 16. April 1972, © Milik

Obwohl das Epizentrum im südlichen Wiener Becken lag, wird es oft auch als das stärkste Erdbeben in Wien im vorigen Jahrhundert bezeichnet. Die Feuerwehr musste hunderte Male ausrücken, um eingestürzte Kamine, herabgefallene Dachziegel, usw. zu beseitigen. Zwanzig Meter der Balustrade an der Universität Wien fielen herab. In Hernals zertrümmerte eine herabstürzende Sirene das geparkte Auto eines Salzburgers. Nur durch Glück wurde bei dem heftigen Erdbeben niemand verletzt.

(Aus „Erdbeben in Österreich“, von Christa Hammerl und Wolfgang Lenhardt, Leykam Verlag, 1997)

 

Ursache

Die Bebentätigkeit im Wiener Becken ist in der horizontalen Verschiebung entlang der Mur-Mürztal-Störung zu suchen, die bewirkt, dass der östliche Krustenteil nach Osten gedrängt wird. Im Rahmen dieser Bewegung entstand das Wiener Becken, das von einer Tiefenstörung durchquert wird, die sich von Seebenstein über Wiener Neustadt, Ebreichsdorf und Schwadorf nach Marchegg erstreckt. Entlang dieser Bruchzone ereigneten sich in der Vergangenheit wiederholt stärkere Erdbeben, wie auch die Erdbeben von Schwadorf 1927 und Ebreichsdorf 1938 und 2000 zeigten. Aber auch in den letzten Jahrhunderten fanden immer wieder Erdbeben dort statt, wie die historische Erdbebenforschung gezeigt hat: Wiener Neustadt war in den Jahren 1712, 1768 und 1841 das Epizentrum von Schadensbeben.

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Historische Erdbeben
Holzschnitt aus der 'Weltchronik' von Hartmann Schedel, 1493. 'Und der Engel nahm das Rauchfaß und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde, und Donner folgten, Getöse, Blitze und Beben.' Offenbarung 8,5 © ZAMG Geophysik Hammerl
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