Landesaufnahme
Die Abteilung Magnetik erstellt jährlich aktualisierte geomagnetische Karten, welche die Richtung und Intensität des Erdmagnetfeldes in Österreich darstellen.
Das Erdmagnetfeld ist orts- und zeitabhängig. Die Ortsabhängigkeit spiegelt die Verteilung der Magnetfeldquellen wieder: im Erdkern, in der Erdkruste sowie in höheren Schichten der Atmosphäre. Dabei unterscheidet man zwischen langsam veränderlichen Quellen, die für die so genannte Säkularvariation verantwortlich sind, und schnell veränderlichen Quellen. Letztere stammen aus der Wechselwirkung zwischen Erdmagnetfeld und Sonnenwind. Die Landesaufnahme befasst sich mit örtlichen Unterschieden der langsam variierenden Komponenten des Erdmagnetfeldes.
Geschichte
| Die erste Landesaufnahme der Monarchie wurde von Karl Kreil, dem ersten Direktor der „k.k. Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus“, in den Jahren 1843 -1858 durchgeführt. Eine wichtige Motivation für dieses imposante Projekt war die Bestimmung der magnetischen Deklination, der Kompassabweichung zwischen magnetischer und geographischer Nordrichtung. Sie war für die Schifffahrt und damit für das Militärwesen sehr wichtig, vor allem weil sie damals etwa 15° nach Westen hin betrug. |
|
Damals wurde das Erdmagnetfeld an 241 ausgewählten Punkten, auch außerhalb des österreicherisches Kaiserstaates, sorgfältig gemessen. Die Messungen erfolgten selbst unter erschwerten Bedingungen, z. B. während des Revolutionsjahres 1848. Daraus entstand die erste magnetische Deklinationskarte Österreichs (siehe unten).
Seither wird in Österreich im Abstand von etwa 35 Jahren eine geomagnetische Landesaufnahme durchgeführt. Die letzte Messkampagne fand von 1995 bis 1998 statt. Dabei wurden neue moderne Messmethoden angewandt und die Messpunkte verdichtet. Zum ersten Mal wurden auch alle 57 zivilen und militärischen Flugfelder in Österreich vermessen und gemeinsame Messungen mit den Nachbarländern im Grenzgebiet ausgeführt, verbunden mit einem Austausch der Messdaten.
Um die jährlichen Änderungen zu erfassen, führt die ZAMG regelmäßig auch kleinere Messkampagnen durch, an 14 sogenannten Säkularpunkten. So können geomagnetische Karten auf den neuesten Stand gebracht und Auskünfte über die jüngsten Feldwerte gegeben werden.
Die Säkularvariation – wie hat sich das Erdmagnetfeld in 160 Jahren verändert?
Die untenstehende Karte zeigt die magnetische Deklination in Österreich im Jahre 2011. Die Deklinationswerte liegen zwischen 1°50’ und 3°30’ östlicher Deklination. 161 Jahre nach der ersten Landesaufnahme hat sich die magnetische Deklination um mehr als 10° verändert! Über die gleiche Zeitspanne hat die Feldintensität um 9% abgenommen. Solche langfristigen Änderungen des Erdmagnetfeldes bezeichnet man als Säkularvariation.
Wo steht die Landesaufnahme heute?
Die geomagnetische Landesaufnahme ist auch mit moderner Technik sehr zeitintensiv. Die letzte Kampagne hat drei Jahre für 304 Messpunkte im Anspruch genommen. Messstellen müssen sorgfältig ausgewählt werden, möglichst weit weg von menschlichen Störquellen (dicht bewohnten Gebieten, Eisenbahnlinien, etc.) sowie von natürlichen Anomalien, die durch stark magnetische Gesteine erzeugt werden.
|
An jedem Punkt müssen mehrere Messzyklen durchgeführt werden, um die schnell veränderlichen Komponenten des Erdmagnetfeldes herausfiltern zu können. Daher verbringt man mindestens einen Tag an jedem Messpunkt. Messungen können während magnetischer Stürme nicht durchgeführt werden. Zum Schluss müssen alle Daten auf einen bestimmten Zeitpunkt bezogen werden: Diese Prozedur wird als Reduktion bezeichnet und erfolgt über ein Bezugsobservatorium (Wien - Cobenzl für die letzte Landesaufnahme im Jahr 1997). |
|
| Barbara Leichter (ZAMG) bei der Säkularpunktvermessung in Krimmel (Salzburg) 1998. Das Gerät auf dem Stativ ist ein Kreiselkompass für die genaue Bestimmung der geographischen Nordrichtung. © ZAMG Geophysik | |


