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27.09.2019

Leiter der Weltorganisation für Meteorologie besuchte Sonnblick-Observatorium

Leiter der Weltorganisation für Meteorologie besuchte Sonnblick-Observatorium

©ZAMG/Scheer

Petteri Taalas, der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie, besuchte diese Woche das Observatorium der ZAMG am Sonnblick. Die Messungen und Forschungen in 3100 Meter Seehöhe sind unter anderem Teil der weltweit hochwertigsten Monitoring-Projekte, wie zur Bestimmung des CO2-Gehalts der Atmosphäre und zur Entwicklung von Permafrost und Gletscher. Petteri Taalas betonte, wie wichtig es ist, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen und wies auf erfolgreiche internationale Maßnahmen der Vergangenheit hin, wie zur Erholung des Ozonlochs und zur Minderung von saurem Regen, deren Effekte auch am Sonnblick gemessen werden.

Das Sonnblick-Observatorium der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ist Teil von jährlich rund 40 nationalen und internationalen Forschungsprojekten sowie gefragter Partner in hochwertigen internationalen Netzwerken zur Überwachung des Zustandes von Atmosphäre, Eis und Erdboden. Seit 1886 wird hier durchgehend gemessen. Die Weltorganisation für Meteorologie und Geodynamik (WMO) hat das Sonnblick-Observatorium in den Kreis von weltweit rund 120 „Jahrhundert"-Wetterstationen (Centennial Observing Stations) aufgenommen.

Maßnahmen dringend notwendig

Am Donnerstag besuchte Petteri Taalas, der Generalsekretär der WMO, das Sonnblick-Observatorium für ein Arbeitsgespräch mit Elke Ludewig (Leiterin des Observatoriums) und Michael Staudinger (Direktor der ZAMG).

Die hochwertigen Messungen hier in nahezu freier Atmosphäre, zeigen unter anderem den enormen Anstieg des CO2-Gehalts“, sagt Taalas, „und decken sich mit Messungen aus allen Regionen der Erde. Wir sehen hier, wie dringend notwendig weltweite Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen sind."

CO2-Konzentration nähert sich kritischer Marke

Seit 1999 misst das Umweltbundesamt am Sonnblick das klimawirksame Spurengas CO2 (Kohlendioxid). Aufgrund der exponierten Lage kann aus den Messungen am Sonnblick auf die großräumige Veränderung der CO2-Konzentration geschlossen werden. Die CO2-Konzentration stieg seit Messbeginn von ca. 370 ppm auf derzeit ca. 410 ppm (ppm=parts per million). Bei der gegenwärtigen Entwicklung wird noch vor dem Jahr 2040 eine Konzentration von 450 ppm CO2 erreicht. Der Weltklimarat IPCC nennt die Marke von 450 ppm, den Wert, bis zu dem die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2 °C wahrscheinlich noch vermeidbar ist.

Permafrost-Messungen: Gestein verliert an Festigkeit

Am Sonnblick-Observatorium laufen in mehreren Bohrlöchern auch Messungen zur Entwicklung des Permafrosts. Als Permafrost werden Orte mit ganzjährig gefrorenem Boden bezeichnet. Durch die Klimaerwärmung tauen obere Bodenschichten auf und das Gestein verliert Festigkeit. Eine Folge sind Felsstürze, die in den letzten Jahren in den Alpen vermehrt beobachtet werden und zahlreiche Auswirkungen haben. Auch Gebäude und Seilbahnanlagen sind von Änderungen des Permafrost betroffen. Anfang der 2000er-Jahre drohte der Gipfel des Hohen Sonnblicks zu zerbrechen und musste aufwändig saniert werden, um den weiteren Bestand des Observatoriums zu sichern.

Ozonschicht erholt sich durch gemeinsame Maßnahmen

WMO-Generalsekretär Taalas betonte bei seinem Besuch am Sonnblick, wie wichtig es ist, den Herausforderungen des Klimawandels in einer engagierten internationalen Zusammenarbeit entgegenzutreten. Und er verwies auf erfolgreiche Maßnahmen der Vergangenheit: „Mit der Entdeckung des Ozon-Lochs stand die Menschheit vor einer großen Herausforderung. Eine dünnere Ozonschicht bedeutet mehr UV-Strahlung und eine Zunahme gesundheitlicher Risiken wie Hautkrebs. In einer weltweit koordinierten Zusammenarbeit wurden Maßnahmen eingeleitet, wie das Verbot der FCKW. In den letzten Jahren sehen wir eine langsame Erholung der Ozonschicht auf der Südhalbkugel und auf der Nordhalbkugel, wie auch die UV-Messungen hier am Sonnblick zeigen.“

Weltweit längste Messreihe für Schadstatoffe im Schnee

Unter Beteiligung der ZAMG ist in der Sonnblick-Region auch die weltweit längste Messreihe für Schneechemie entstanden. Eine Studie von ZAMG, TU Wien, Universität Graz und IIASA zeigte unlängst, dass die Sulfat- und Nitratbelastung in der Schneedecke in den letzten 30 Jahren deutlich abgenommen hat (Sulfat -70%, Nitrat -30%). Derartige Schadstoffe stammen aus Verkehr und Industrie in Europa und erreichen mit der Luftströmung die Alpen. Von den Gletschern gelangen sie mit dem Schmelzwasser in Bäche, Flüsse und Böden und können hier zu einem „Säureschock" führen. Für den Rückgang der Schadstoffe dürften die Maßnahmen vieler Länder zur Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxid in Industrie- und Verkehrsabgasen verantwortlich sein. Damit konnte das Problem des „Sauren Regens“ deutlich gemindert werden.

Ähnliche Ergebnisse zeigt auch das Monitoring-Programm des Land Salzburgs (WADOS, wet and dry only sampler), für das die TU Wien Niederschlagsproben analysiert.

Die WMO: UNO-Organisation mit österreichischen Wurzeln

Die Wurzeln der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) liegen in Österreich. Die ZAMG, gegründet 1851 und damit einer der ältesten Wetterdienste der Welt, organisierte in Wien im Jahr 1873 den ersten internationalen Meteorologiekongress. Damals wurde beschlossen, die Internationale Meteorologische Organisation (IMO) zu gründen, um die weltweite Zusammenarbeit zu fördern. Aus dieser Organisation wurde am 23. März 1950 die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), sie hat ihren Sitz in Genf und ist Teil der Vereinten Nationen (UNO).

Österreich ist seit 1955 Mitglied in der WMO und dort durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vertreten.

Zu den Aufgaben der WMO gehören unter anderem: Das weltweite Messen von meteorologischen Daten nach einheitlichen Kriterien zu fördern. Den schnellen weltweiten Austausch von Mess- und Prognosedaten zu fördern. Die Entwicklung von Wettervorhersage- und Warnsystemen zu unterstützen, um Bevölkerung und Infrastruktur optimal zu schützen. Den weltweiten Wissensaustausch zu fördern, damit auch ärmere Länder möglichst gute Vorhersage- und Warnsysteme nutzen können.

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Fotos: WMO-Generalsekretär Petteri Taalas (rechts), ZAMG-Direktor Michael Staudinger und die Leiterin des Observatoriums Elke Ludewig am Sonnblick. Quelle: ZAMG/Scheer.

 

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