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01.02.2018

Erneut stark spürbares Erdbeben in Vorarlberg

 Erneut stark spürbares Erdbeben in Vorarlberg

©ZAMG

Am Donnerstag, den 1. Februar 2018, bebte um 2:47 Uhr in Vorarlberg deutlich spürbar die Erde. Das Epizentrum des Erdbebens befand sich knapp nördlich von Wald am Arlberg im Bezirk Bludenz. Die Magnitude lag bei 3,9 und nach einer vorläufigen Auswertung betrug die Intensität im Epizentrum 5 Grad auf der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98. (Die Magnitude beschreibt die Energie des Bebens, die Intensität die Auswirkungen an der Erdoberfläche).

In dieser Region ereignete sich vor zwei Wochen ein gleich starkes Beben, am Mittwoch 17. Jänner 2018 um 20:07 Uhr. Das Epizentrum lag damals etwa einen Kilometer nordöstlich vom aktuellen Bebenzentrum. Seither gab es 25 Nachbeben, die so schwach waren, dass sie nicht verspürt wurden.

Bereits über 500 Berichte aus der Bevölkerung

Das Beben wurde von vielen Menschen stark verspürt, berichtet Seismologin Christiane Freudenthaler von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Wir haben über das Wahrnehmungsformular auf unsere Website bereits über 500 Wahrnehmungsberichte aus mehr als 65 Orten bekommen, die meisten davon aus Vorarlberg. Aber auch im Westen Tirols bis Landeck wurde das Beben deutlich verspürt, Vereinzelt wurden auch in Innsbruck leichte Schwingungen in höheren Stockwerken bemerkt."

Nur vereinzelt leichte Schäden

Das Erdbeben war kräftig spürbar. Wie bei dieser Stärke typisch, wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet, Gläser und Geschirr klirrten in den Schränken und ganz vereinzelt kam es auch zu leichten Schäden, wie Rissen im Verputz. In den nächsten Tagen sind noch spürbare Nachbeben möglich. Bisher ereignete sich ein schwaches Nachbeben um 03:03 Uhr, das nicht spürbar und nur instrumentell messbar war.

Seltenes Ereignis

Zwei Beben hintereinander in dieser Stärke kommen in Vorarlberg nicht oft vor, sind aber kein Anlass zu großer Besorgnis, sagt ZAMG-Seismologin Freudenthaler: „Neben den beiden aktuellen Ereignissen gab es in den letzten rund 250 Jahren in Vorarlberg nur acht Erdbeben mit einer Magnitude im Bereich von etwa 4,0. Aber schwere Gebäudeschäden gab es in der gesamten dokumentierten Erdbebengeschichte von Vorarlberg noch nie. Dass zwei stark spürbare Beben hintereinander vorkommen ist zwar selten, beobachten wir aber allgemein in Österreich alle paar Jahre, wie zuletzt 2013 bei der Bebenserie in Ebreichsdorf in Niederösterreich. Denn wenn die Spannungen in einer geologisch aktiven Zone der Erdkruste steigen, dann kommt es gelegentlich in kurzen Abständen gleich zu mehreren Brüchen, die man dann als Erdbeben spürt."

Erdbeben in Vorarlberg

Vorarlberg gehört zu den Regionen Österreichs, in denen mehrmals pro Jahr spürbare Erdbeben vorkommen, besonders im Rheintal und im Arlberggebiet. Der Grund ist die sogenannte Nord-Süd-Kompression der Alpen, wo verschiedene Bereiche der Erdkruste aufeinander stoßen, an denen es immer wieder zu Spannungen und anschließenden Brüchen kommt. Ähnliche starke Ereignisse wie in den letzten beiden Wochen, mit Magnituden im Bereich von etwa 4,0, waren in der dokumentierten Erdbebengeschichte von Vorarlberg:

  • am 31. Jänner 2016 mit Epizentrum in Klösterle (Magnitude 3,6)

  • am 15. und 28. Juni 1996 (Magnitude 4,0 und 4,3) mit Epizentrum in Lech

  • am 31. März 1994 mit Epizentrum in Stuben (Magnitude 4,0)

  • am 8. Mai 1992 mit Epizentrum in Feldkirch (Magnitude 4,3)

  • am 29. Juni 1965 mit Epizentrum in Dalaas (Magnitude 4,0)

  • am 14. April 1866 mit Epizentrum ebenfalls in Dalaas

  • am 27. Dezember 1771 mit Epizentrum in Mittelberg in den Allgäuer Alpen (Intensität 6 Grad EMS-98)

Die von den Auswirkungen her stärksten Beben Vorarlbergs waren dabei Feldkirch 1992 (Intensität von 6-7 Grad EMS-98) und Mittelberg 1771 (Intensität 6 Grad EMS-98). Bei beiden gab es Schäden an Gebäuden, wie ausgebrochene Verputzteile. Insgesamt ist Vorarlberg aber von wesentlichen Schadensbeben bisher verschont geblieben.

In Österreich pro Jahr durchschnittlich rund 48 Erdbeben spürbar

In Österreich werden von der Bevölkerung durchschnittlich 48 Erdbeben pro Jahr wahrgenommen, wobei die Zahl von Jahr zu Jahr stark schwankt. 2017 und 2016 gab es in Österreich 70 spürbare Beben, 2015 waren es 40, und 2014 bebte 52 Mal spürbar die Erde. Alle zwei bis drei Jahre muss in Österreich auch mit leichten Gebäudeschäden durch ein stärkeres Erdbeben gerechnet werden. Schwere Schäden an Gebäuden kommen in Österreich bedeutend seltener vor, hier beträgt die durchschnittliche Wiederkehrperiode etwa 75 Jahre. Das stärkste Erdbeben der letzten Jahrzehnte ereignete sich am 16. April 1972 im Bereich Seebenstein/Pitten (Nö), mit einer Magnitude von 5,3 und einer Intensität von 7-8° EMS-98.

Einen Überblick über die stärksten Erdbeben in Österreich und in den einzelnen Bundesländern finden Sie auf http://www.zamg.ac.at/cms/de/geophysik/erdbeben/erdbeben-in-oesterreich/uebersicht_neu

Magnitude und Intensität: Energie und Stärke von Erdbeben

Zur Einordnung von Erdbeben werden zwei unterschiedliche Maße angegeben, die Magnitude und die Intensität.

Die Magnitude ist ein logarithmisches Maß der am Erdbebenherd freigesetzten Schwingungsenergie, welche aus den Seismometer-Messungen ausgewertet wird. Seismometern messen selbst kleinste Bodenbewegungen in der Größenordnung von einem Nanometer, also einem milliardstel Meter.

Mit der sogenannten Intensitätsskala werden die Auswirkungen an der Erdoberfläche bewertet. In den meisten Ländern, einschließlich Österreich, wird eine 12-stufige Intensitätsskala verwendet ( Europäische Makroseismische Skala 1998,EMS-98 ).

Aus Messungen der Magnitude und der Herdtiefe eines Erdbebens können die Auswirkungen und möglichen Schäden eines Erdbebens an der Erdoberfläche (also Intensität) abgeschätzt werden.

Zwei Erdbeben mit gleicher Energie (also mit gleicher Magnitude) aber mit unterschiedlichen Herdtiefen haben unterschiedliche Auswirkungen an der Erdoberfläche und somit auch unterschiedliche Intensitäten. Umgekehrt kann auch aus den Auswirkungen von Erdbeben und deren räumlicher Verteilung auf die Magnitude und Herdtiefe geschlossen werden.

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Web-Links

Erdbebendienst: www.zamg.ac.at/cms/de/geophysik/erdbeben

Beben-Wahrnehmungsformular: www.zamg.ac.at/cms/de/aktuell/erdbeben

ZAMG allgemein: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at

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