Klimaforschung
Der Methodenschatz der Klimatologie
Gemessene und rekonstruierte Klimadaten der Vergangenheit bilden die Ausgangsbasis für globale Klimamodelle, denen die Annahmen über zukünftige Klimaszenarien entspringen. Doch was ist bei der Bearbeitung gemessener Klimadaten zu beachten? Und woher stammen überhaupt die Vorstellungen über die Klimavergangenheit und die Annahmen für die Klimazukunft?
- Wetter und Klima
Die Klimatologie erforscht naturgemäß das Klima. Zum besseren Verständnis ist den folgenden vier Methodenblöcken die Bestimmung der häufig vermischten Begriffe Wetter und Klima vorangestellt.
- Klimarekonstruktion
In der Erforschung der Klimageschichte, der Paläoklimatologie, werden indirekt erworbene Klimadaten, so genannte Proxy-Daten, zur Rekonstruktion vergangener Klimazustände herangezogen. Dabei werden Klimahinweise aus natürlichen Archiven der Bio-, Geo- oder Kryosphäre oder aus historischen Quellen gefiltert. Die kombinierte Auswertung mehrerer Klimakalender wird als Multiproxy-Ansatz bezeichnet.
- Klimamessung
Für die viel kürzere Zeitspanne der letzen Jahrhunderte und die Gegenwart kann man auf direkt gemessene Klimadaten zurückgreifen. Instrumentell beobachtete Klimamessdaten entstammen meist nationalen Messnetzen, die durch einen hohen Grad an Standardisierung vergleichbar gemacht und international ausgetauscht werden. Die gewonnen Rohdaten müssen hinsichtlich den sich häufig ändernden Messbedingungen korrigiert, homogenisiert, werden. Statistische Methoden der Datenaufbereitung haben direkten Einfluss auf die Interpretation der Ergebnisse.
- Klimamodellierung
Mit großem Aufwand betriebene globale Klimamodelle erlauben es mittlerweile, den Anteil einzelner natürlicher und menschlicher Einflüsse auf Änderungen im Klimasystem der Erde abzuschätzen. Aber sie gestatten auch einen Blick in die Klimazukunft der nächsten Jahrzehnte, wobei Unsicherheiten in der gesellschaftlichen Entwicklung in verschiedenen zugrundeliegenden Emissionsszenarien zum Ausdruck kommen. Verschiedene Methoden der regionalen Klimamodellierung liefern Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung auf der Ebene von Kontinentteilen.
- Glaziologie
Auch anhand von Eisschilden und Gletschern lassen sich Schwankungen und Trends im Klima nachvollziehen. Um den komplexen Zusammenhang zwischen Klimavariabilität und Gletscherreaktion besser zu verstehen, werden Gletscherfluktuationen mit den unterschiedlichsten Methoden gemessen, bilanziert und modelliert.
Weitere Informationen:
klimaforschung@zamg.ac.at (jh/rb)
Literatur:
Aguilar E., Auer I., Brunet M., Peterson T.C., Wieringa J. (2003):
Guidelines on climate metadata and homogenization. WMO-TD No. 1186, 51 Seiten
PDF-Datei 
Böhm R. (2010):
Heiße Luft – nach Kopenhagen. Reizwort Klimawandel. Fakten – Ängste – Geschäfte. 2. Aufl. Wien, Klosterneuburg: Edition Va Bene, 280 Seiten
Gornitz V. (Hg.) (2009):
Encyclopedia of paleoclimatology and ancient environments. New York: Springer, 1049 Seiten
Schönwiese C.D. (2008):
Klimatologie. 3. Aufl. Stuttgart: Ulmer, 472 Seiten
von Storch H., Güss S., Heimann M. (1999):
Das Klimasystem und seine Modellierung. Eine Einführung. Berlin: Springer, 255 Seiten
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