| Zusammenfassung | 
Windenergie
ZAMG | Im Rahmen von BEAUVORT sollen Karten des Windpotenzials und der Windgefährdung für ganz Österreich einheitlich erstellt werden. Eine einheitliche Aussage für das gesamte Bundesgebiet liegt nicht vor, wird aber von einem nationalen Wetterdienst gefordert.
Die verstärkte und geänderte Wahrnehmung des Klimas bzw. des Klimawandels und seiner Ursachen, aber auch die Verknappung fossiler Brennstoffe rückt die effiziente Nutzung erneuerbarer Energiequellen, wie es die Windenergie darstellt in den Vordergrund. Starkwindereignisse in den Jahren 2007 und 2008, wie Kyrill am 18./19.1.2007, Gewittersturm in Ostösterreich am 21.6.2007, Paula 27.1.2008, Emma 1./2.3.2008 und die daraus resultierenden gesamtwirtschaftlichen Schäden zeigen, dass eine österreichweite Wind-Gefährdungszonierung erstellt am Stand der Technik notwendig ist.
Die großräumigen „synoptischen“ Windverhältnisse werden durch Orographie und Rauhigkeit wesentlich beeinflusst, punktuelle Windmessungen sind für eine flächenhafte Darstellung nicht ausreichend, eine räumliche Modellierung des Windfelds ist notwendig.
Der erste Schritt dazu ist die Kenntnis der Geländebeschaffenheit der Umgebung der Messstationen. Hierfür werden Fragebögen entwickelt und an die StationsbetreuerInnen versandt bzw. Stationsbesuche erfolgen.
Um in einem zweiten Schritt (Modellierung) das Windfeld einer Region hinreichend genau beschreiben zu können, müssen Methoden zur Übertragung von an einer oder mehreren Messstellen innerhalb des Untersuchungsgebietes erhaltenen statistischen Befunden zur Korrektur bzw. Reduktion der gemessenen Daten verwendet werden. Dabei wird von vereinfachten Ansätzen der Bewegungsgleichungen in der atmosphärischen Grenzschicht ausgegangen und unter Berücksichtigung von bestimmten, festzulegenden Klassen von Parametern für die unterschiedlichen Oberflächenrauigkeiten und Landschaftsformen sowie
Stabilitätszuständen der bodennahen Atmosphäre werden Reduktionskoeffizienten abgeleitet. Durch die Anwendung dieser Koeffizienten auf die Rohdaten lassen sich „reduzierte“ Datensätze berechnen, die das
Windfeld einer beliebigen Region so repräsentieren, als ob die topographischen, windbeeinflussenden Gegebenheiten nicht vorhanden wären.
Umgekehrt kann man für beliebige andere topographische Gegebenheiten, die sich aus geeigneten Kombinationen der entsprechenden Parameter zusammensetzen lassen, die topographischen Eigenheiten anderer Zonen der betrachteten Region berücksichtigen und so ein „angepasstes Windfeld“, das die Parameter zur Beschreibung der Geschwindigkeitsverteilung in den einzelnen Windrichtungen angibt, objektiv berechnen. Die Modellierung erfolgt über das bewährte Model WAsP (Wind Atlas Analysis and Application Program).
Die Ergebnisse (Oberflächenrauigkeit, Windpotenzial, Windgefährdung) werden mittels GIS sowohl in analoger (Karten) als auch digitaler Form (grids) aufbereitet und bereitgestellt.
Im vierten Schritt fließen die reduzierten Winddaten sowie flächendeckende Daten des Rauhigkeitsparameters in das INCA-System (Integrated Nowcasting through Comprehensive Analysis) ein. Dadurch ist in zweifacher Hinsicht eine Verbesserung der INCA-Windanalyse zu erwarten, da derzeit (a) das Windfeld nur an die hochauflösende Topographie angepasst wird, die Rauhigkeit aber nicht berücksichtigt wird und (b) die Messwerte in unreduzierter Form übernommen werden. Die Qualität der mit INCA berechneten Analysen wird mittels Kreuzvalidierung dokumentiert und mit jener der Windanalyse der
Klimaabteilung verglichen werden. |