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Steiermark

Abk.GHISTSTM
ThemenbereichHistorische Erdbeben, Ergänzung und Korrektur des Österreichischen Erdbebenkatalogs der ZAMG
Statusabgeschlossen
Zusammenfassung
Quellenbeispiel
Quellenbeispiel: Im Tagebuch des Pater Urban (Tagebuch P. Urban, 20. Juli 1841, 1791–184, fol. 168v) findet sich am 26. März 1826 folgender Eintrag:1826 26. März (Ostersonntag) starker Erdstoß, um 3/4 auf 2 Uhr nachmittag.
ZAMG/Hammerl
Im Lückenbereich vom 13. bis zum 18.Jhdt. und sogar aus dem Jahrhundert davor und danach, konnten mehr als doppelt soviele neue Hinweise auf Erdbeben in den Unterlagen gefunden werden, als bislang aus dem gesamten Zeitraum 1100 – 1900 bekannt war. Nach Beendigung der Studie wurden für den Zeitbereich vor 1900 über 120 statt 61 Erdbeben der Steiermark zugeordnet.
Im Rahmen des Projektes wurden drei strong-motion Stationen in Kindberg, Obdach und Admont installiert. Jede dieser Stationen meldet automatisch, wenn ein voreingestellter Beschleunigungswert überschritten wurde.
Die mit den neuen Messstationen im Falle eines Starkbebens gewonnenen Messwerte können direkt genutzt werden, um das Schadensausmaß abzuschätzen.
AusgangssituationHistorische Erdbeben sind nur unvollständig bekannt. Die Studie hatte zum Ziel, diese Lücken zu füllen, damit die Erdbebengefährdung besser bestimmt werden kann.
ProjektzieleStärkere Erdbeben (Epizentralintensität > 7), die nicht im Erdbebenkatalog erfasst sind, oder deren Intensitäten über- oder unterschätzt worden sind, führen zu einer starken Verfälschung der tatsächlichen Erdbebengefährdung. Zwischen 1268 und 1690 ist kein einziges Erdbeben aus der Steiermark im Erdbebenkatalog zu finden ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in diesem Zeitraum wenigstens ein weiteres stärkeres Erdbeben ereignet hat, beträgt immerhin 95%.
Mit drei neu zu errichtenden Strong-Motion Stationen soll das Kleinbebengeschehen in Epizentralbereichen historischer Erdbeben untersucht werden. Außerdem wird es mit Hilfe dieser Stationen im Erdbebenfall erstmals möglich sein, aus den gemessenen Bodenbewegungen schnell auf die möglichen Auswirkungen an der Erdoberfläche zu schließen.
MethodikDie erforschten historischen Originalquellen und Ergebnisse aus den Strong-Motion Stationen werden nach dem Stand der Wissenschaft interpretiert und ausgewertet.
AbwicklungDas Projekt besteht aus zwei Aufgabenbereichen, nämlich der historischen Bebenforschung und der Errichtung neuer Bebenstationen. Aus der Kombination beider Aktivitäten werden die Erdbeben in der Steiermark ganzheitlich neu interpretiert.
ErgebnisseDie umfassende Untersuchung der Erdbeben in der Steiermark und der Einsatz neuer Messstationen haben sowohl für die Forschung als auch für eventuell zu setzende Maßnahmen neue Erkenntnisse erbracht.
Im Lückenbereich vom 13. bis zum 18.Jhdt. und sogar aus dem Jahrhundert davor und danach, konnten mehr als doppelt soviele neue Hinweise auf Erdbeben in den Unterlagen gefunden werden, als bislang aus dem gesamten Zeitraum 1100 – 1900 bekannt war. Nach Beendigung der Studie wurden für den Zeitbereich vor 1900 über 120 statt 61 Erdbeben der Steiermark zugeordnet. Für jedes Erdbeben wurden auch die so genannten IDP´s – intensity data points – bestimmt, was die Erstellung einer „Seismischen Geschichte“ für jeden Standort ermöglicht. Im Weiteren zeigte sich dabei, dass sich darunter keine Erdbeben befanden, die wesentlich stärker waren, als die bislang bekannten Erdbeben aus dem Bereich der Steiermark. Damit hat eine deutliche Eingrenzung des Gefährdungspotentials stattgefunden, die durch die erstmalig durchgeführte historische Erdbebenforschung in der Steiermark erst ermöglicht wurde.
Im Rahmen des Projektes wurden drei strong-motion Stationen in Kindberg, Obdach und Admont installiert. Jede dieser Stationen meldet automatisch, wenn ein voreingestellter Beschleunigungswert überschritten wurde.
Die mit den neuen Messstationen im Falle eines Starkbebens gewonnenen Messwerte können direkt genutzt werden, um das Schadensausmaß abzuschätzen.
Wissenschaftlich gesehen hat die Errichtung der drei neuen Erdbebenstationen zu einer Fülle neuer Erdbebendaten geführt, die es unter anderen gestattete, geologische Störungen, die zum Teil wegen der geringen Bevölkerungsdichte (= Meldungsdichte) in einigen Bereichen des Bundeslandes bislang nicht mit Erdbeben in Zusammenhang gebracht werden konnten, genauer zu untersuchen.
Des Weiteren hat das Projekt auch Auswirkungen auf das Bildungswesen, denn einige Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben ältere Auffassungen bereits überholt. So zeigte sich, dass das Erdbeben von Kindberg im Jahr 1885 offenbar doch nicht so stark war, wie bisher angenommen (eine theoretische Epizentralintensität von Grad 7 reicht aus um das Ausmaß des Schüttergebiets zu erklären), oder das Erdbeben von 1201, welches bis 1994 in Murau vermutet wurde, allen Unterlagen nach aber im Raum Katschberg stattgefunden haben muss.

Die neu erfassten Erdbeben würden die Erdbebengefährdungskarte laut ÖNORM EN 1998-1 nur in kleinen Bereichen ändern, da diese Erdbeben nicht wesentlich stärker als die bereits berücksichtigten waren. Wichtiger erscheint, sicherzustellen dass die Gebäude in den erhaltenen historischen Stadtvierteln den Auflagen der ÖNORM EN 1998-1 auch entsprechen.

In gesellschaftlicher Hinsicht ist festzustellen, dass sich durch den erstmaligen Nachweis, das sich kein stärkeres Erdbeben im vermuteten Lückenbereich des Erdbebenkatalogs ereignet hat, eine obere Grenze für die Übungsannahmen und Vorbereitungsmaßnahmen im Ausmaß einer Intensität 8 (bzw. Magnitude 5,5) als ausreichend erscheint. Dennoch ist bei einem solchen Erdbeben im Umkreis von ca. 40 km von einer Beeinträchtigung der Zugangswege zum Epizentrum zu rechnen, da Hangrutschungen Zufahrtsstraßen behindern können.

Projektbeginn1999
Projektende2002
Projektteam
Ansprechpartner Abteilung Fachgebiet E-Mail Telefon
Hammerl Christa Dr.ZAMG Wien/GEO +43 1 36026 2516
FinanzierungBundesministerium für Wissenschaft und Forschung und Steiermärkische Landesregierung
PublikationenLenhardt, Wolfgang und Christa Hammerl: Historical Earthquakes in Styria/ Austria – Estimation of Parameters. Abstract. Proc. of XXVIII ESC General Assembly, Italy, 1-6 September 2002, p. 133 (Genoa 2002).
Lenhardt, Wolfgang und Christa Hammerl: Historische Erdbebenforschung in Österreich. D-A-CH-Mitteilungsblatt (Hrgb. S.A.Savidis), Dezember 2002, Nr. 3, ISSN 1434-6591 (Berlin 2002).
Hammerl, Christa und Wolfgang Lenhardt: Historical Earthquakes in Styria/ Austria – Source Investigation – Revision of the Catalogue. Abstract. Proc. of XXVIII ESC General Assembly, Genoa, Italy, 1-6 September 2002, p.133 (Genoa 2002).
Hammerl, Christa: Historische Erdbeben in der Steiermark. Proceedings der Jahresversammlung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (Graz 2005).