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28.08.2012

Einer der wärmsten Sommer der Messgeschichte

Einer der wärmsten Sommer der Messgeschichte

© Meteopics S. Wallner

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zieht Ende August eine erste Sommerbilanz. In der Klimatologie werden für die Sommerauswertung aus statistischen Gründen die Monate Juni, Juli und August herangezogen.

Der Sommer 2012 im Überblick

Der Sommer 2012 war einer der wärmsten Sommer der 246-jährigen Messgeschichte. Alexander Orlik, Klimatologe der ZAMG: „Berücksichtigt man die vorhergesagte Abkühlung ab Donnerstag, dann ist der Sommer 2012 um 1,9° C über dem Klimamittel 1971-2000 und damit auf Platz drei der wärmsten Sommer der Geschichte. Wärmer waren nur noch der Rekordsommer 2003 mit einer Abweichung von 3,4° C und der Sommer 1992 mit einer Abweichung von 2,0° C.“
Platz drei würde sich der Sommer 2012 mit den Jahren 1811 und 1994 teilen, die ebenfalls um 1,9° C zu warm waren.

Die höchste Temperatur in diesem Sommer wurde an der Wetterstation in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) am 3. Juli mit 38,3° C gemessen. Österreichweit herausragend war der 20. August: An diesem Tag wurde an 139 der 266 Wetterstationen der ZAMG die höchste Temperatur des Sommers erreicht. Die 30° C Marke wurde an diesem Tag an nur 50 Wetterstationen nicht überschritten, diese liegen alle über 850 m Seehöhe.

Die Niederschlagsmengen waren im Großteil Österreichs unterm Strich im Bereich der langjährigen Mittel. Um 40 bis 60 % nasser als normal war es von Osttirol und Oberkärnten über das Murtal bis zum Mürztal und stellenweise im Wiener Becken sowie im Wein-, Wald- und Mühlviertel. Mitte Juli war der Zeitraum mit den intensivsten Niederschlägen. Zahlreiche Starkregenereignisse, Gewitter und Hagel sorgten besonders in Kärnten und der Steiermark für Überflutungen, Vermurungen und Sturmschäden.

Beachtliches brachte der Sommer 2012 auch zum Thema Schnee: Selten zuvor verschwand die Schneedecke am Sonnblick so früh. Am 19. August meldete das Sonnblick Observatorium der ZAMG, dass an der Messstelle kein Altschnee mehr aus der vergangenen Winterperiode liegt. Noch früher trat dieses Ereignis nur im Sommer 2003 am 13. August und im Jahr 1963 auch am 13. August ein. Der 3106 Meter hohe Sonnblick verzeichnete den zweitwärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1886. Am 30. Juni wurde am Sonnblick sogar die höchste hier jemals gemessene Temperatur registriert: 15,3° C. Der alte Rekord war 15,0° C, gemessen am 6.8.1992 und am 27.7.1983.

Die Sonnenscheindauer lag im Sommer 2012 österreichweit um rund 5 Prozent über dem klimatologischen Mittel.

Der Sommer 2012 im Detail

Temperatur

Kaum ein Sommer war in Österreich wärmer als der Sommer 2012. Die Lufttemperatur der Monate Juni bis August war im Mittel um 1,9° C höher als das Mittel 1971-2000. Wärmere Sommer gab es nur noch im Rekordsommer 2003 mit einer Abweichung von 3,4° C und im Jahr 1992 mit einer Abweichung von 2,0° C. Danach folgen schon die Sommer der Jahre 1811, 1994 und 2012, die jeweils um 1,9° C über dem Klimamittel 1971-2000 lagen. Die größten Abweichungen zum klimatologischen Mittel traten im Süden und Osten von Kärnten über die Südsteiermark bis ins Weinviertel auf. Um rund 2,4° C lag hier das Sommermittel 2012 über den Normalwerten. Feistriz/Bleiburg (K) war heuer mit einer mittleren Sommertemperatur von 19,9° C und einer positiven Abweichung von 2,8° C der relativ wärmste Ort in diesem Sommer. Im Zentrum von Wien wurde aber mit 22,6° C die absolut höchste Sommermitteltemperatur Österreichs erzielt. In Wien war auch die hohe Anzahl an Hitzetagen (Tmax ≥ 30° C) bemerkenswert: Die ZAMG-Wetterstation Wien-Innenstadt verzeichnete von Juni bis August 35 Hitzetage. Das sind um 15 Tage mehr als das Langzeitmittel. Der heißeste Tag, gemessen an der Anzahl der Stationshöchstwerte in diesem Sommer, war der 20. August. An 139 der 266 Wetterstationen wurde an diesem Tag die höchste Temperatur des Sommers erreicht. Die 30° C Marke wurde an nur 50 Wetterstationen an diesem Tag nicht überschritten. Diese liegen alle über 850 Meter Seehöhe. Sogar auf der Rudolfshütte (S) auf 2317 Meter wurde am diesem 20. August noch ein Tageshöchstwert von 21,6° C gemessen. Das war der zweithöchste Wert an dieser Station seit ihrem Bestehen im Jahr 1980. Die höchste Temperatur in diesem Sommer registrierte die Wetterstation in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) am 3. Juli mit 38,3° C.

Niederschlag

In weiten Teilen des Bundesgebietes entsprach die Niederschlagsmenge des Sommers 2012 dem Klimamittel 1971-2000. Während im Juni nördlich des Alpenhauptkammes die Niederschlagsmengen überdurchschnittlich ausfielen, war der Juli südlich des Alpenhauptkammes teils ausgesprochen niederschlagsintensiv. In August blieben die großen Niederschläge vor allem im Süden aus.

Deutlich mehr Niederschlag als im Mittel gab es im Sommer von Osttirol, Oberkärnten über das Murtal bis zum Mürztal und stellenweise im Wiener Becken, Wein-, Wald- und Mühlviertel. In diesen Regionen fiel 40 bis 60 % mehr Niederschlag als üblich. Mitte Juli war der Zeitraum mit den intensivsten Niederschlägen. Zahlreiche Starkregenereignisse, Gewitter und Hagel sorgten vor allem in Kärnten und der Steiermark für Überflutungen, Vermurungen und Sturmschäden. Am 20. Juli summierte sich in der Obersteiermark flächendeckend 50 bis 75 mm Niederschlag, stellenweise sogar bis zu 100 mm binnen 24 Stunden. Aber auch im Juni fielen in diesen Regionen große Niederschlagsmengen. Im Sommer 2005 war es in Kärnten und der Steiermark ähnlich nass wie 2012.

Deutlich weniger Niederschlag als normal (um 25 bis 30 % weniger), erhielten in diesem Sommer nur der äußerste Südosten (Südburgenland, Bad Radkersburg) und die östlichsten Teile des Weinviertels. Dies ist vorwiegend darauf zurückzuführen, dass es dort im Juni und August merklich weniger regnete als im Mittel (25 bis 50 % weniger).

Sonne

In Summe entsprach die Sonnenscheindauer im Sommer 2012 dem klimatologischen Mittel. Um rund 5 Prozent schien die Sonne österreichweit häufiger als im Vergleich zum Mittel 1991-2010. Positive Abweichungen zum Mittel wurden dabei im Juni (+10 %) und August (+5 %), negative im Juli (-10 %) registriert. Für Sonnenanbeter war Wagna bei Leibnitz (St) in diesem Sommer der beste Platz. Von Juni bis August schien die Sonne hier 890 Stunden und somit am längsten in ganz Österreich. Aus relativer Sicht, also im Vergleich zum jeweiligen Stationsmittelwert, zeigte sich die Sonne in Friesach (K) am häufigsten. Hier zeigt sich die Sonne um 30 % oder 176 Stunden länger als im langjährigen Mittel.

Schnee

Selten zuvor verschwand die Schneedecke am Sonnblick so früh wie in diesem Sommer. Am 19. August meldete das Sonnblick Observatorium der ZAMG, dass an der Messstelle kein Altschnee mehr aus der vergangenen Winterperiode liegt. Noch früher trat dieses Ereignis im Sommer 2003 am 13. August und im Jahr 1963 auch am 13. August ein. Der Hauptgrund dafür ist in den hohen Temperaturen zu suchen. Im Mittel (1971-2000) gibt es am Sonnblick rund 51 Frosttage (Tiefsttemperatur unter 0° C) und 15 Eistage (Höchsttemperatur unter 0° C) zwischen 1. Juni und 31. August. Im Sommer 2012 traten aber nur 28 Frosttage und 3 Eistage auf. Im Mittel war es am Sonnblick um 2,2° C wärmer als der Normalwert von 1,5° C. Folglich war der Sommer 2012 auf dem 3106 m hohen Berg der zweitwärmste seit Messbeginn im Jahr 1886.

Sommer 2012 (Juni, Juli, August)
(Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, ZAMG)

Temperatur Niederschlag Sonne

Abw. [°C] Tmax Ort, Tag Tmin Ort, Tag Abw. [%] Abw. [%]
Vorarlberg +1,6 36,1 Bludenz, 30.6. 2,5 Mittelberg, 14.6. +10 +5
Tirol +1,9 36,6 Imst, 30.6. 1,3 Nauders, 14.6. +35 +7
Salzburg +2,0 35,4 Salzburg, 20.8. 0,3 St. Michael/L, 6.6. +25 +10
Oberösterreich +1,7 35,4 Gmunden, 20.8. 0,2 Freistadt, 6.6. +25 +5
Niederösterreich +1,9 38,3 B. Deutsch-Altenburg, 3.7. 0,4 Litschau, 6.6. +25 +5
Wien +2,0 37,7 Innere Stadt, 30.6. 4,5 Mariabrunn, 6.6. +30 +1
Burgenland +2,1 37,8 Neusiedl/See, 3.7. 3,5 Kleinzicken, 6.6. +5 +5
Steiermark +2,0 35,5 Hall/Admont, 20.8. 0,2 Mariazell, 6.6. +25 +15
Kärnten +2,1 36,2 Ferlach, 1.7. 2,9 Mallnitz, 14.6. +30 +15

Info:
„Abw. „ sind jeweils die Abweichungen bezogen auf das gesamte Bundesland.
Abweichung zum Mittelwert, Temperatur und Niederschlag 1971-2000, Sonne 1991-2010
Tmax: Tagesmaximum der Lufttemperatur
Tmin: Tagesminimum der Lufttemperatur, nur Stationen unter 1400 m Seehöhe gewertet.

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