Hitze

Heiße Tage und Sommertage nehmen zu

Seitdem der Klimawandel in aller Munde ist, wird immer wieder gern über Wetterextreme, wie Temperaturrekorde, berichtet. Dabei werden von einigen Medien nicht selten stark übertriebene Informationen in Umlauf gebracht. Mittlerweile beschäftigen sich immer mehr wissenschaftliche Studien mit Wetterextremen.

In einer frühen Untersuchung wurden für Österreich moderate Extreme der Temperatur untersucht. Dabei wurde die relative Häufigkeit von heißen Tagen (Tageshöchsttemperatur ≥ 30° C) und Sommertagen (Tageshöchsttemperatur ≥ 25° C) für die Perioden 1961–1990 und 2020–2049 für Wien in den Sommermonaten Juni, Juli und August verglichen. Es zeigt sich ein Anstieg in der Häufigkeit von heißen Tagen von 10 % auf 24 % sowie von 40 % auf 69 % im Fall der Sommertage. Darüber hinaus lässt sich eine stärkere Erhöhung der kältesten Temperaturminima (+6° C) im Vergleich mit jener der wärmsten Temperaturmaxima (+4° C) für das IPCC-Emissionsszenario A1B (Abbildung 1) beobachten.

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Abb. 1: Ensemble Mittelwert der 20-jährigen Temperaturmaxima oben (-minima unten) für 1961-1990 (links) und deren Veränderung für 2071-2100 in °C. (Nikulin u.a. 2011)

Anzahl der warmen Nächte steigt

Eine weitere Untersuchung zur nächtlichen Abkühlung ergab, dass sich im Vergleich zur Periode 1961–1990 die Anzahl der warmen Nächte in der Periode 2019–2048 von 3,6 auf 22,9 in Graz und von 9,9 auf 33,6 in Wien an der Station Hohe Warte erhöhen wird. Als warme Nacht wird in diesem Zusammenhang eine Nacht bezeichnet, in der das Temperaturminimum nicht weniger als 18° C beträgt, wenn diese auf ein Tagesmaximum von ≥30° C folgt.

In Abbildung 2 ist die Veränderung der sommerlichen Hitzebelastung dargestellt. Dieser Index ist ein kombiniertes Maß aus heißen Tagen und darauf folgenden heißen Nächten (Temperaturminimum ≥ 20° C). Besonders in Südostösterreich wird eine starke Zunahme auf bis zu 30 solcher Tage simuliert (zum Vergleich 7 Tage während 1961–1990)

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Abb. 2: Veränderung des Hitzestresses in Europa (Tage). Mittelwert aus Multimodel-Simulationen regionaler Klimamodelle (Ensembles Projekt) 2071-2100 vs. 1961-1990. (Fischer und Schär 2010)

Für Oberösterreich wurde eine eigene Untersuchung über die zukünftig zu erwartende Hitzebelastung durchgeführt. Laut dieser nimmt beispielsweise an der Station Linz/Hörsching die Anzahl der heißen Tage von 9,6 in der Periode 1975–2005 auf 16,3 während der Periode 2010–2039 zu. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts sollen sich heiße Tage im Szenario A1B hier sogar verdreifacht haben.

Klimaänderungsprojektionen der Temperatur gelten in der Klimawissenschaft als die am besten abgesicherten. Dennoch bleiben auch hier noch wichtige Aspekte offen oder unzureichend berücksichtigt.

 

Literatur:

Fischer E.M., Schär C. (2010): Consistent geographical patterns of changes in high-impact European heatwaves. Nature Geoscience 3, 398–403, doi:10.1038/ngeo866

Formayer H., Matulla C., Haas P., Groll N. (2003): Diagnose von Extremereignissen aus großräumigen meteorologischen Feldern. In: StartClim 2003.5 - Startprojekt Klimaschutz. Erste Analysen extremer Wetterereignisse und ihrer Auswirkungen auf Österreich. Endbericht. Wien, 29-32 (Website)

Gerersdorfer T., Frank A., Formayer H., Haas P., MooshammerH., Leitner B. (2005): Untersuchung zur nächtlichen Abkühlung in einem sich ändernden Klima. In: StartClim 2005 – Klimawandel und Gesundheit. Endbericht. Wien, 23-28 (PDF-Datei; 0,4 MB) (Website)

Kromp-Kolb H., Formayer H., Haas P., Hofstätter M., Schwarzl I. (2007): Beobachtete Veränderung der Hitzeperioden in Oberösterreich und Abschätzung der möglichen zukünftigen Entwicklungen. Endbericht Band 1 der Forschungsreihe "Auswirkungen des Klimawandels auf Oberösterreich", Wien, 28 Seiten

Nikulin G., Kjellström E., Hansson U., Strandberg G., Ullerstig A. (2011): Evaluation and future projections of temperature, precipitation and wind extremes over Europe in an ensemble of regional climate simulations. Tellus A 63, 41–55, doi:10.1111/j.1600-0870.2010.00466.x

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