Starkniederschlag

Wirklich mehr Hochwasser?

Beim Niederschlag gibt es regionale Trends sowohl zu mehr Starkniederschlag als auch zu mehr Trockenheit. Insgesamt herrscht den Messdaten folgend im Alpenraum aber ein Trend zu einem ausgeglicheneren Niederschlagsklima vor. Stimmt also die oft gehörte Behauptung von der Zunahme der starken Hochwasser etwa gar nicht?

Im Westen Österreichs kommt zur allgemeinen Zunahme der mittleren Niederschlagssummen auch eine Zunahme der starken Tagesniederschläge, während im Südosten des Landes fallende Niederschlagstrends mit einem Anstieg der Trockenperioden in Verbindung stehen. Die Entwicklungen zu mehr Starkregen und Trockenheit finden aber nicht am gleichen Ort statt, die Spannweiten der Niederschläge bleiben relativ gleich. Die objektive Auswertung der lang zurückreichenden und qualitätsgeprüften Messdaten spricht also auch beim Niederschlag gegen extremere Bedingungen. Tatsächlich überwiegt im gesamten Alpenraum ein Trend zu ruhigeren Niederschlagsverhältnissen.

Mehr Wasser aber nicht mehr Hochwasser in der Donau

Eine viel diskutierte Frage im Zusammenhang mit Niederschlagsextremwerten ist die behauptete Zunahme von starken Hochwassern mit (statistisch bestimmten) 100-jährigen Wiederkehrzeiten und mehr. Einschränkend muss vorangestellt werden, dass Niederschlag nur ein wichtiger den Abfluss bestimmender Faktor neben anderen ist (vgl. Artikel „Fließgewässer"). Unter den lang zurückreichenden Qualitätszeitreihen von Pegelmessungen sticht die in Abbildung 1 gezeigte, 180-jährige Zeitreihe der maximalen jährlichen Durchflussmengen der Donau bei Wien hervor. Tatsächlich ist ein ansteigender Trend zu erkennen, der gut mit den im Einzugsgebiet der Donau oberhalb Wiens gemessenen Niederschlagsmengen übereinstimmt. Relativierend ist jedoch, dass der Trend von den schwachen höchsten jährlichen Durchflussmengen, die keine Schäden anrichten, verursacht wird. Die zu Überschwemmungen führenden Durchflussmengen von 7.000 m³/s und mehr zeigen keine Steigerung und auch die absolut extremsten Donauhochwasser (1899, 2002, 1862, 1954, 1991, 1897) sind gleichmäßig auf die letzten beiden Jahrhunderte verteilt.

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Abb. 1: Entwicklung der maximalen jährlichen Durchflussmenge der Donau bei Wien (blau, linke y-Achse) und der maximalen jährlichen Monatsniederschlagssumme im Einzugsgebiet der Donau oberhalb Wiens als Abweichungen von Mittel der Jahre 1901–2000 (türkis, rechte y-Achse) 1828–2006. Dargestellt sind Jahreswerte (Stufen) und deren geglättete Trends (Linien, 31-jähriger Gauß’scher Tiefpassfilter) (Godina R., HZB, Blöschl G., TU-Wien, persönliche Mitteilung Auer u.a. 2005).

Noch weiter zurück reichen aus historischen Quellen rekonstruierte Hochwasserreihen aus Deutschland. Die 500-jährige Hochwasserreihe der Elbe etwa platziert die Phasen der stärksten Hochwasser in die zweite Hälfte des 16. und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, also gerade in Zeiten kühler Klimaabschnitte. Die früher gefürchteten Winterhochwasser im Zuge von Schneeschmelze und Eisstau sind mittlerweile so selten geworden, dass sie fast in Vergessenheit gerieten (vgl. Artikel „Hochwasser").

Kein Klimaeinfluss: Flussverbauung, Überschwemmungsflächen, Versicherungswerte

Hält man sich an das Fachwissen von Hydrologen, wirkt heute ein vom Menschen verursachter Faktor, der nichts mit dem Klima zu tun hat, viel entscheidender auf das Ausmaß von Hochwassern. Zahlreiche Begradigungen haben die Flussläufe verkürzt, durch Dämme wurden sie von ihren natürlichen Überschwemmungszonen abgeschnitten. Ein anderer wichtiger Punkt hängt mit der gestiegenen Verwundbarkeit der Gesellschaft zusammen. Mit dem wachsenden Wohlstand nahm auch die Zahl der (versicherten) Besitztümer wie Häuser, Autos, Industrieanlagen, Straßen usw. zu. Es wird geschätzt, dass sich der Wohnraum in den letzten 50 Jahren in manchen Gemeinden verfünffacht hat.

 

Literatur:

Auer I., Böhm R., Jurkovic A., Orlik A., Potzmann R., Schöner W., Ungersböck M., Brunetti M., Nanni T., Maugeri M., Briffa K., Jones P., Efthymiadis D., Mestre O., Moisselin J.M., Begert M., Brazdil R., Bochnicek O., Cegnar T., Gajic-Capka M., Zaninivic K., Majstorovic Z., Szalai S., Szentimrey T. (2005): A new instrumental precipitation dataset in the greater Alpine region for the period 1800–2002. International Journal of Climatology 25, 139–166, doi:10.1002/joc.1135

Blöschl G., Montanari A. (2010): Climate change impacts – throwing the dice? Hydrological Processes 24, 374–381, doi:10.1002/hyp.7574

Böhm R. (2010): Heiße Luft – nach Kopenhagen. Reizwort Klimawandel. Fakten – Ängste Geschäfte. 2. Aufl. Wien, Klosterneuburg: Edition Va Bene, 280 Seiten, ISBN 978-3851672435

Mudelsee M., Börngen M., Tetzlaff G., Grünewald U. (2003): No upward trends in the occurrrence of extreme floods in central Europe. Nature 425, 166–169, doi:10.1038/nature01928

Pielke R.A.Jr., Gratz J., Landsea C.W., Collins D., Saunders M.A., Musulin R. (2008): Normalized Hurricane Damage in the United States: 1900–2005. Natural Hazards Review 9/1, 29–42, doi:10.1061/(ASCE)1527-6988(2008)9:1(29)

Schöner W., Böhm R., Haslinger K., Blöschl G., Kroiß H., Merz R., Blaschke A.P., Viglione A., Parajka J., Salinas J.L., Drabek U., Laaha G., Kreuzinger N. (2011): Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Österreichs Wasserwirtschaft. Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 517 Seiten (Website)

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