Lufttemperatur

Es wird noch wärmer

Immer wieder spricht man von „globaler Erwärmung“, jedoch heißt das nicht, dass sich die Erde an jedem Ort gleich erwärmen wird. Die Auswirkungen dieser Erwärmung sind regional  unterschiedlich. Selbst innerhalb von Europa sind räumliche differenzierte Muster dieser Veränderung zu erkennen, diese unterscheiden sich darüber hinaus auch noch je nach Jahreszeit

Grundlagen für zukünftige Temperaturszenarien

Um die zukünftige Entwicklung der bodennahen Lufttemperatur in Europa abschätzen zu können, werden einerseits direkt die Simulationen von globalen Klimamodellen, oder aber darauf aufbauend Simulationen von regionalen Klimamodellen verwendet. Die regionalen Modelle haben dabei die Möglichkeit die großräumigen Muster der Globalmodelle - aufgrund der detaillierteren topographischen Gegebenheiten und verbesserten Abbildung meteorologischer Prozesse - entsprechend zu modifizieren.

Als Vergleichsgrundlage zur Evaluierung der Modellgüte in der Vergangenheit werden im Allgemeinen folgende Beobachtungsdatensätze genutzt wie z.B. jene der CRU, des KNMI oder der NASA.

Die Temperaturentwicklung in Europa seit 1850

Die bodennahe Lufttemperatur hat sich im 20. Jahrhundert in Europa im Jahresmittel um 1.5° C erhöht (Mittelwert der Periode 2006-2015 gegenüber 1850-1899).

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Abb. 1: Zeitreihe der Lufttemperatur 1850-2012 relativ zum Mittel von 1850-1899 in °C für den Winter und den Sommer aus unterschiedlichen Datenarchiven. (EEA 2016)

Die Erwärmung ist in den Jahren 1980 bis 2005 besonders rasch voran geschritten, davor gab es ab 1945 sogar eine längere Phase in der die Lufttemperatur abnahm. Dieses Phänomen wurde durch die starke atmosphärische Trübung in den Jahren 1945 bis 1980 verursacht (Wild M., 2012 und 2016) und wird als „global dimming“ bezeichnet (siehe auch:aerosole). Im Winter erfolgt der Temperaturanstieg zwar kontinuierlicher, ist dafür aber von wesentlich stärkeren Jahr zu Jahr Schwankungen überlagert.

Temperaturszenarien bis 2100

In Europa nimmt die Temperatur bis 2100 im Vergleich zu 1971-2000 um 1,0° bis 4,5° C (RCP4.5) bzw. um 2,5° bis 5,5° C (RCP8.5) zu. Innerhalb von Europa gibt es regionale Unterschiede, aber auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Jahreszeiten. In den Wintermonaten (Dez-Feb) sind die stärksten Zunahmen in Nordosteuropa von 4° C sowie im Sommer (Jun-Aug) in Südeuropa von 3° C zu erwarten. In Mitteleuropa beträgt die Änderung für das Gesamtjahr je nach Szenario im Bereich von 2,0° bis 3,5° C (Abb. 2).

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Abb. 2: Mögliche zukünftige Änderung der Temperatur 2071-2100 im Vergleich zu heute (1971-2000) in °C für unterschiedliche Treibhausgas-Konzentrationen. (Jacob et al., 2014)

Das umgekehrte Erwärmungsmuster in den Sommermonaten ist auf eine Zunahme von Hochdruckwetterlagen, die von Südwesteuropa auf Mitteleuropa übergreifen (Belleflamme et.al 2011), zurück zu führen.

Damit ist die Erwärmung in Europa etwas höher als das globale Mittel. Die angegebenen Werte sind stets Mittelwerte aus den Simulationsergebnissen mehrerer Klimamodelle. Einzelne Modelle zeigen Änderungsraten die auch deutlich über- oder unterhalb dieser Mittelwerte liegen.

Im direkten Vergleich von globalen und regionalen Klimamodellsimulationen lassen sich über Europa Unterschiede erkennen. So sind beispielsweise Trends, Extremwerte und die interannuale Variabilität  in den regionalen Modellen auf regionaler Skala stärker ausgeprägt als in den globalen Simulationen.

Literatur:

Belleflamme A., Fettweiss X., Erpicum M (2011): Evaluation of the present and future general circulation over Greenland simulated by the IPCC AR5/CMIP5 GCMs with the help of a circulation type classification. In: EGU General Assembly 2011. Wien, Österreich, 03.-08.04.2011 (PDF-Datei; 0,04 MB)

EEA - European Environment Agency (2016): European seasonal temperature anomalies over land areas, abgerufen am 20.4.2017

ENSEMBLES Regional climate Models validation and future projections (2010): Future Changes. http://sites.google.com/site/rt3validation/europe/future-changes, abgerufen am 16.08.2010

Solomon S., Qin D., Manning M., Chen Z., Marquis M.,  Averyt K.B., Tignor M., Miller H.L. (Hg.) (2007): Climate change 2007. The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, New York: Cambridge University Press, 996 Seiten, ISBN 9780521705967

Daniela Jacob et al., “EURO-CORDEX: New High-Resolution Climate Change Projections for European Impact Research”, Regional Environmental Change 14, no. 2 (2014): 563–78, doi:10.1007/s10113-013-0499-2.

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