Sonnenschein

Mehr Sommersonne

Oft beschränkt sich die Untersuchung des Klimawandels auf die Lufttemperatur, gelegentlich werden Änderungen des Niederschlages betrachtet. Doch auch andere Klimaelemente wie die Sonnenscheindauer haben Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft. Für Österreich und den Alpenraum wurden an der ZAMG auch homogenisierte Messreihen der Sonnenscheindauer erarbeitet.

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Sonnenscheindauer seit dem späten 19. Jahrhundert in tiefen und hochalpinen Lagen Österreichs. Besonders in den höheren Lagen ist eine zweistufige Zunahme, wie sie schon bei der Entwicklung der Lufttemperatur aufgefallen ist, deutlich zu erkennen. Die erste Zuwachsphase vom Ende des 19. zur Mitte des 20. Jahrhunderts hin erreichte ihren Höhepunkt in den sonnenreichen Nachkriegssommern der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre. Der Rückgang des sommerlichen Schönwetters in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren schlägt sich deutlich in den Jahressummen des Sonnenscheins durch. Nach einem Wendepunkt um 1980 folgt die zweite Phase rascher Sonnenscheinzunahme der letzten 35 Jahre, wobei 2003 und 2011 herausragen.

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Abb. 1: Entwicklung der mittleren jährlichen Sonnenscheindauer im Tiefland 1881–2016 (violett) und hochalpinen Lagen 1884–2016 (orange) Österreichs. Dargestellt sind jährliche Abweichungen vom Mittel der Jahre 1961–1990 (dünne Linien) und deren geglättete Trends (dicke Linien, 21-jähriger Gauß’scher Tiefpassfilter) (Auer u.a. 2007).

Sonnenreiche Nachkriegsjahre

An dieser Stelle soll nochmals auf einen der vielen internen Wirkungsfaktoren des Klimasystems hingewiesen werden. Die auffallende Ähnlichkeit der zweistufigen Entwicklung der Temperatur- und Sonnenscheinkurven im 20. Jahrhundert deutet auf einen der Gründe für den starken Temperaturanstieg in der Alpenregion: Einen Teil hat eine Nordwärtsverlagerung der sommerlichen subtropischen Hochdruckgebiete verursacht, die dem Alpenraum häufiger sommerliches Schönwetter gebracht haben.

Sonnenschein verstärkt den Rückgang der Alpengletscher

Schwankungen der Sonnenscheindauer haben als Ausdruck für die die Erdoberfläche erreichende Strahlung spürbare Auswirkungen. Eine augenscheinliche Klimafolge von mehr Strahlung im Naturraum ist der Rückgang der Alpengletscher. Ein sommerlicher Schneefall schützt – durch die schlagartig erhöhte Albedo – wirksamer vor Abschmelzung als ein Schneefall im Winterhalbjahr den Gletscher wieder aufbauen kann. Durch diese positive Rückkopplung sind die Alpengletscher in den letzten Jahrzehnten mehreren beeinträchtigenden Effekten ausgesetzt: Einerseits nagt die Erwärmung und die erhöhte Sonnenscheindauer an sich an ihnen, andererseits kann wegen der entsprechend kürzer werdenden sommerlichen Schneebedeckungsdauer die Sonneneinstrahlung besser angreifen. Doch die erhöhte Sonnenscheindauer betrifft auch den Menschen unmittelbar. Neben der von vielen empfundenen Steigerung des Wohlbefindens bietet das häufiger werdende sommerliche Schönwetter im Alpenraum ungenutzte Möglichkeiten im Tourismus.

 

Literatur:

Auer I., Böhm R., Jurkovic A., Lipa W., Orlik A., Potzmann R., Schöner W., Ungersböck M., Matulla C., Briffa K., Jones P.D., Efthymiadis D., Brunetti M., Nanni T., Maugeri M., Mercalli L., Mestre O., Moisselin J.M., Begert M., Müller-Westermeier G., Kveton V., Bochnicek O., Stastny P., Lapin M., Szalai S., Szentimrey T., Cegnar T., Dolinar M., Gajic-Capka M., Zaninovic K., Majstorovic Z., Nieplova E. (2007): HISTALP – historical instrumental climatological surface time series of the greater Alpine region 1760–2003. International Journal of Climatology 27, 17–46, doi: 10.1002/joc.1377 

Böhm R. (2010): Heiße Luft – nach Kopenhagen. Reizwort Klimawandel. Fakten – Ängste Geschäfte. 2. Aufl. Wien, Klosterneuburg: Edition Va Bene, 280 Seiten, ISBN 978-3851672435

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