Kritik

Zukünftige natürliche Klimaantriebe nicht berücksichtigt

Wenn der Anteil der einzelnen Klimaantriebe an der Entwicklung der globalen Temperatur von den Klimamodellen falsch eingeschätzt würde, auch wenn sie in Summe bisher ein realistisches Ergebnis geliefert haben, wären Zukunftssimulationen verfälscht. Darüber hinaus sind andere Klimaantriebe als der anthropogene in Zukunftsszenarien gar nicht berücksichtigt – sie lassen sich nicht vorhersagen.

Ein Problem der globalen Klimamodelle ist die Fokussierung der Modellgüte auf die Wiedergabe der gemessenen globalen Mitteltemperatur. Obwohl diese relativ gut simuliert wird, gibt es Bedenken, ob die Sensitivität der Modelle auf die unterschiedlichen Klimaantriebe (Sonnenaktivität, vulkanische Aerosole, Treibhausgase usw.) der Realität entspricht. Hinzu kommt, dass die Antriebe selbst mit ihrer erwärmenden bzw. abkühlenden Wirkung noch nicht einwandfrei verstanden sind. So ist es also möglich, dass ein Klimamodell die mittlere globale Temperatur richtig simuliert, jedoch aufgrund einer falschen Sensitivität des Modells bezüglich seiner Antriebe.

Anthropogener Klimaantrieb überbewertet?

Im 4. Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC (Solomon u.a. 2007) wird festgestellt, dass die Erwärmung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts „sehr wahrscheinlich“ durch den Anstieg der anthropogenen Treibhausgaskonzentration verursacht worden ist. Diese Aussage stützt sich auf die Simulationen einer Vielzahl an globalen Klimamodellen. Kritiker meinen, dass die Modelle eine zu starke Sensitivität für den Klimaantrieb CO2 aufweisen und beispielsweise den Einfluss der Sonne unterschätzen.

Zukünftige Klimaantriebe unvorhersagbar

Die Emissionsszenarien liefern eine anschauliche Abschätzung zukünftiger Treibhausgasemissionen. Da alle anderen Klimaantriebe wie solare Einstrahlung oder vulkanische Aerosole für die Zukunft nicht vorhersagbar sind, rechnen die Klimamodelle nur mit dem Treibhausgasantrieb. Im Gegensatz dazu beinhalten Simulationen der Vergangenheit sowohl natürliche als auch anthropogene Treibhausgase, aber auch den Strahlungsantrieb der Sonne und die Konzentrationen von vulkanischen und anthropogenen Aerosolen in der Atmosphäre.

Die natürlichen Klimaantriebe entziehen sich Vorhersagen, da zum einen zurzeit noch kein astrophysikalisches Modell existiert, welches die Sonnenaktivität prognostizieren kann, und zum anderen Vulkanausbrüche auf längere Sicht nicht vorhersagbar sind.

Stärken-Schwächen-Analyse hilfreich

Es wird noch einige Zeit an Entwicklung brauchen, um die Balance der Antriebe in den Klimamodellen richtig wiederzugeben. Fundamentalkritik an der Leistung von Klimamodellen kommt jedoch Realitätsverweigerung gleich. Entscheidend bleibt, klar zu unterscheiden, welche Ergebnisse Klimamodelle mit einiger Sicherheit liefern können (vgl. Artikel zu Stärken) und welche noch nicht (vgl. Artikel zu Schwächen).

 

Literatur:

Bader D.C., Covey C., Gutowski W.J., Held I.M., Kunkel K.E., Miller R.L., Tokmakian R.T., Zhang M.H. (2008): Climate models: An assessment of strengths and limitations. Washington: Department of Energy, Office of Biological and Environmental Research, 124 Seiten (PDF-Datei; 4,64 MB)

Hegerl G.C., Zwiers F.W., Braconnot P., Gillett N.P., Luo Y., Marengo Orsini J.A., Nicholls N., Penner J.E., Stott P.A. (2007): Understanding and attributing climate change. In: Solomon S., Qin D., Manning M., Chen Z., Marquis M., Averyt K.B., Tignor M., Miller H.L. (Hg.): Climate change 2007: The physical science basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, New York: Cambridge University Press, ISBN 9780521705967, 663–745

Randall D.A., Wood R.A., Bony S., Colman R., Fichefet T., Fyfe J., Kattsov V., Pitman A., Shukla J., Srinivasan J., Stouffer R.J., Sumi A., Taylor K.E. (2007): Climate models and their evaluation. In: Solomon S., Qin D., Manning M., Chen Z., Marquis M., Averyt K.B., Tignor M., Miller H.L. (Hg.): Climate change 2007: The physical science basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, New York: Cambridge University Press, ISBN 9780521705967, 589–662

Solomon S., Qin D., Manning M., Chen Z., Marquis M., Averyt K.B., Tignor M., Miller H.L. (Hg.): Climate change 2007: The physical science basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, New York: Cambridge University Press, 996 Seiten, ISBN 9780521705967

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