Meeresspiegel

Zu ernst für vereinfachte Antworten

Zu den ernsthaftesten und langfristigsten globalen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels gehört der Anstieg des Meeresspiegels. Anscheinend ist das Problem so klar wie einfach: Es wird wärmer, Eis schmilzt ab und der Meeresspiegel steigt. Es gibt jedoch eine Fülle von Details, die berücksichtigen werden müssen. Diese Differenzierung ist entscheidend, um die globalen und überraschenderweise auch regional unterschiedlichen Meeresspiegelanstiege für die Vergangenheit zu rekonstruieren, für die Gegenwart zu erkennen und für die Zukunft abzuschätzen.

Vergangenheit
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Schwankungen des Meeresspiegels gehören zur Erdgeschichte wie die Klimaschwankungen selbst. Für sie gibt es verschiedene Ursachen.

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Gegenwart
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Über die Veränderungen des Meeresspiegels in den letzten beiden Jahrhunderten liegen Messungen in höherer Auflösung vor.

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Zukunft
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Das genaue Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs entscheidet über die Lebensgrundlage von Hunderten Millionen Menschen.

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Meeresspiegelschwankungen haben viele Gründe

Prinzipiell kann man zwischen absoluten (eustatischen) und relativen Schwankungen unterscheiden. Eine eustatische Meeresspiegelschwankung hat seine Ursache in der Änderung des Gesamtvolumes der Ozeane. Das Gesamtvolumen der Ozeane kann entweder durch die Variation ihrer Gesamtmasse über Massenein- (z.B. Schmelze, Kalben von Landeismassen) und -austrag oder durch die Änderung der mittleren Dichte des Ozeanwassers (z.B. thermische Expansion von Wasser aufgrund einer Erwärmung) schwanken. Isostasie und Plattentektonik sind Ursachen für relative Meeresspiegelschwankungen.

Ungelöstes Problem – die Forschung ist gefordert

Die Wissenschaft ist gerade in dieser globalen Angelegenheit in höchstem Maß gefordert, um nicht den „Kassandras“ auf der einen und den „Abwieglern“ auf der anderen Seite das Feld überlassen zu müssen. Diese sind in der öffentlichen Debatte gerade dann immer dominant, wenn die rationale Wissenschaft noch keine fundierten Antworten auf entscheidende Zukunftsfragen anbieten kann.

Warnung vor vorschnellen Antworten

Gewarnt wird jedenfalls vor den simplifizierten, oft auch falschen und meistens völlig unbelegbaren Aussagen, die zu diesem noch ungelösten Thema bereits angeboten werden. Gerade auf einem Gebiet, an dem die Wissenschaft derzeit intensiv arbeitet, gibt es noch wenig Populärwissenschaftliches. Um sich selbst ein unabhängiges Bild zu machen, ist der mühevolle Weg durch die Fachliteratur unumgänglich. Die folgenden drei Abschnitte erleichtern diesen Weg durch Vergangenheit, Gegenwart und die mögliche Zukunft der Höhe des Meeresspiegels.

 

Literatur:

Einen fiktiven, besonders alarmistischen Roman, in dem große Teile des grönländischen Inlandeises von einem Tag auf den anderen ins Meer stürzen und der darauf folgende Megatsunami die halbe Menschheit vernichtet, hat Risto Isomäki (2008) geschrieben. Seriöser aber leicht sarkastisch geht Reinhard Böhm (2010) mit dem Thema um. Fantastische, sehr suggestive Bild- und Filmbeiträge liefert James Balog auf seiner Website.

Balog J.: Extreme ice survey. http://www.extremeicesurvey.org, abgerufen am 8.11.2010

Böhm R. (2010): Die Sache mit dem Meeresspiegel – IPCC-2007 re-visited. In: Heiße Luft nach Kopenhagen. 2. Aufl. Wien, Klosterneuburg: Edition VaBene, ISBN 978-3851672435, 256–263

Church J.A., Woodworth P.L., Aarup T., Wilson W.S. (Hg.) (2010): Understanding sea-level rise and variability. Chichester: Wiley-Blackwell, 428 Seiten, ISBN 978-1-4443-3452-4

Focken-Erchinger H., Stromann M. (2004): Sturmfluten. Küsten- und Inselschutz zwischen Ems und Jade. Norden: Soltau-Kurier-Norden, 223 Seiten, ISBN 978-3928327824

Isomäki R. (2008): Die Schmelze. Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe, 381 Seiten, ISBN 978-3-404-92285-7

Solomon S., Qin D., Manning M., Chen Z., Marquis M.,  Averyt K.B., Tignor M., Miller H.L. (Hg.) (2007): Climate change 2007. The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, New York: Cambridge University Press, 996 Seiten, ISBN 9780521705967

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