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06.10.2017

Vor 90 Jahren - Das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927

Am 8. Oktober 1927 erschütterte ein Erdbeben Schwadorf in Niederösterreich. Es war das stärkste Erdbeben des 20. Jahrhunderts in Österreich. Die Epizentralintensität wurde auf Grund der Schäden mit 8 Grad auf der heute verwendeten 12-teiligen Europäischen Makroseismischen Skala / EMS-98 bestimmt. Im Erdbebenkatalog des Erdbebendienstes der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ist das Hauptbeben um 20:49 mit einer Magnitude 5,2 und einer Herdtiefe von 6 km eingetragen.

Vor 90 Jahren - Das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927

Gemeindegasthaus Raser in Schwadorf erlitt durch das Beben 1927 größeren Schaden und musste gepölzt werden.

In Niederösterreich werden im Durchschnitt neun Erdbeben pro Jahr wahrgenommen. Erdbeben, die bereits zu leichten Schäden führen, ereignen sich etwa alle neun Jahre. Stärkere Erdbeben, die vereinzelt zu stärkeren Gebäudeschäden führen, finden alle 30 bis 40 Jahre statt und noch stärkere im Abstand von mehr als 100 Jahren. Das Schwadorf Beben vom 8. Oktober 1927 zählt zur letzten Kategorie.

 

Wo bebt es in Niederösterreich?

Die zwei bekanntesten Erdbeben der letzten 50 Jahre waren jene am 16. April 1972 in Seebenstein und am 11. Juli 2000 in Ebreichsdorf. Das wohl stärkste Erdbeben in historischer Zeit ereignete sich am 15. September 1590 in Ried am Riederberg. Es führte zu großen Schäden im Tullnerfeld und in der heutigen Bundeshauptstadt Wien.

Ein Großteil der Erdbeben in Niederösterreich ist auf einen Bruch in der Erdkruste unter dem Wiener Becken zurückzuführen, der sich von Seebenstein bis nach Schwadorf und darüber hinaus bis in die Slowakei erstreckt. Entlang dieser Bruchlinie liegen Wiener Neustadt (Erdbeben 1712, 1768, 1841) und Ebreichsdorf (Erdbeben 1938, 2000, 2013), die immer wieder Epizentren von Erdbeben sind. Diese horizontale Verschiebung trägt zu einer Ausweitung des Wiener Beckens bei, die bis heute andauert und auch zu einer Absenkung führt, die geodätisch nachweisbar ist.

Eine Ausnahme stellen die vereinzelten Erdbeben am Rande des Tullner Beckens dar, die mit einer keilförmigen Aufschiebung der Kalkalpen über die Böhmische Masse erklärt werden können.
Die Erdbeben in Niederösterreich ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.

Vor 90 Jahren - Das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927

 

Das Schwadorf Beben vom 8. Oktober 1927

In der Illustrierten Kronen Zeitung vom 11.Oktober 1927, 28. Jg., Nr. 9955 war Folgendes zu lesen: „[…] In Schwadorf ist die Schule geschlossen, da auch dieses Gebäude nicht unbedenkliche Schäden erlitten hat. Viele andere Häuser, so auch die Kirche, zeigen große Sprünge. Im Gemeindegasthaus, in welchen am Samstag ein Weinlesefest stattfand, verursachte das samstägige Erdbeben eine Panik. Die Erschütterung war so stark, dass ein Gast rief, das Haus werde in die Luft gesprengt. Dies war der Anlass, dass die Gäste stoßend und drängend über die Stiege ins Freie eilten.

Viele Frauen haben mit ihren Kindern den Ort verlassen und sich zu Verwandten begeben, die in nahe gelegenen Ortschaften wohnen. […]“

Vor 90 Jahren - Das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927

Links: Am Hauptplatz in Schwadorf wurden Zelte als Notquartier aufgestellt. Mitte: Beschädigungen im Gasthaus Raser. Rechts:  Schwerer Schaden am Haus der ehemaligen Greißlerei am Hauptplatz / Ecke Ebergassingerstraße.

Eine gute Beschreibung des Bebens ist der zeitgenössische Originalbericht des Revier Inspektors Stickler vom Gendarmerieposten in Schwadorf, der am 22. Oktober 1927 einen Bericht an den Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien verfasste. Unter anderem schrieb er:
[…] Durch das am 8. Oktober 1927 […] erfolgte Erdbeben wurden die Gemeinden Schwadorf, Enzersdorf an der Fischa und Rauchenwarth betroffen und insbesondere die beiden erstgenannten Gemeinden katastrophal in Mitleidenschaft gezogen.

Vor 90 Jahren - Das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927

Der obere Teil des Wasserturms der Schwadorfer Baumwollspinnerei & Bleicherei, Fa. Kantor, Pollak & Co, wurde durch das Beben nach links verdreht. Fotos: Marktgemeinde Schwadorf

[…] Durch diese Erdstöße wurden in der Gemeinde Schwadorf sämtliche Häuser beschädigt, […] dass einzelne Objekte baufällig wurden und trotz der vorgenommenen Pölzungen abgetragen werden müssen. Weiteres wurden beide Schornsteine und der Wasserturm der Schwadorfer Baumwollspinnfabrik derart schwer beschädigt, dass die Schornsteine zum Teile abgetragen werden mussten […]

In Enzersdorf an der Fischa […] wurden insbesonders die Gebäude des Oberortes stark in Mitleidenschaft gezogen […].

In Rauchenwarth hat sich das Beben verhältnismäßig nur mit verminderter Heftigkeit geltend gemacht, daher die Bauschäden mit Ausnahme an der Kirche geringer Art sind.

Die kommissionell ermittelten Bauschäden in den drei Gemeinden sollen auf 450.000 Schilling geschätzt worden sein, doch hat sich der Schaden infolge der fortgesetzten Nachbeben schätzungsweise auf das Vierfache erhöht […]”

Das Beben wurde im Norden bis Dresden und im Süden bis Bad Radkersburg verspürt.

Der Erdbebendienst der ZAMG
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
1190 Wien, Hohe Warte 38
Telefon: +43 1 360 26 2508
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