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08.09.2017

Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko

Vor der mexikanischen Küste hat sich am 8. September 2017 um 04:49 Uhr UTC (Lokalzeit 22:49 Uhr CST) ein schweres Erdbeben der Magnitude 8,1 ereignet. Mit dieser Stärke war es bislang das stärkste des heurigen Jahres und eines der stärksten in der Geschichte Mexikos. Das Epizentrum (15,07°N, 93,72°W) lag 70 km vor der Küste des Bundesstaates Chiapas nahe der Grenze zum Nachbarland Guatemala. Es gab schwere Schäden an Gebäuden, wobei mindestens 95 Personen ums Leben kamen. Mehr als 7000 Häuser seien zerstört oder beschädigt worden. Die heftigen Erschütterungen waren in weiten Teilen Mexikos und in mehreren Ländern Mittelamerikas zu spüren. In Guatemala-Stadt (350 km Entfernung) dauerte das Beben fast zwei Minuten an. Auch in einer Entfernung von 750 km in Mexiko-Stadt, verspürte man noch deutlich die Erschütterungen. Vielerorts liefen verängstigte Menschen auf die Straßen. Insgesamt waren 1,5 Millionen Menschen ohne Strom.

Tsunami kleiner als erwartet

Eine Tsunamiwarnung wurde kurz nach dem Erdbeben ausgegeben. Die Tsunamiwelle war aber mit einer gemessenen Wellenhöhe von bis zu einem Meter deutlich kleiner als zunächst befürchtet. Der Bebenherd befand sich in einer Herdtiefe von 70 km, also nicht ganz oberflächennah. Damit ist auch zu erklären, warum die Auswirkungen des Bebens vergleichsweise gering waren. Vom Bebenherd ausgehend kommt es zu einer Versetzung der tektonischen Einheiten, wobei die Bruchfläche ein Ausmaß von 200 mal 50 km hat. Bei einem Beben dieser Stärke kommt es zu einer plötzlichen, ruckartigen Verschiebung der benachbarten Platten mit einem Versetzungsbetrag von mehreren Metern.

Die Seismologin Christiane Freudenthaler warnt: "Mit einer großen Zahl an Nachbeben ist in den nächsten Stunden, Wochen und Monaten auf jeden Fall zu rechnen. Heute, in den ersten sechs Stunden nach dem Hauptbeben ereigneten sich mehrere Erdstöße mit Magnituden über 5, aber in der Folge sind auch solche mit Magnituden von 7 nicht auszuschließen. Diese sind eine Gefahr für jene Gebäude, die durch das Beben von heute beschädigt wurden. Es genügen schon leichtere Erschütterungen, um diese zum Einsturz zu bringen".

Registrierung an Erdbebenstationen der ZAMG

Das Erdbeben wurde an allen Stationen des Erdbebendienstes der ZAMG registriert.

Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko

Die Abbildung zeigt das Seismogramm des Erdbebens von der seismischen Station in Leogang in Salzburg (LESA). Sie befindet sich in einem Bergwerksstollen und wurde am 10. Juli 2017 in Betrieb genommen. Sie zeigt einen 70 Minuten langen Ausschnitt, in dem das Eintreffen verschiedener Wellentypen (P..Kompressionswelle, S..Scherwelle) und Reflexionen vom Erdkern deutlich zu erkennen sind. Etwa 12 Minuten benötigte die schnellste Erdbebenwelle, um nach Österreich zu gelangen. Das markante Maximum stammt von den sich langsamer ausbreitenden Oberfächenwellen.

Tektonischer Hintergrund

Die tektonischen Verhältnisse der hochgefährdeten Region in Mittelamerika gestalten sich sehr komplex: die dichte, daher schwere ozeanische Cocos-Platte, die zwischen der Pazifischen und der Nordamerikanischen Platte  liegt, schiebt sich unter einem sehr flachen Winkel von  etwa 12° in Richtung Nordosten unter den Kontinent. Diesem Subduktionsprozess folgen, bei einer Relativgeschwindigkeit von 7,6 cm pro Jahr, eine intensive Erdbebentätigkeit und aktiver Vulkanismus entlang der mexikanischen Küstenregion.

Der Herdmechanismus weist die Charakteristik einer Abschiebung auf, es handelt sich dabei um eine Verwerfung, bei der die Schichten im Hangenden nach unten verschoben werden. Im Gegensatz zu einem oberflächennahen Mega-thrust-Event (wie etwa in Sumatra 2004)  könnte sich bei diesem Erdbeben um einen Dehnungsbruch innerhalb der subduzierenden ozeanischen Cocosplatte handeln. 

Mexiko wurde im Laufe der Geschichte immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht. Das Beben mit den höchsten Opferzahlen (etwa 10.000) ereignete sich vor 32 Jahren am 19. September 1985 mit einer Magnitude von 8,0. Während sich im Bereich des Epizentrums die Gebäudeschäden auf kleine Küstenstädte beschränkten, waren im Landesinneren hauptsächlich ältere Gebäude von Schäden betroffen. Anders war die Lage im 350 km entfernten Mexiko-City. Während Teile der Metropole fast frei von Schäden blieben, kam es in anderen Stadtteilen zu Verwüstungen. Grund hierfür waren die weichen, wassergesättigten Sedimente eines in den letzten Jahrhunderten trockengelegten Sees, auf dem die Stadt errichtet wurde. Diese wirken wie ein Verstärker auf die Erdbebenwellen, wobei die Bodenbewegungen bis auf das zwanzigfache verstärkt wurden.

 

Der Erdbebendienst der ZAMG
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
1190 Wien, Hohe Warte 38
Telefon: +43 1 360 26 2508
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