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01.12.2017

Erdbeben im November 2017

Erdbeben in Österreich

Mit 12 gefühlten Erdbeben in Österreich war der November 2017 Spitzenreiter im heurigen Jahr. Insgesamt sind 7450 Wahrnehmungsberichte aus der Bevölkerung eingelangt. Sieben Ereignisse stammen von einer Serie bei Fulpmes, Tirol, zwei kräftige Ereignisse hatten ihr Epizentrum in Niederösterreich.

Erdbeben im November 2017

Die Karte zeigt die Epizentren der in Österreich verspürten Erdbeben im November 2017. Für das Beben in Italien ist die Maximalintensität in Österreich (EMS-98) angegeben.

Das bislang stärkste Erdbeben des Jahres ereignete sich am 3. November um 19:15 Uhr MEZ bei Fulpmes in Tirol (Epizentrum: 47,15°N, 11,36°O). Bei einer Magnitude von 3,9 wurden die Erschütterungen von der Bevölkerung zum Teil sehr stark verspürt und als erschreckend empfunden. Viele Menschen flüchteten ins Freie. Zu diesem Beben sind etwa 5380 Wahrnehmungsberichte beim Erdbebendienst der ZAMG eingegangen. Zahlreiche Gegenstände fielen um oder stürzten aus Regalen. Aus vielen Orten im Stubaital, Wipptal und im Großraum Innsbruck wurden leichte Schäden, wie Risse an Innen- und Außenwänden und das Abfallen von Verputzstücken gemeldet. Aufgrund der Meldungen aus der Bevölkerung wurde die Epizentralintensität mit 5-6 Grad auf der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98) bestimmt. Das Erdbeben konnte auch im gesamten Zillertal und Ötztal, sowie bis in den Raum Landeck, Reutte und Achenkirch verspürt werden.

Dem Hauptbeben folgte nach 32 Minuten um 19:47 Uhr MEZ ein Nachbeben der Magnitude 2,9 mit gleichem Epizentrum bei Fulpmes (47,15°N, 11,36°O), das wieder von vielen Personen deutlich verspürt wurde und eine Intensität von 4 Grad auf der EMS-98 erreichte. Zu diesem Beben sind 550 Meldungen aus der Bevölkerung über das Internet-Wahrnehmungsformular der ZAMG eingegangen. Noch am selben Abend wurde ein weiteres Nachbeben der Magnitude 2,0 um 21:24 Uhr MEZ vereinzelt mit einer Intensität von 2-3 schwach wahrgenommen. Weit über hundert schwache Nachbeben wurden instrumentell registriert und konnten lokalisiert werden.

Bei Alland, NÖ, lag das Epizentrum des Erdbebens vom 8. November um 19:36 Uhr MEZ (48,08°N, 16,07°O), das in größerem Umkreis deutlich - vereinzelt auch kräftig - verspürt wurde und eine Intensität von 4 Grad auf der EMS-98 erreichte. Zu diesem Beben sind auch einige Meldungen aus Wien eingegangen. Die Magnitude betrug 3,1.

Am 9. November um 11:14 Uhr MEZ setzte sich die Serie von Fulpmes, Tirol, mit einem Beben der Magnitude 2,1 fort, das im Epizentralgebiet mit einer Intensität von 3 Grad auf der EMS-98 verspürt wurde.

In der Nacht von 9. auf 10. November wurden um 02:33 Uhr MEZ einige Personen durch ein Erdbeben mit Epizentrum im Karwendel, Tirol (47,31°N, 11,45°O), aufgeweckt. Die Magnitude betrug 2,4 und die Intensität erreichte 3-4 Grad auf der EM-98. Es sind Wahrnehmungsberichte aus dem Gebiet zwischen Innsbruck und Hall sowie aus Scharnitz eingegangen.

Das südliche Niederösterreich wurde am 10. November um 17:40 Uhr MEZ von einem kräftigen Erdbeben der Magnitude 3,7 erschüttert, dessen Epizentrum knapp südlich von Neunkirchen, NÖ, lag (47,70°N, 16,09°O). Viele Menschen erschraken und berichteten von starkem Rütteln und umgefallenen Gegenständen. Aus einigen Orten rund um das Epizentrum sind Berichte über leichte Schäden, wie etwa Verputzrisse, eingegangen. Die Epizentralintensität betrug 5 Grad auf der EMS-98. Das Beben wurde bis Graz, Loosdorf und Gänserndorf wahrgenommen.

Ein schwaches Erdbeben bei Zirl, Tirol (47,27°N, 11,29°O) wurde am 16. November um 07:23 Uhr MEZ vereinzelt mit einer Intensität von 2-3 Grad auf der EMS-98 verspürt. Die Magnitude betrug 1,5.

In der Nacht von 20. auf 21. November setzte sich die Erdbebenserie von Fulpmes, Tirol (47,15°N, 11,37°O) mit einem stärkeren Nachbeben um 00:04 Uhr MEZ fort. Die Magnitude betrug 2,9. Das Beben wurde abermals von vielen Personen im Großraum Innsbruck verspürt und erreichte eine Intensität von 4 Grad auf der EMS-98. Diesem Ereignis folgten zwei fühlbare Nachbeben: am 21. November um 22:10 Uhr MEZ (Magnitude 1,6, Intensität 2-3 Grad) und am 24. November um 09:18 Uhr MEZ (Magnitude 1,1, Intensität 2 Grad auf der EMS-98).

Am 23. November wurde in Kärnten ein Erdbeben der Magnitude 2,8 verspürt, dessen Epizentrum bei Kranjska Gora in Slowenien lag (46,48°N, 13,77°). Es konnte im Raum Arnoldstein-Riegersdorf und vereinzelt bis Villach mit einer Intensität von maximal 3-4 Grad auf der EMS-98 wahrgenommen werden.

Der Erdbebendienst der ZAMG dankt der Bevölkerung für ihre Wahrnehmungsberichte, mit deren Hilfe die Intensität der Erdbeben bestimmt wurde.

Intensitätsskala ( EMS-98 )
Auszug aus der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala 1998, basierend auf Mercalli-Sieberg

2 Grad Kaum fühlbar: Erschütterungen werden nur in einzelnen Fällen von Personen in völliger Ruhe in Gebäuden wahrgenommen.
3 Grad  Schwach fühlbar: Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen. Ruhende Personen empfinden ein leichtes Schaukeln oder Rütteln.
4 Grad Deutlich fühlbar: In Gebäuden von vielen Personen und im Freien vereinzelt wahrgenommen. Einige Schlafende erwachen. Geschirr und Fenster klirren, Türen rütteln.
5 Grad Stark fühlbar: In Gebäuden von den meisten Personen, im Freien von einigen wahrgenommen. Viele Schlafende erwachen. Einige Personen erschrecken. Gebäude werden insgesamt erschüttert. Hängende Gegenstände pendeln stark. Kleine Objekte werden verschoben. Türen und Fenster schlagen auf und zu.
6 Grad Leichte Gebäudeschäden: Viele Menschen erschrecken und flüchten ins Freie. Einige Gegenstände fallen um. An vielen Häusern entstehen geringe Schäden, wie Haarrisse, oder kleine Verputzteile fallen herab.

Weltweite starke Erdbeben

Datum             WeltzeitMEpizentrum                    Kommentar
1.11.2017 02:23 6,6 Südpazifik
21,67°S  168,89°O
Keine Schäden
4.11.2017 09:00 6,8 Nordöstlich v. Hihifo, Tonga
15,36°S  173,22°W
Nichts über Auswirkungen bekannt
7.11.2017 21:26 6,5 Papua Neu Guinea
4,23°S  143,48°O
Tiefherdbeben, keine Schäden
12.11.2017 18:18 7,3 Halabjah, Irak
34,91°N  45,96°O
483 Todesopfer, mehr als 12000 Verletzte, Tausende Obdachlose
13.11.2017 02:28 6,5 Westküste von Costa Rica
9,52°N  84,49°W
Einige Schwerverletzte
17.11.2017 22:34 6,4 Südchina
29,83°N  94,98°O
Sehr dünn besiedelt
19.11.2017 22:43 7,0 Südpazifik
21,33°S  168,68°O
Kleiner Tsunami
30.11.2017 06:32 6,7 Mittelatlantischer Rücken
1,11°S  23,42°W
Unbewohntes Meeresgebiet

Weltzeit = Greenwich Mean Time GMT bzw. UTC                                                                                     
M = Magnitude (logarithmisches Energiemaß)
Angaben ohne Gewähr.

Der Erdbebendienst der ZAMG
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
1190 Wien, Hohe Warte 38
Telefon: +43 1 360 26 2508
E-Mail

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