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17.11.2015

Erdbeben der Magnitude 6,5 in Griechenland

Tausende Menschen flüchten auf die Straße 

Am 17. November 2015 erschütterte ein starkes Erdbeben die Region an der Westküste Griechenlands. Es ereignete sich um 08:10 Uhr MEZ und wurde vor allem auf den Inseln Lefkas und Kefalonia heftig verspürt. Das Epizentrum lag etwa 15 km südwestlich der Stadt Lefkas (38,79°N, 20,47°O) im Meer. Nach Angaben der EMSC (European-Mediterranean Seismological Centre) betrug die Magnitude 6,5 und die Herdtiefe nur etwa 10 km.

Erdbeben der Magnitude 6,5 in Griechenland, Epizentrum

Lage des Epizentrums (Quelle: USGS)

Angaben griechischer Medien zufolge gab es bisher zwei Todesopfer und vier Verletzte. Es wurde über Hangrutschungen, teilweise eingestürzte Gebäude und Schäden an Straßen auf den Inseln Lefkas und Kefalonia berichtet. Nach Berichten von Reportern aus der griechischen Hafenstadt Patras und der Region Olympia sind tausende Menschen auf die Straßen gerannt. Das Beben wurde bis nach Sizilien, Kreta und Skopje verspürt. Um 09:33 Uhr MEZ ereignete sich ein stärkeres Nachbeben mit der Magnitude 5,3 (EMSC).

Erdbeben der Magnitude 6,5 in Griechenland

Seismische Registrierung des Erdbebens an der Station CONA (Conrad-Observatorium, NÖ) der ZAMG. Im ungefilterten Signal sind die den Raumwellen (Pn, Sn) nachfolgenden hohen Amplituden der Oberflächenwellen (z.B.: Rayleigh) besonders gut zu erkennen.

 

Erdbebengefährdung
Die an das Ionische Meer angrenzende Küstenregion Griechenlands befindet sich in einer Zone, in der die höchste Gefährdung durch Erdbeben in Europa besteht. Sie ist nur geringfügig niedriger als z.B. im Norden der Türkei (SHARE, Seismic Hazard Harmonization in Europe, 2013). Für die Ionischen Inseln ergeben sich daraus berechnete mittlere Spitzenbeschleunigungen von etwa 5 m/s², die während einer Zeitspanne von 50 Jahren (typische Nutzungsdauer eines normalen Gebäudes) mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% auftreten oder überschritten werden. Die in Österreich gemäß ÖNORM EN 1998-1 bzw. EUROCODE 8 zu berücksichtigenden horizontalen Bodenbeschleunigungen in der Zone „4“ erreichen Werte von bis zu 1,4 m/s².

Erdbeben der Magnitude 6,5 in Griechenland

SHARE Gefährdungskarte der Spitzenbodenbeschleunigung (PGA) für den Euro-Mediterranen Raum für eine Überschreitungswahrscheinlichkeit von 10% in 50 Jahren (475 Jahre Wiederkehrperiode) auf Festgestein (Quelle: http://www.efehr.org:8080/jetspeed/portal/HazardMaps.psml).

 

Tektonisch aktives Gebiet
Die Inseln Kefalonia und Lefkas befinden sich an der nordost-streichenden Kefalonia Transform Störung welche die Grenze zwischen der Hellenischen Subduktionszone im Süden (zwischen der Ägäischen Platte und der Afrikanischen Platte) und der Kontinent-Kontinent Kollision im Norden (zwischen der Adriatischen Mikroplatte und der Eurasischen Platte) bildet. Die Konvergenzrate zwischen Ägäischer und Afrikanischer Platte beträgt etwa 4 cm/Jahr. Ersten Angaben zufolge weist der Herdmechanismus des Erdbebens (GFZ-Potsdam, National Observatory Athens) auf eine Seitenverschiebung hin, welche der Kefalonia Transform Störung zugeordnet werden könnte.

 

Stärkste Erdbeben in der Vergangenheit
Am 12. August 1953 wurde Kefalonia durch ein Erdbeben der Magnitude Ms=7,2 erschüttert, welches über 450 Todesopfer forderte und etwa 100.000 Obdachlose zur Folge hatte. Die darauffolgende Verschärfung der Baunormen in Hinblick auf die Erdbebensicherheit führte wahrscheinlich dazu, dass ein Erdbeben der Magnitude Ms=7,0 am 17. Jänner 1983 deutlich geringere Schäden verursachte. Im Jänner und Februar 2014 ereigneten sich etwa 60 km südwestlich des heutigen Epizentrums zwei Beben der Magnitude 6,0 und 6,1. Damals gab es Schäden an Gebäuden und Straßen und einige Verletzte auf Kefalonia.

 

 Der Österreichische Erdbebendienst    

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