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Erdbeben

Unter einem Erdbeben versteht man eine Erschütterung der Erdkruste. Diese Erschütterung kann verschiedene Ursachen haben. Erst wenn die Ursache bekannt ist, lassen sich gegebenenfalls auch Maßnahmen zur Verhütung oder Schadensminderung treffen. Oft lässt sich die Ursache bereits aus den Seismogrammen (Aufzeichnungen) der Seismometer (seismische Messgeräte) erkennen, da verschiedene Ursachen zu unterschiedlichen Seismogrammen führen.

Bei Erdbeben werden zwei Hauptgruppen unterschieden: natürliche und induzierte Erdbeben.
  • Zu den natürlichen Erdbeben, deren Ursache unterirdische Massenverlagerungen sind, gehören die tektonischen, vulkanischen Erdbeben, sowie Einsturzbeben (z. B. Dolinen im Karst). Einen Sonderfall stellen die sogenannten Impaktereignisse - durch auf der Erdoberfläche einschlagende Himmelskörper - dar, die man ebenfalls zu den natürlichen Erdbeben zählen kann.
  • Unter induzierten Erdbeben versteht man hingegen alle Bodenerschütterungen, die durch menschliche Eingriffe in die Natur entstehen können. Ursachen können z. B. Prozesse der Rohstoffentnahme aus dem Erdinneren sein (Bergbau, Ölförderung etc.), Talsperren, das Einpressen von Flüssigkeiten in die Erdkruste und Sprengungen.

 

Die meisten stärkeren Erdbeben sind tektonischer Natur. Sie entstehen durch eine plötzliche Verschiebung entlang einer bereits existierenden Bruchzone. Diese Bruchzone kann eine Plattengrenze sein - oder eine Bruchzone im Inneren einer Platte. Die stärksten Erdbeben treten an Plattengrenzen auf (Alaska, Japan, Chile sowie Indonesien).
Unter Platten versteht man die starren Teile der Erdkruste und die darunter liegenden Bereiche des oberen Erdmantels. Der die Platten antreibende Mechanismus ist durch Strömungen des flüssigen Gesteins im Erdinneren zu erklären, wodurch die Platten einige Zentimeter pro Jahr verschoben werden.
Wenn zwei kontinentale Platten (z.B. Afrika - Südamerika) voneinander weggeschoben werden, so wird der entstehende Riss (Mittelatlantischer-, Indischer-, Pazifischer Rücken, u. s. w.) durch nachströmendes flüssiges Gestein aufgefüllt und es entsteht neue ozeanische Kruste.
Dort wo kontinentale Platten gegen eine ozeanische Platte geschoben werden (z.B. Südamerika - pazifische Platte) taucht die schwerere ozeanische Platte unter den Kontinent und kann dort bis in Tiefen von 700 km Erdbeben verursachen, bis sie schließlich im Erdmantel restlos aufgeschmolzen wird.
Treffen hingegen zwei kontinentale Platten aufeinander, so kommt es zu einer Kollision. Die eine Platte kann sich nicht mehr unter die Andere schieben. Die Kollision führt zu einer Stauchung der Platten, die sich in einer extremen Gebirgsbildung, wie z. B. dem Himalayagebirge, äußert. Diese Vorgänge führten auch zur Bildung der Alpen. Im Rahmen dieser Gebirgsbildung kam es zur Ausbildung von Bruchzonen, entlang denen sich die Erdbeben im alpinen Raum ereignen.

 

Wie oft kommen Erdbeben vor?

 In Österreich erreignen sich zwischen 30 - 60 Erdbeben pro Jahr, die von der Bevölkerung auch wahrgenommen werden. Einige dieser Erdbeben überstiegen deutlich eine Magnitude 5 und führten damit zu Gebäudeschäden, die der Intensität 7 entsprechen. Dies war 1927 in Schwadorf in Niederösterreich, 1930 in Namlos/Tirol, 1936 in Obdach/Steiermark und 1972 in Seebenstein/Niederösterreich der Fall. Erdbeben mit Magnituden zwischen 4 und 5, die zu leichten Gebäudeschäden (Intensität 6) führen, finden fast jährlich in Österreich statt. Der Österreichische Erdbebendienst registriert und analysiert im Jahr knapp 600 bebenähnliche Erschütterungen aus Österreich und etwa 4000, die sich im Ausland ereignen. Fast die Hälfte davon sind auf Bergbautätigkeiten zurück zu führen.

Die knapp 400 tektonischen Erdbeben, die sich also in Österreich pro Jahr ereignen, helfen den Aufbau der Erdkruste in den Alpen zu bestimmen, und Bruchzonen auszuweisen, wo auch stärkere Erdbeben statt finden können, wenngleich dies auch selten ist. Im EUROCODE 8 - der Baunorm zur erbebengerechten Errichtung von Bauwerken - wird darauf Bezug genommen.

 Weltweit ist die Anzahl natürlich viel höher. Die Frage 'Gab es gestern ein Erdbeben?' ist damit jedenfalls immer mit 'Ja' zu beantworten. Ganz starke Beben, die Magnituden über 8 aufweisen ereignen sich im Durchschnitt einmal im Jahr. Erdbeben der Magnitude 7 bis 7,9 finden durchschnittlich 17 mal pro Jahr statt. Solche Beben führen oft zu verheerenden Zerstörungen, wie z. B. die Beben in der Türkei und in Taiwan im Jahr 1999 bezeugten. Beben mit Magnituden zwischen 6 und 7 treten bereits 130 mal im Jahr auf, und sogenannte moderate Beben mit Magnituden zwischen 5 und 6 tausendreihundertmal bzw. 3 - 4 mal am Tag! In diesen Magnitudenbereich fallen auch die stärksten Beben in Österreich. Kleinere Erdbeben mit Magnituden zwischen 4 und 5 finden im Schnitt bereits 13 000 mal im Jahr - oder 35 mal am Tag - statt, und Beben zwischen Magnituden 3 und 4 ereignen sich bereits in etwa 130 000 mal im Jahr. Weitere aktualisierte Hinweise finden Sie unter  USGS Earthquake Hazards Program: Earthquake Facts and Statistics

 

Wann und wo ereigneten sich die schlimmsten Erdbeben?

 Die folgende Tabelle listet alle Katastrophenbeben der letzten 800 Jahre, die über 50 000 Todesopfer forderten (siehe unter anderem auch 'Dangerous Earth' von Murck, Skinner & Porter erschienen bei John Wiley & Sons, 1997):

Katastrophenerdbeben der letzten 800 Jahre
LandJahrgeschätzte Anzahl der Todesopfer
Türkei 1268 60.000
China 1290 100.000
Italien 1456 60.000
China 1556 830.000
Aserbaidshan 1667 80.000
Italien 1693 93.000
Italien 1693 60.000
China 1731 100.000
Portugal 1755 60.000
Italien 1783 50.000
Italien 1908 160.000
China 1920 180.000
Japan 1923 143.000
China 1932 70.000
Pakistan 1935 60.000
Peru 1970 70.000
China 1976 240.000
Iran 1990 52.000
Japan 1995 5.500
Türkei 1999 16.000
Indien 2001 20.000
Iran 2003 30.000
Sumatra 2004 280.000
Sumatra 2005 80.000
China 2008 87.000
Haiti 2010 316.000
Japan 2011 20.000

Varianten

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Historische Erdbeben
Holzschnitt aus der 'Weltchronik' von Hartmann Schedel, 1493. 'Und der Engel nahm das Rauchfaß und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde, und Donner folgten, Getöse, Blitze und Beben.' Offenbarung 8,5 © ZAMG Geophysik Hammerl
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