Messnetz

Um Erdbeben und andere Erschütterungen in und außerhalb Österreichs zu registrieren, betreibt der Österreichische Erdbebendienst ein seismisches Messnetz.

Das Messnetz ist eingegliedert in das weltweite seismische Messnetz um schnell und zuverlässig Erdbeben weltweit erfassen zu können.

Seism_Messnetz
Messnetz des Österreichischen Erdbebendienstes

Vorreiter des Messnetzes waren vier digitale Erdbebenstationen, die zwischen 1989 und 1991 in Tirol mit Hilfe der Tiroler Landesregierung errichtet wurden. Daran schloss sich der landesweite Ausbau des Messnetzes an, das kontinuierlich Daten an den Erdbebendienst in Wien an die ZAMG sendet.

Die neue Generation der Erdbebenstationen ist mit Breitband-Systemen ausgerüstet, die mit extrem hoher Genauigkeit Erdbeben aus dem Nah- und Fernbereich registrieren können. Derzeit sind bei Molln (OÖ), Bad Ischl (OÖ), im Schwarzleotal (Slzbg), in Arzberg (Stmk.), in der Kölnbreinsperre (Ktn.), am Hochobir (Ktn.), Bad Bleiberg (Ktn.), Soboth (Ktn.), Damüls (Vbg.), bei Wattenberg (Tirol), St. Quirin (Tirol), Abfaltersbach (Tirol), Feichten (Tirol) und Reutte (Tirol), auf der Rosalia (NÖ), und im 2002 eröffneten geophysikalischen Conrad Observatorium am Trafelberg bei Muggendorf in der Nähe von Pernitz in Niederösterreich solche Stationen in Betrieb. Weitere Stationen sind geplant, um eine flächendeckende Registrierung von Nah- und Fernbeben zu ermöglichen.

 

Conrad Observatorium
Conrad Observatorium © ZAMG

Zusätzlich sind in Wien seit 1993 noch sechs Strong-Motion-Geräte in Betrieb, die für Untersuchungen der Auswirkungen der lokalen Untergrundverhältnisse auf die Erschütterungsintensität verwendet werden. Ein weiteres Geräte dieser Art ist aus denselben Gründen in Wiener Neustadt (NÖ) installiert worden. Inzwischen wird am Ausbau des Strong-Motion-Netzes weitergearbeitet. So gibt es heute Stationen in Feldkirch, Namlos, Innsbruck, Schwaz, Zell am Ziller, Fulpmes, Klagenfurt, auf der Koralpe, Kindberg, Schwadorf, Obdacher Sattel, Admont, am Arlberg, sowie an einigen Standorten von Breitbandstationen.

Ausland

Da Erdbeben „keine Grenzen kennen“, hat die ZAMG Übereinkommen mit den Erdbebendiensten der Nachbarländer zwecks Datenaustausch abgeschlossen. Damit stehen dem Erdbebendienst weitere Daten von Erdbebenstationen im Ausland zur Verfügung, wodurch sich zwar der Auswertungsaufwand wesentlich erhöht hat, jedoch wurde erst dadurch die notwendige Genauigkeit bei der Bestimmung von Epizentren erreicht.
Das Messnetz Österreichs ist damit Teil eines europäischen seismischen Messnetzes geworden und liefert Daten an alle Weltdatenzentren. Natürlich stehen die Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zur Verfügung, sie werden sehr intensiv von in- und ausländischen Forschungsinstitutionen genützt.

Je nach Zweck der Erdbebenerfassung werden verschiedene Systeme eingesetzt

  • Breitband-Stationen (für die Erfassung von Nah- und Fernbeben)
  • Strong-Motion-Stationen (zur Registrierung von starken Bodenbewegungen im Epizentralbereich)

Breitband-Stationen

Strong-Motion-Stationen

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Live - Seismogramm  CONA
Live - Seismogramm CONA © ZAMG Geophysik

Die Erde ist ständig in Bewegung. Wir möchten Ihnen die Möglichkeit bieten, diese Bewegungen live mitzuverfolgen.

Warum ein Erdbeben- Messnetz in Österreich?

Erdbeben sind in Österreich nicht so selten, wie man oft glauben will. Das letzte Erdbeben, das eine Epizentralintensität 8° aufwies und schwere Gebäudeschäden verursachte, ereignete sich am Abend des 8. Oktober 1927 in Schwadorf im Wiener Becken. Die folgende Beschreibung bietet einen Überblick über das damalige Schadensausmaß: "sämtliche Häuser beschädigt, Schulen, Pfarrhof, Haus Nr.32/33 (Gendarmerie), Kindergarten, Gemeindegasthaus und zehn weitere Gebäude teilweise irreparabel baufällig; beide Schornsteine und der Wasserturm der Baumwollspinnfabrik müssen abgetragen werden". Aber auch Nachbarorte, wie Enzersdorf an der Fischa, waren betroffen: "Oberes Ortsende, Richtung Schwadorf, ist ein Trümmerhaufen. Schornsteine, Dächer, ganze Häuser müssen abgetragen werden, jedes Haus zeigt deutliche Spuren des heftigen Erdbebens, sogar massive Neubauten weisen Sprünge an Decken und Wänden auf".

Das jüngste stärkere Erdbeben ereignete sich am Sonntagvormittag des 16. April 1972 in Seebenstein/Niederösterreich im südlichen Teil des Wiener Beckens. Die Folgen waren bis Wien verspürbar, wo die Feuerwehr zu über 800 Einsätzen gerufen wurde. Damals stürzten Teile der Balustrade der Wiener Universität herab und unzählige Schornsteine im Stadtgebiet von Wien wurden beschädigt.

 

Um mögliche Bauschäden durch Erdbeben in Österreich zu reduzieren, wurde die ÖNORM EN 1998-1 für das Bauwesen eingeführt.

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Angewandte Geophysik

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Live-Seismogramm
Historische Erdbeben
Holzschnitt aus der 'Weltchronik' von Hartmann Schedel, 1493. 'Und der Engel nahm das Rauchfaß und füllte es mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde, und Donner folgten, Getöse, Blitze und Beben.' Offenbarung 8,5 © ZAMG Geophysik Hammerl
Magnetik
Willkommen bei der Magnetik der geophysikalischen Abteilung der ZAMG. © ZAMG Geophysik
Conrad Observatorium
Willkommen am Conrad Observatorium. © Gerhard Ramsebner