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Trusted Spotter Network Österreich - Beschreibung

Trusted Spotter – Spezialisten unter den Gewitterjägern in Österreich

 

Trusted Spotter – Spezialisten unter den Gewitterjägern in Österreich

 

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SKYWARN Storm Chaser in Aktion (Quelle: SKYWARN AUSTRIA) 

So genannte „Trusted Spotter“ sind, wie der Begriff bereits verrät, „verlässliche Beobachter“ und nehmen eine bedeutende Rolle innerhalb der Wettervorhersage ein. Als aktive Mitglieder von SKYWARN AUSTRIA sind sie auf ehrenamtlicher Basis tätig und melden Unwetter- und Extremwetterereignisse sowie dabei auftretende Schäden. Eine besondere Stellung haben dabei die Amateur Radio Spotter (ARS). Sie haben eine Amateurfunkausbildung absolviert und sind beim Österreichischen Versuchs Sender Verband (ÖVSV) aktiv.

Alle Beobachtungen und Berichte werden über die Unwetterdatenbank ESWD, welche als Schnittstelle zwischen Trusted Spottern und Meteorologen der ZAMG fungiert, publiziert und unterliegen strengen Richtlinien wie auch hohen Qualitätsansprüchen. Dafür bietet die ZAMG angehenden und bereits lizensierten Trusted Spottern umfangreiche Betreuung und Schulungen an.

Die Vorteile des derzeit bestehenden Trusted Spotter Netzwerkes Österreich sind eindeutig zu erkennen: Davor waren Meteorologen in der unmittelbaren Verwendbarkeit und Analyse von Unwetterbeobachtungen durch unterschiedliche Interpretationen der Unwetterauswirkungen von Spottern eingeschränkt. Darüber hinaus war das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Beobachtungen durch deren anonyme Übermittlung begrenzt. Mit dem Trusted Spotter Netzwerk ist es nun gelungen, ein effizientes Informationsnetzwerk zwischen Trusted Spottern, Meteorologen und Wissenschaftlern zu schaffen.

 

Volle Unterstützung der Wetterenthusiasten durch die ZAMG

 

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Schadensassessment und Besuch eines angehenden Trusted Spotters an der ZAMG Wien (Source ZAMG)

Mit dem TSN verbesserte sich die Verlässlichkeit und Genauigkeit der gemeldeten Daten signifikant. Um die hohen Qualitätsansprüche des Netzwerkes gewährleisten zu können, bietet die ZAMGein individuelles Schulungs- und Trainingsprogramm, regelmäßige Workshops sowie fachliche Unterstützung an. Dieses umfangreiche Schulungsprogramm ist im europäischen Vergleich derzeit noch einzigartig.

Das Programm gliedert sich in zwei unterschiedliche Bestandteile:

Der erste Bestandteil des Programmes wird als ein individuelles Trainingsprogramm (Shadowing) an allen Regionalstellen der ZAMG angeboten und erfolgt durch persönliche Betreuung eines Meteorologen nach standardisiertem Ablauf. Der Fokus liegt hierbei auf dem theoretischen Verständnis der jeweiligen Unwetterereignisse sowie deren Dokumentation, basierend auf den ESWD Meldekriterien.

Der zweite Bestandteil des Trainings umfasst das Angebot jährlicher Workshops, welche in drei Regionalstellen der ZAMG – Wien, Salzburg, Graz – abgehalten werden. Neben Präsentationen und Vorträgen von Spottern und Wissenschaftlern bietet der Workshop die Möglichkeit eines intensiven, persönlichen fachlichen Austausches mit Meteorologen.

Die beiden Bestandteile des Programmes werden von den Teilnehmern zumindest einmalig absolviert, um eine Lizenz als Trusted Spotter zu erhalten. Dennoch wird auch nach erfolgreichem Durchlaufen beider Trainingskomponenten eine jährliche Teilnahme empfohlen.

 

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Präsentationen und wissenschaftlicher Fachaustausch sind Kernelemente, um das TSN-Programm abschließen zu können (Quelle: SKYWARN)

 

International gültige Melderichtlinien: 

 Zusammenarbeit mit dem European Severe Storms Laboratory ESSL

(Europäisches Kompetenzzentrum für Gewitter)

 

Eine grundlegende Motivation für das TSN war die Anpassung der Unwettermeldungen an die europaweit gültigen ESWD Kriterien und Formate. Damit sind die Meldungen hinsichtlich Datenformat, Wetterparameter und deren Schwellenwerte wie Windgeschwindigkeit und Niederschläge international vergleichbar (weitere Informationen finden Sie hier). Diese Richtlinien werden fortlaufend dem aktuellen Forschungsstand angepasst.

Die ESWD selbst, welche von ESSL betrieben wird, ist als Datenbank konzipiert und verzeichnet nach gegenwärtigem Trend einen deutlichen Anstiegder Anzahl an Unwetterbeobachtungen in ganz Europa sowie dem Mittelmeerraum (Holzer, et.al.,2009). Während der Anfänge der ESWD Datenbank wurden ausschließlich konvektive Extremwetterereignisse wie Tornados, Hagel und Starkregen aufgenommen. Seit der Gründung des TSN werden aber auch nicht-konvektive Wetterphänomene aller Saisonen wie zum Beispiel heftiger Schneefall, gefrierender Regen oder Lawinen erfasst.

Hauptaufgabe der ESWD (www.eswd.eu) ist die Sammlung detaillierter Informationen und qualitativ möglichst hochwertiger Daten zu Extremwetterereignissen. Alle Unwetter- und Schadensmeldungen werden über ein Webinterface der Datenbank veröffentlicht. Die Berichte beinhalten den Zeitpunkt, die Art des Ereignisses sowie Intensität und Ausmaß der Schäden. Sie können unabhängig vom Zeitpunkt des Ereignisses publiziert werden, damit werden auch historische Fälle in der Datenbank erfasst. Die Berichte von Trusted Spottern mit ihrer intensiven Ausbildung werden dabei mit einem höheren Qualitätszertifikat versehen.

Durch die Qualität der Unwettermeldungen aus dem TSN Netzwerk wird der operationellen Wettervorhersage eine wertvolle, zusätzliche Quelle bei der Erstellung von Wetterwarnungen europaweit geboten. Insbesondere bei kleinräumigen Unwetterereignissen ist eine vollständige Erfassung durch Wetterstationen unmöglich, daher ergänzen verlässliche Beobachtungen von Trusted Spottern die so genannte „groundtruth“.

ESWD Berichte werden immer häufiger für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet, dabei hat sich die Unterscheidung nach verschiedenen Qualitätsstufen bewährt:

Ein Bericht aus der breiten Öffentlichkeit wird automatisch mit QC0 („erhalten“) bezeichnet, wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass diese Meldungen zum Einreichzeitpunkt noch keiner Qualitätskontrolle unterworfen wurden. Eine Beobachtung eines aktiven Mitgliedes von SKYWARN, beispielsweise,wird mit QC0+ kategorisiert („Plausibilität gegeben“). Eine bestätigte Meldung bekommt das Prädikat QC1 verliehen („bestätigt“). Wenn ein Ereignis als „verifiziert“ gilt (QC2), dann wurde eine Beobachtung durch eine umfangreiche wissenschaftliche Fallstudie untersucht (Groenemeijer et al., 2011). Um eine Unwettermeldung mit QC1 zu qualifizieren, ist für Trusted Spotter die persönliche Beobachtung voraussetzend. Kommt eine Meldung aus anderen Quellen, sind entsprechend niedrigere Qualitätsstempel anzuwenden.

Darüber hinaus wird Trusted Spottern bei ihren Beobachtungen Unterstützung durch Echtzeit-Wetterinformationen mit Hilfe eines ZAMG – Portals angeboten, die auch über mobile Datenverbindungen abrufbar ist. Dazu gehört Satelliteninformation, relevante Nowcasting-Daten sowie die Messwerte von mehr als 250 automatischen Wetterstationen. Auf der einen Seite sind so Gewitterjäger des TSN mit essentiellen Wetterdaten während ihrer Beobachtungen versorgt, auf der anderen Seite können ZAMG Meteorologen TSN Beobachtungen nach Zeitpunkt und Qualitätsklasse filtern.

 

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ESWD Monitor, hier können in Echtzeit alle oder speziell die TSN Meldungen in Echtzeit angezeigt werden

 

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit in Echtzeit möglich

 

METEOPICS bietet eine Subdomain auf seiner Homepage als offizielle, internationale Bilderplattform an. Die Plattform ist speziell auf die Beiträge von dem TSN ausgelegt und dient der Öffentlichkeit als Datenbasis für einen raschen Zugriff auf die Bilddokumentation von Wetterextremereignissen während des ganzen Jahres. (www.tsn.meteopics.eu)

 

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METEOPICS Bilddatenbank

 

Neben den vielfältigen Möglichkeiten direkt bei der ESWD oder über die Skywarn Homepage Unwetter und ihre Auswirkungen zu melden, wurde nun auch die Meldeseite der ZAMG in das ESWD System integriert. (http://www.zamg.ac.at/cms/de/aktuell/ihre-unwettermeldung)

Die Eingabe erfolgt dort ebenfalls nach ESWD Richtlinien und die Meldung wird direkt auf der ESWD Homepage mit der Qualitätsstufe QC0 („Meldung eingegangen“) veröffentlicht

Der operationellen Wettervorhersage der ZAMG steht durch diese Kooperation nun ein Echtzeit-Informationsnetzwerk zur Verfügung, welches Meteorologen befähigt, ausgegebene Warnungen während kritischer Wettersituationen zu evaluieren, zu verifizieren und gegebenenfalls auch zu modifizieren. Mitunter können anhand der Informationen des TSN Netzwerkes entsprechende Aussendungen an Behörden und die Öffentlichkeit  gemacht werden sowie gemeinsame Fallstudien rasch veröffentlicht werden.

 

Stimmen zu TSN:

Pieter Goenemeijer, Direktor European Severe Storms Laboratory, ESSL:

Die Eintragung von Unwettermeldungen ehrenamtlicher Beobachter über eine spezielle Schnittstelle in die ESWD ermöglicht eine Echtzeit-Nutzung im Vorhersagebetrieb der ZAMG für die Ausgabe von Wetterwarnungen sowie eine nachträgliche Nutzung durch Wissenschaftler aus aller Welt für ihre Studien. Somit stellt diese Zusammenarbeit ein europäisches Vorbild dar, auf deren Nachfolge in anderen Ländern das ESSL hofft.

Mathias Stampfl, Obmann SKYWARN Österreich:

Diese neue und in Europa bisher einzigartige Kooperation zwischen Wetterdienst und gemeinnützigem Wetterverein, zwischen Meteorologen und Hobby-Wetterbeobachtern, ist ein großer Schritt in die Zukunft der modernen Unwetterforschung- und Warnung.

Michael Staudinger, Direktor ZAMG:

Die Kooperation des Trusted Spotter Network Austria bedeutet für alle Beteiligten einen klaren Gewinn: Die Warnung der Öffentlichkeit vor gefährlichen und extremen Wettersituationen zählt zu den Kernaufgaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, die zusätzliche verfügbare Information im Warnprozess durch das TSN birgt so weiteres Verbesserungspotential.
Die METEOPICS Bilderplattform unterstützt die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Aufgrund der spezifischen Schulungen der Trusted Spotter erweitert sich die Anzahl zuverlässiger Meldungen in der Europäischen Unwetterdatenbank ESWD.
Und nicht zuletzt macht die Integration der ZAMG Regionalstellen in das TSN lokale Wetterexpertise für das Netzwerk nutzbar.

 

Kontakte:

ESSL

Alois Martin Holzer

+43 664 450 99 89

alois.holzer@essl.org

https://www.essl.org/

 

SKYWARN

Mathias Stampfl

mathias.stampfl@skywarn.at

http://www.skywarn.at/

 

METEOPICS

Division Customer Service, Salzburg

ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

+43 662 626301

meteopics@zamg.ac.at

 

TRUSTED SPOTTER NETWORK AUSTRIA / ZAMG

Thomas Krennert, Projektleitung

Weather, Division Customer Service

ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

+43 1 36026 2309

t.krennert@zamg.ac.at

http://www.zamg.ac.at/tsn/

 

Aktualisiert: 170413

Die ZAMG ist eine
Forschungseinrichtung des
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
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Meteorologie und Geodynamik
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