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26.04.2018

Neue Wetterstation am Dachstein

Neue Wetterstation am Dachstein

©ZAMG/Podesser

Diese Woche wurde am Dachstein eine neue Hochgebirgs-Wetterstation der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Betrieb genommen. Sie liefert online rund um die Uhr Wetterdaten aus 2.700 und 2.520 Meter Seehöhe und ist Teil des TAWES-Messnetzes (teilautomatisiertes Wettererfassungssystem) der ZAMG. Dieses Messnetz besteht aus rund 270Standorten in ganz Österreich, ist damit eines der dichtesten weltweit und liefert täglich zwei Millionen Messwerte unter anderem für Wettervorhersagen und -warnungen, für die Klimaforschung sowie für zahlreiche Nutzer wie Landeswarnzentralen, Katastrophenschutz, Lawinenkommissionen und Straßendienste.

Auch in Zeiten der weltweiten Messungen durch Satelliten sind Wetterstationen am Boden ein wesentlicher Bestandteil der Meteorologie. Sie liefern Informationen über kleinräumige Vorgänge bei Wetter und Klima und dienen der Überprüfung der Satellitendaten. Besonders Messungen in großen Höhen, wie an der neuen Station am Dachstein, sind von großer Bedeutung. Denn im Hochgebirge reagiert die Natur besonders empfindlich auf Änderungen im Klima. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung der Gletscher.

Östlichster Gletscher Österreichs: knapp 50 Prozent Massenverlust

Am Dachstein befinden sich die fünf östlichsten Gletscher der Alpen. Der größte davon, der Hallstätter Gletscher, verlor seit dem Jahr 2005 rund 170 Meter Länge. Seit seinem historischen Höchststand im Jahr 1850 sind 47 Prozent Eismasse des Hallstätter Gletschers geschmolzen. Die neue Wetterstation liefert Daten direkt vom Gletscher und dient unter anderem der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Klima, Eis, Vegetation und Tierbestand.

Messungen unter extremen Wetterbedingungen: bis zu -27 Grad und 150 km/h

Da am Dachstein extreme Wetterbedingungen herrschen können, misst die ZAMG an zwei Standorten, um optimale Daten zu erhalten. Direkt am Gletscher, in 2.520 Meter Seehöhe werden Lufttemperatur, Luftfeuchte, Taupunkt, Menge und Dauer des Niederschlags sowie die Schneehöhe gemessen. Dieser Standort ist etwas windgeschützt, was besonders für die Erfassung von Regen und Schneefall wichtig ist, um den Messfehler bei großen Windgeschwindigkeiten zu verringern. Bei der Bergstation der Dachstein-Seilbahn werden auf 2.700 Meter Seehöhe Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Sonnenscheindauer und Globalstrahlung gemessen.

Die Messgeräte wurden Anfang des Winters installiert und registrierten bereits extreme Wetterverhältnisse. So wurden am 26.2.2018 minus 27,4 °C gemessen und am 29.10.2017 Orkanböen bis 150 km/h.

Breite Kooperation für umfangreiche Nutzung

Die neuen Messgeräte am Dachstein dienen zahlreichen Anwendungen und wurden durch eine breite Kooperation mit den Ländern Oberösterreich und Steiermark und große Unterstützung durch die Planai-Hochwurzenbahnen ermöglicht. Konkret übernahmen folgende Abteilungen die Kosten: für den 2D Ultraschall-Windsensor die Abteilung 15 (Energie, Wohnbau und Technik) des Landes Steiermark, für den Sternpyranometer die Direktion für Katastrophenschutz und Landesverteidigung des Landes Steiermark, für den Schneehöhensensor die Abteilung 14 (Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit) des Landes Steiermark, für die Temperatur- und Feuchte-Sensoren die Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft (Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft, Lawinenwarndienst) des Landes Oberösterreich und den Sonnenscheingeber, die Niederschlagswippe und den Niederschlagsmelder finanzierte die ZAMG.

Fünfthöchste Wetterstation der ZAMG

Die neue Wetterstation am Dachstein erweitert das Messnetz der ZAMG um einen wichtigen Standort in der Osthälfte der österreichischen Alpen und ist die fünfthöchste TAWES-Messstation. Die am höchsten gelegenen Wetterstationen der ZAMG sind derzeit: Brunnenkogel (Tirol, 3.437m), Sonnblick (Salzburg, 3.109m), Pitztaler Gletscher (Tirol, 2.864m), Valluga (Tirol, 2.805m), Dachstein (Steiermark/Oberösterreich, 2.700m bzw. 2.520m), Ischgl/Idalpe (Tirol) 2.327m, Rudolfshütte (Salzburg, 2.317m).

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Dachstein: neue Wetterstation am östlichsten Gletscher Österreichs. Im Vordergrund auf 2.520 Meter Seehöhe die Wetterhütte sowie Niederschlags- und Schneemessgeräte. Bei der Bergstation im Hintergrund auf 2.700 Meter Seehöhe werden Wind und Sonnenschein gemessen. (Foto: ZAMG/Podesser) –>zum Bild in Originalgröße

Dachstein: Eröffnung der neuen Wetterstation am östlichsten Gletscher Österreichs. Eröffnung der neuen Hochgebirgs-Wetterstation der ZAMG mit Vertretern der Bundesländer Oberösterreich und Niederösterreich. (Foto: ZAMG/Podesser) –>zum Bild in Originalgröße

Arbeiten an der neuen Wetterstation der ZAMG am Dachstein unter extremen Bedingungen. In den ersten Wochen der Messungen wurden bereits bis zu minus 27,4 °C (26.2.2018 ) und bis zu 150 km/h (29.10.2017) gemessen. (Foto: ZAMG/Podesser) –>zum Bild in Originalgröße

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Dachstein-Gletscher: Vergleich der Jahre 1906 und 2003 (anklicken für großes Bild)

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