„Die Vielzahl der Erdbeben im Bereich Tirol, dem Friaul aber auch in Südtirol und Veneto stellen eine nicht unerhebliche Gefahr für diesen Wirtschaftsraum dar, wie die Erdbeben 1976 im Friaul – wo es leider auch viele Todesopfer zu beklagen gab –, aber auch das Beben 2001 in Meran und eine Vielzahl von historischen Erdbeben gezeigt haben”, meint der Seismologe Wolfgang Lenhardt, Leiter der Abteilung Geophysik an der ZAMG.
Im Rahmen eines INTERREG IV Projektes – HAREIA – ist daher die Erstellung eines neuen, gemeinsamen Erdbebenkatalogs für diese Wirtschaftsregion die oberste Zielsetzung
des Leadpartners
Im Projekt HAREIA – Historical And Recent Earthquakes in Italy and Austria wurden für die Einschätzung der Erdbebengefährdung im Untersuchungsbereich zwei Schwerpunkte gesetzt:
Wolfgang Lenhardt umreißt die Arbeiten folgendermaßen: „Thema sind die Neubewertung der stärksten Erdbeben in Tirol bis 1900 und die Errichtung von drei zusätzlichen Erdbebenstationen im Lechtal, im Zillertal und im Stubaital zur Verbesserung der Lokalisierungsgenauigkeit der Erdbeben in Tirol und im angrenzenden Ausland.”
Noch heute zeugt in Innsbruck am Goldenen Dachl eine Inschrift in Form eines Chronogramms vom Beben. Die Inschrift wurde 1671 angebracht und erinnert an die Restaurierungsarbeiten nach dem Erdbeben von 1670.
RESTAVROR POST HORRENDOS CONTINVO ANO ET VLTRA PERPESSOS TERRAE MOTVS
(5+500+100+1+5+5+50+1000+5=1671)
Übersetzung: Ich werde nach den schrecklichen Erdbeben, die ununterbrochen in diesem Jahr und darüber hinaus erlitten worden sind, wiederhergestellt.
Die Historikerin Christa Hammerl, Abteilung Geophysik der ZAMG, spürt vor allem in Tiroler Archiven Originalquellen auf, die Informationen zu den wichtigsten historischen Erdbeben enthalten, um die Qualität einer Interpretation und Neubewertung der historischen Erdbeben zu verbessern.
Auch zum Erdbeben vom 17. Juli 1670 in Hall in Tirol hat sie bereits eine Vielzahl von zeitgenössischen Quellen in den Archiven ausgehoben. Christa Hammerl: „Eines der stärksten Erdbeben, das den Tiroler Raum jemals heimsuchte, war wohl das Erdbeben das sich vor genau 340 Jahren am 17. Juli 1670 ereignete. Das Epizentrum lag bei Hall in Tirol, die Epizentralintensität wird im Österreichischen Erdbebenkatalog mit 8 Grad auf der 12-teiligen EMS-98 angegeben, was bedeutet, dass viele Personen das Gleichgewicht verlieren, an vielen Gebäuden einfacher Bausubstanz schwere Schäden auftreten, d.h. Giebelteile und Dachgesimse und einige Gebäude sehr einfacher Bauart einstürzen.
In Hall in Tirol wurden viele Häuser beschädigt, einige stürzten ein. Viele der Häuser wurden damals durch Baumstämme gepölzt, später wurden die betroffenen Häuser in Hall durch sogenannte Erdbebenmauern, Vorbauten aus Höttinger Breccie, zusätzlich verstärkt, die übrigens noch heute zu sehen sind. Zahlreiche zeitgenössische Texte berichteten über das Erdbeben, z.B. die Chronicalia Hallensia in der Bibliothek des Ferdinandeums in Innsbruck. Neuesten Forschungen nach forderte das Beben vermutlich weniger als zehn Todesopfer, aus den zeitgenössischen Quellen erhält man Information zu 20 Orten, wo das Beben Schäden verursachte bzw. verspürt wurde.”
http://www.tirol.gv.at/themen/sicherheit/katziv/lwz/hareia/
seismo@zamg.ac.at