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29.01.2010

Jänner 2010 um 1,5 °C zu kalt – viel Schnee im Osten, wenig im Westen

Die zum Teil sehr milden Monate November und Dezember 2009 hatten schon Befürchtungen laut werden lassen, dass der heurige Winter nicht stattfinden wird. Doch der gerade zu Ende gehende Jänner belehrt uns eines besseren. Mit Temperaturabweichungen bis zu -3,9 °C im Semmering- und Wechselgebiet, auf den Bergen sogar bis zu -4,3 °C und dem absoluten Temperaturminimum in Gars/Kamp (NÖ) mit -27,6 °C am 27. d.M. hält der Wintermonat Jänner seinen eisigen Griff über Österreich. Trotz der kalten Temperaturen liegen die Abweichungen vom vieljährigen Österreich-Mittel im Bereich der zu erwartenden statistischen Variabilität.

In Retz (NÖ) wurde mit 31 cm maximaler Gesamtschneehöhe am 28. d.M. der Jännerrekord um nur 1 cm verfehlt. Im Osten wurden mit den tiefen Temperaturen und Niederschlagssummen bis zu 265 % teilweise zwei- bis dreimal so viele Schneedeckentage als im vieljährigen Mittel gezählt. In den inneralpinen Regionen westlich der Linie Villach (K) – Mariazell (St) – Linz verlief der Jänner 2010 im Mittel um etwa 40 % bis 50 % zu trocken. Dies spiegelt sich auch in der aufsummierten Neuschneehöhe wider, die z.B. in Reutte (T) nur etwa 35 % (24 cm) vom Klimamittel erreichte.

Polare Kaltluftvorstöße bringen Abweichungen von bis zu -3,9 °C

Verbreitet zu kalt verlief der erste Monat des Jahres 2010 in weiten Teilen des Bundesgebietes. In Vorarlberg, im Tiroler Oberland, Flachgau, in Ober- und Niederösterreich, Wien, Nord- und Mittelburgenland kamen die Monatsmittel nur auf 2,5 bis 1,5 °C an die vieljährigen Mittel heran. Zwischen minus 1,5 und minus 0,5 °C unter dem Mittelwert lagen die Temperaturen im Unteren Inntal, in Salzburg südlich des Tennengebirges, im Ausseerland, im steirischen Ennstal, Grazer Becken und Südburgenland. Von den tiefen Temperaturen geschützt waren die Tallagen Kärntens, dass Murtal und der äußerste Süden der Steiermark. Hier verlief der Jänner dem Durchschnitt entsprechend. Leicht überdurchschnittliche Werte zwischen 0,5 °C und 0,7 °C über dem Mittel wurden im Klagenfurter Becken und dem Lavanttal registriert. Die relativ kältesten Orte des vergangenen Jänner waren in den höher gelegenen Lagen des Alpenostrandes und im nördlichen Waldviertel anzutreffen. Semmering (NÖ) war mit -6,4 °C um 3,9 °C kälter als im 30-jährigen Mittel. Nahezu gleichauf sind die Stationen Fischbach (St) mit -6 °C (-3,8 °C) und Mariazell (St) mit -5,9°C (-3,6 °C). Für den absoluten Tiefstwert im Jänner sorgte nicht wie sonst üblich eine Bergstation, sondern Gars/Kamp im Waldviertel mit -27,6 °C. Die absolut kälteste Station neben den Bergstationen war im Jänner 2010 St. Jakob/Defereggen mit einer Monatsmitteltemperatur von -10 °C (-2,1 °C). Klagenfurt war mit 0,7 °C der relative wärmste Ort Österreichs. Der absolut wärmste Ort war trotz einer negativen Temperaturabweichung von -2,4 °C die Wiener Innenstadt mit einem Monatsmittel vom -1,2 °C. Das absolute Tagesmaximum im Jänner 2010 wurde in Berndorf am Neujahrstag mit 10,6 °C erreicht.

Im Westen und Süden zu trocken

Abgesehen vom Rheintal und dem Bregenzer Wald fiel in den westlichen und südlichen Bundesländer verbreiten nur 30 bis 75 % der üblichen Jännerniederschläge. Unter 75 % der mittleren Niederschläge wurden im südlichen Oberösterreich, der Weststeiermark, in Kärnten westlich von Klagenfurt, in Tirol und in Teilen Vorarlbergs erreicht. Besonders trocken zeigten sich dabei das Paznaun (T) und das Inntal bei Landeck (T). In Nauders (T) summierte sich bis zum 29. d.M. rund 2 mm, das entspricht etwa 5 % der durchschnittlichen Niederschlagssumme im Jänner und ist somit absolut wie relativ der trockenste Ort Österreichs. Diese niedrigen Werte sind aber für diese Region und für den Monat Jänner nicht besonders außergewöhnlich. Die vermehrte Tiefdrucktätigkeit östlich und südöstlich von Österreich brachte dem Osten und Südosten relative Niederschlagsmengen von 125 bis 265 %. Das östliche Waldviertel, Weinviertel, Wien und das Grazer Feld zeigen verbreitet Niederschlagsabweichungen zwischen 175 % und 225 %. Zwischen Deutschlandsberg (St) und Neusiedl/See (B) lagen die Abweichungen bei etwa 150 % der 30-jährigen Mittelwerte. 265 % relative Abweichung vom vieljährigen Mittel wurde in Langenlois (NÖ) mit 40 mm erreicht. Dem Monat Jänner entsprechende Niederschläge summierten sich in einem schmalen Streifen zwischen Klagenfurt und dem Semmering, sowie zwischen dem Semmering und dem Mühlviertel auf.

In Retz mehr Neuschnee als in St. Anton/Arlberg

Passend zu den nach Osten hin fallenden Temperaturabweichungen, waren auch die Schneeverhältnisse in Wien und Niederösterreich überdurchschnittlich. Die vermehrte Tiefdrucktätigkeit östlich und südöstlich von Österreich brachte dem Osten statt vier zwölf Tage mit Schneefall und teilweise zwei bis dreimal so viel Tage mit einer geschlossenen Schneedecken als im 30-jährigen Mittel. Im Jänner 2010 summierte sich in Retz (NÖ) eine Neuschneehöhe von 48 cm, in St. Anton (T) hingegen nur 22 cm. Bis zum 29. d.M. wurde abgesehen von den Bergstationen die größte Neuschneesumme in Schröcken (V) mit 112 cm (65 %) gemessen.

Trüb im Osten, sonnig im Westen

Von Vorarlberg ostwärts über Nordtirol, Salzburg bis in Ausseerland schien die Sonne dem vieljährigen Mittel (75-125%) entsprechend. Im restlichen Bundesgebiet wurden nur etwa 25 % bis 75 % der zu erwartenden Sonnenstunden erreicht. Am häufigsten zeigte sich die Sonne auf den Bergen. So wurde am Sonnblick 131 h (106 %) Sonnenschein registriert, gefolgt vom Hahnenkamm mit 121 h (99 %). Die sonnigste Landeshauptstadt war in diesem Jänner Innsbruck mit 85 h (81%), am anderen Ende der Liste der Landeshauptstädte steht Linz mit 26 Sonnenstunden (45 %). Litschau (NÖ) war derjenige Ort Österreichs der mit 16 Stunden (30%) die wenigsten Sonnenstunden registrierte. Aus heutiger Sicht werden die letzten drei Tage des Jänners 2010 an dieser Reihenfolge nicht mehr viel ändern.

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