Buchpräsentation am 28. September 2007, 19 Uhr in Kolm Saigurn (Naturfreundehaus, Nationalpark Hohe Tauern, Rauris) anlässlich der Eröffnung des neuen Gletscherlehrpfades am Hohen Sonnblick.
Erhältlich ab 28. September im Buchhandel oder direkt an der ZAMG (klima@zamg.ac.at)
Wissenschaftlich exakt und trotzdem allgemein verständlich die wichtigsten Aspekte von Klimaschwankungen und Gletscheränderungen zu beschreiben – das war das Anliegen der AutorInnen des Buches „Gletscher im Klimawandel – Vom Eis der Polargebiete zum Goldbergkees in den Hohen Tauern“.
Reinhard Böhm, Wolfgang Schöner, Ingeborg Auer, Bernhard Hynek und Christine Kroisleitner sind Klimaforscher an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien, Gernot Weyss ist freischaffender Umwelttechniker und Fotograf aus Wien.
Regelmäßig werden in Tageszeitungen und im Fernsehen Bilder vom Gletscherrückgang als Beleg für den menschlichen Einfluss auf das Klima gezeigt. Dass dieser Zusammenhang zwischen dem Klima und dem Gletscherverhalten jedoch nicht so trivial und linear ist wie oft vermittelt wird, soll der Leser dieses Buches genauso als wichtige Information behalten wie ein grundlegendes Verständnis des Zusammenhanges zwischen dem Klima und den Eisgebieten der Erde. Aber auch die Faszination, die die Gletscher und polaren Eisschilde seit jeher auf den Menschen ausüben, soll dem Leser durch eine reichhaltige Bebilderung spürbar gemacht werden.
Reinhard Böhm: „Wir wollen damit einen tieferen Einblick in die Wirkungsmechanismen zwischen Klimaänderung und Gletscherverhalten geben, als das in den täglichen Medienberichten und politischen Diskussionen geschieht. Die komplexen Zusammenhänge des Systems Klima und seiner Teilkomponente der Kryosphäre sollen anschaulich und allgemein verständlich dargestellt, und die Unterschiede zwischen gesicherten Erkenntnissen, möglichen Theorien und reiner Panikmache deutlich gemacht werden.“
Die Idee zum Buch entstand am Goldbergkees, am Fuße des Sonnblicks und des Observatoriums der ZAMG, im Nationalpark Hohe Tauern. Als die Naturfreunde hier den Gletscherlehrpfad (ein Teil des Tauerngold-Rundwanderweges) sanierten, baten sie die Klimaexperten der ZAMG, neue Schautafeln zu entwerfen.
Böhm: „Wir haben dafür eine Vielzahl an wissenschaftlichen Daten, Erkenntnissen und Theorien allgemein verständlich aufgearbeitet und in fünfzehn Schautafeln mit Texten, Grafiken und Abbildungen umgesetzt. Der Platz auf diesen Tafeln war aber natürlich begrenzt, so dass wir viele wertvolle Informationen nicht mehr unterbringen konnten. So entstand die Idee, sie in einem Buch über Klimaschwankungen und Gletscheränderungen zu verarbeiten. Denn unserer Meinung nach ist eines der Hauptprobleme der öffentlichen Klimadebatte ohnehin, dass viele Zusammenhänge sowie der aktuelle Stand und die Möglichkeiten der Klimaforschung zu wenig bekannt sind. Außerdem ist auch wichtig, die Unsicherheiten und Fragen zu zeigen, mit denen die moderne Klima-Wissenschaft konfrontiert ist, dass also weiterhin eine intensive und seriöse Grundlagenforschung notwendig ist, um überhaupt eine sinnvolle Basis für jegliche politische und wirtschaftliche Diskussion und Entscheidung zu haben.“
So entstand ein Buch, das ergänzt durch zahlreiche Abbildungen und Grafiken, einen anschaulichen Bogen spannt von den Klimaschwankungen der letzten Jahrhunderte, Jahrtausende, und Jahrmillionen über die Frage des menschlichen Einflusses und die Zukunftsszenarien bis hin zum möglichen Schicksal der Gletscher im Allgemeinen und des Goldbergkeeses in den Hohen Tauern im Speziellen.
Böhm: „Selbstverständlich wollen wir auch Lust machen hinaus zu gehen, um direkt in der Natur zu sehen und zu begreifen, was der Klimawandel im Hochgebirge bewirkt, wie es ja auch die Idee des Gletscherlehrpfads am Goldbergkees ist“.
Das Buch enthält unter anderem eine Zusammenfassung der Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Projekte in der Sonnblick- und Großglocknergruppe, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, der Europäischen Union, des Landes Kärnten/Abteilung Wasserwirtschaft, der KELAG, der VERBUND-AHP, der Großglockner Hochalpenstrassen AG und des Sonnblick Vereins durchgeführt wurden.
Die AutorInnenDas Autorenteam setzt sich aus fünf KlimatologInnen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien und einem Umwelttechniker zusammen. Sie sind in der theoretischen Arbeit am Computer ebenso zu Hause wie in der praktischen Arbeit am Eis der Gletscher.
Auer Ingeborg ist seit 1975 im wissenschaftlichen Dienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien mit Schwerpunkt Klimavariabilität im Alpenraum. Derzeit unter anderem Leitung des Projektes „A Tale of Two Valleys“ im Rahmen des bm.bwk proVision Programms. Erhielt den Klimaschutzpreis 2006 der Österreichischen Hagelversicherung und den International Journal of Climatology Prize 2006 der hoch angesehenen britischen Royal Met Society.
Böhm Reinhard ist seit 1973 im wissenschaftlichen Dienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien mit Schwerpunkt Klimavariabilität im Alpenraum und Gletscherschwankungen. Er leitete unter anderem das EU-Projekt „ALP-IMP“ in dessen Rahmen, in Zusammenarbeit mit führenden Klimaforschern Europas, erstmals eine Rekonstruktion des Klimas im Alpenraum für die letzten 1000 Jahre erarbeitet wurde.
Schöner Wolfgang ist im wissenschaftlichen Dienst an der Zentralanstalt für Meteorologie und Generalsekretär des Sonnblick Vereines. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte beziehen sich auf Klimavariabilität, Hochgebirgsklimatologie und insbesondere die Interaktionen von Klima und Gletscher. Derzeit unter anderem Leitung des österreichischen Forschungsbeitrages zum Internationalen Polarjahr, mit Expeditionen nach Grönland und Franz Josef Land.
Hynek Bernhard studierte Meteorologie und ist seit vier Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZAMG tätig. Sein wissenschaftliches Interesse liegt im Messen und Modellieren der klimatisch bedingten Massenänderung von alpinen Gletschern.
Kroisleitner Christine studierte Geographie und ist seit 2006 im wissenschaftlichen Dienst an der ZAMG mit dem Schwerpunkt Gletscher, Schnee und Permafrost, deren Interaktionen mit dem Klima und deren Auswirkungen auf ihre Umwelt.
Weyss Gernot studierte Kulturtechnik in Wien und ist als freischaffender Umwelttechniker und Fotograf tätig. Er bringt seit mehreren Jahren sein technisches Know-how und seine ausgezeichneten fotografischen Fähigkeiten als freier Mitarbeiter in die Arbeitsgruppe „Glaziologie“ an der ZAMG ein.
Zwei Bilder als Beispiele für den reichhaltigen Fototeil